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Ceteris paribus (lat.)- other things being equal (engl.)- wobei die übrigen Dinge gleich sind (de.)

 

Definition:

Bei Ceteris paribus[1] handelt es sich um einen lateinischen Ausdruck, welcher übersetzt “unter sonst gleichen Umständen“ bedeutet. Der Ausdruck “Ceteris paribus“ ist auch unter “Ceteris-paribus-Modell“ oder “Ceteris-paribus-Klausel“[2] bekannt.

Der Begriff wird vor allem von Ökonomen benutzt, um komplexe Gegebenheiten zu vereinfachen und um den Einfluss einzelner Analysepunkte auf das Ganze herauszustellen.

Da sich vor allem theoretische Modelle schwer auf die Realität übertragen lassen wird bei der Annahme von Ceteris paribus eine Art Standbild erzeugt, um an einem oder wenigen Faktoren zu zeigen, welche Veränderungen durch diese ausgelöst werden. Dieses Vorgehen ähnelt sehr der Arbeitsmethodik bei Laborversuchen in der Naturwissenschaft.

Erstellt man ein Modell so blendet man einzelne Reaktionen aus, indem man Ceteris paribus  annimmt. Ebenfalls wird die Konstanz einzelner Faktoren angenommenn, um mit ihnen besser arbeiten zu können.

Entstehung der Ceteris-paribus-Klausel: [3]

Die Ceteris-paribus-Klausel wurde von Alfred Marshall, am 26. Juli 1842 in Bermondsey bei London geboren und am 13. Juli 1924 in Cambridge verstorben, benannt.

Er war einer der einflussreichsten Nationalökonomen seiner Zeit und behandelte in seinem 1890 veröffentlichten Hauptwerk „Principles of Economics“[4] welche Vorzüge die Annahme von Ceteris paribus für theoretische Untersuchungen in der Ökonomie hat.

Nach Alfred Marschall wird die Ceteris-paribus-Klausel wie folgt charakterisiert:

Zunächst ging er davon, dass das Element der Zeit der Hauptstörfaktor in wirtschaftlichen Analysen ist. Durch die Annahme von Ceteris paribus ist das Separieren und Auftrennen von komplexen Frage-stellungen möglich, indem er die störenden und verkomplizierenden Nebenbedingungen abtrennt.

Hierbei muss immer im Hinterkopf behalten werden, dass alle anderen Einflussfaktoren in der Realität weiterhin bestehen und nur für die Anschaulichkeit eingefroren werden. Je mehr Umweltfaktoren ausgeschaltet werden, desto genauer kann man sich auf den Untersuchungsgegenstand konzentrieren, diesen analysieren und daraufhin Schlüsse aus den Ergebnissen ziehen. Mit dieser Methode können von nun an spezialisierte Diskussionen realistischer behandelt werden.

Wenn angenommen wird, dass alle übrigen Einflussfaktoren konstant bleiben wird dies durch das Kürzel «c. p.» kenntlich gemacht. Durch diese Einschränkung der Allgemeingültigkeit werden eventuell auftretende Wechselwirkungen mit anderen Einflussfaktoren außer Acht gelassen. Es stellt sich von nun an die Frage, ob es sinnvoll ist, die übrigen Einflussfaktoren konstant zu halten.

Ein Beispiel zur Anwendung in der Wirtschaft: Der Obsthandel:

Betrachten wir als Beispiel den sich aufgrund von schlechter Bananenernte ändernden Bananenpreis in Deutschland. Wir nehmen in diesem Beispiel an, dass Kiwis als Substitionsgut von Bananen gesehen werden. Das bedeutet, die Kunden haben weder eine Präferenz für das eine oder das andere Produkt. Ihnen ist es egal ob sie Kiwis oder Bananen kaufen und sie ziehen nur den Preis in ihre Kaufentscheidung mit ein. Wir setzen nun die Konstanten mit Hilfe von Ceteris paribus fest und gehen in unserem Beispiel davon aus, dass sich der Kiwipreis nicht ändern wird. Desweiteren gehen wir von einer konstanten Importsteuer aus.

Die X-Achse wird in unserem Beispiel als Zeit definiert und die Y-Achse stellt, wie in Abbildung 1 zu erkennen, einen fiktiven Preis dar.

Nun erfahren wir, dass die diesjährige Bananenernte aufgrund von Unwettern und Trockenheit sehr mager ausfallen wird. Die schlechte Ernte führt zu einer Verknappung des Angebots, also gibt es weniger Bananen bei uns zu kaufen. Daraus lässt sich mit Hilfe von Ceteris paribus, also den als konstant definierten Kiwi- und Importpreisen, folgern und die These aufstellen:

Die Bananenpreise werden steigen (siehe Abbildung 1).

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Im Allgemeinen kann davon ausgegangen werden: je limitierter das Angebot ist, desto höher ist die Nachfrage und folglich wird sich der Bananenpreis erhöhen.

In der Realität müssen jedoch andere Faktoren berücksichtigt werden, da sowohl die Kiwipreise als auch die Zollpreise Einfluss auf die Bananenpreise haben.

Eine Steigerung der Bananenpreise führt zwangsläufig dazu, dass die Kiwi-Nachfrage steigen wird. Da Kiwis ebenfalls nur begrenzt verfügbar sind, führt eine Verknappung der Kiwis ebenfalls zu einer Preiserhöhung und die Preissteigerung der Bananen wird durch diese Wechselwirkung voraussichtlich gedämpft (siehe Abbildung 2).

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 Die Senkung der Zölle hingegen führt unweigerlich zu einem Rückgang der Kiwi- und Bananenpreise. (siehe Abbildung 3)

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Unsere zuvor aufgestellte Prognose, dass die Bananenpreise bei schlechter Ernte unweigerlich stark ansteigen, kann in der Realität aufgrund der abmildernden Einflussfaktoren der Kiwis und des Zolls nicht aufrecht erhalten werden. (siehe Abbildung2 und 3)

Um dennoch die gemachten Prognosen in Modellen darstellen zu können, fügt man den Aussagen die Annahme Ceteris paribus hinzu und schließt somit sowohl die sich ständig ändernden Kiwi-Preise als auch die Zollpreise für Bananenimporte aus, um deutlich zu machen, dass es sich um einen Ausschnitt der Wirklichkeit handelt und andere Einflussfaktoren nicht berücksichtigt wurden.

Anwendungsbereiche und Einfluss aus die Ökonomie:

Ceteris paribus wird vor allem zur Darstellung ökonomischer Betrachtungen und damit verbunden zur Modellbildung benutzt.

Modelle[5] werden naturgemäß als vereinfachte Darstellung einer zum Teil sehr komplexen Beobachtung genutzt. Zur Erstellung sind folgende Voraussetzungen nötig:

  1. Ein Modell ist immer ein Abbild von einer Gegebenheit.
  2. Es können nie sämtliche Umwelteinflüsse der Wirklichkeit erfasst werden, sondern nur diejenigen, die für die Fragestellung relevant erscheinen.
  3. Es ist somit in jedem Fall verkürzt.
  4. Es muss vor allem pragmatisch sein und wird von seinem Ersteller innerhalb eines bestimmten Zwecks und in einer bestimmten Zeitspanne für ein Original eingesetzt, um Folgerungen für die Wirklichkeit abzuleiten.
  5. Ein nicht stichhaltiges Modell liefert ein falsches Abbild und führt zu Schlüssen, die der Wirklichkeit widersprechen und weder anwendbar noch allgemeingültig sind.

Man kann somit zusammenfassen, dass die Annahme von Ceteris paribus dabei hilft, Modelle zu erstellen. Da in Modellen immer nur ein kleiner Ausschnitt der komplexen Wirklichkeit beleuchtet wird, dient die Festsetzung der Fakten durch Ceteris paribus um Schlüsse abzuleiten. Diese Einschränkung macht es möglich, einzelne Faktoren separat zu betrachten. Es ist mit der Annahme von Ceteris paribus möglich, zu bewerten, wie sich einzelne Faktoren gegenseitig bedingen und beeinflussen.

Nur durch die Festsetzung der gegebenen Nebenbedingungen kann ein nachvollziehbares Ergebnis erreicht werden. Somit wird die Agumentation mit Hilfe dieses Ergebnisses möglich.

Besteht man auf das Einbeziehen aller Faktoren, so muss man feststellen, dass dies durch die Komplexität nicht möglich ist.

Desweiteren wird es, je mehr Nebenbedingungen es gibt, schwieriger, Kritiker des Modells zu verdrängen.Je komplexer ein Modell konstruiert wird, desto größer wird die Gefahr, dass nicht einschätzbare Wechselwirkungen von Kritikern in Frage gestellt werden. Es wird ihnen somit eine große Angriffsfläche geboten, wenn die gemachte These nicht durch Ceteris paribus festgesetzt wird.

 Fußnoten


[1] http://www.christianlehmann.eu/termini/ceteris_paribus.html                          

[3]http://books.google.de/books?id=bWl8YxdAF8kC&pg=PA223&dq=ceteris+paribus&hl=de&ei=noDGTc3kM4iWswbmxs3ODw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CC4Q6AEwAA#v=onepage&q=ceteris%20paribus&f=false

[4] http://blog.isabellprophet.net/2009/ceteris-paribus-alfred-marshall-principles-of-economics.html

[5] http://www.ssoar.info/ssoar/View/?resid=3743

Quellen:

Grundrisse der Sozialwirtschaft;Geschichte der Wirtschaftstheorie Gerhard Stavenhagen 4.Auflage S.398

Principles of Economics, Bk.V, Ch.V Absatz VV10

http://books.google.de/books?id=bWl8YxdAF8kC&pg=PA223&dq=ceteris+paribus&hl=de&ei=noDGTc3kM4iWswbmxs3ODw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CC4Q6AEwAA#v=onepage&q=ceteris%20paribus&f=false

http://www.wirtschaftslexikon24.net/e/ceteris-paribus-klausel/ceteris-paribus-klausel.htm

http://blog.isabellprophet.net/2009/ceteris-paribus-alfred-marshall-principles-of-economics.html

http://www.economia48.com/deu/d/modellplatonismus/modellplatonismus.htm

http://www.vimentis.ch/d/lexikon/136/Ceteris+paribus.html

http://www.christianlehmann.eu/termini/ceteris_paribus.html              http://www.ssoar.info/ssoar/View/?resid=3743

 

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