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Urspung und Begriff der Arbeitsteilung

Die vormoderne Ökonomie ist eine in mehrerlei Hinsicht eng an die Natur gebundene Wirtschaft, deren agrarische wie gewerbliche Produktion in hohem Maß an natürliche Voraussetzungen gebunden ist.

Das individuelle Wirtschaften dieser Epoche ist noch nicht am Ziel der Gewinnmaximierung, sondern an der Sicherung eines angemessenen Bedarfes orientiert. 

Als Subsistenzwirtschaft wird die zu dieser Zeit praktizierte Wirtschaftsweise bezeichnet, in der die Haushalte primär für den Eigenbedarf produzieren. Produktions- und Konsumgemeinschaften fallen zusammen, so dass die gesellschaftliche Arbeitsteilung nur wenig ausgeprägt ist.

Subsistenzwirtschaft ist ein typisches Kennzeichen vorindustrieller Gesellschaften; sie steht im Gegensatz zur kapitalistischen Marktwirtschaft der späteren Industriegesellschaften, in der Güter und Dienstleistungen über den Markt verteilt werden. 

Mit der im 18. Jahrhundert einsetzenden Industrialisierung entstehen Fabriken, in denen durch Dampfkraft angetriebene Produktionsmaschinen ein Vielfaches dessen erzeugen, was bis dahin in Handarbeit überhaupt möglich gewesen war. Die nunmehr komplexer gewordenen Produktionsschritte lassen sich in Teilprozesse zerlegen und ermöglichen, dass fortan arbeitsteilig produziert werden kann.

Die Literatur benennt insbesondere das Stecknadelbeispiel des schottischen Moralphilosophen Adam Smith (1723–1790), der als Begründer der modernen Volkswirtschaftslehre gilt und die Vorteilhaftigkeit der Arbeitsteilung wie folgt erläutert:

Während ein einzelner Nadelarbeiter an einem Tag nur wenige Stecknadeln herstellen kann, sofern er den gesamten Produktionsablauf selbst durchführt, wird die Produktivität ungleich höher, wenn z.B. mehrere Arbeiter, die auf einzelne Teilverrichtungen spezialisiert sind, arbeitsteilig agieren.

Im Ergebnis können diese, mehrere tausend Stecknadeln an einem Tag herstellen, unter der Voraussetzung, dass immer wieder kehrende Teilprozesse maschinell unterstützt werden. (Baßler, Heinrich, Utecht; Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft [1])

Abb. 1 Arbeitsteilung - Stecknadelmanufaktur


Betriebliche Arbeitsteilung

Unter dem Begriff Arbeitsteilung versteht man folglich die Zerlegung der Produktion in Teilprozesse, die von speziell geschulten Arbeitern oder auch Betrieben durchgeführt werden. Hierbei sind mindestens drei Ebenen der Arbeitsteilung aufzuzeigen:

  • Die innerbetriebliche Arbeitsteilung, bei der sich die Spezialisierung innerhalb eines Betriebs vollzieht und die Arbeitskräfte folglich nach ihren persönlichen Fähig- und Fertigkeiten eingesetzt werden.
  • Die zwischenbetriebliche Arbeitsteilung vollzieht sich zwischen mindestens zwei (Produktions-) Betrieben, die für die Fertigung eines Erzeugnisses benötigten Rohstoffe, Baugruppen und Serviceleistungen zur Verfügung stellen.
  • Die internationale (regionale) Arbeitsteilung, bei der sich die jeweiligen Volkswirtschaften (Regionen) auf die Produktion bestimmter Güter und Dienstleistungen spezialisieren, die anschließend über den Außenhandel wieder vereint werden. Das weltweite Zusammenwachsen der Märkte, die Globalisierung der Wirtschaftsstrukturen, wird mehr als Chance denn als Bedrohung betrachtet.                                                                 

 

Vorteile der Arbeitsteilung

Nach Adam Smith steigert Arbeitsteilung die Produktivität der Arbeit. Ihre Vorteile für die Güterversorgung einer Wirtschaft beruhen auf folgenden vorteilhaften Gegebenheiten: 

Spezialisierung: Durch die Zerlegung der Produktion in Teilprozesse werden die Arbeitsleistungen, die der einzelne zu erbringen hat, relativ homogen, so dass dieser durch Fähigkeiten und Übung eine besondere Geschicklichkeit erlangt. 

So lassen sich die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Person besser nutzen. Der US-amerikanische Ingenieur Frederick Winslow Taylor (1856-1915)   perfektioniert dieses System ,,der Teilung der Arbeit in kleinste Einheiten, zu deren Bewältigung keine oder nur geringe Denkvorgänge zu leisten und die aufgrund des geringen Umfangs bzw. Arbeitsinhalts schnell und repetitiv zu wiederholen sind" ( Gabler - Wirtschaftslexikon [2]). Für das Taylor´sche Prinzip einer Prozesssteuerung von Arbeitsabläufen setzt sich der Begriff Scientific Management durch.

Zeitersparnis: Die Lernerfahrungen werden immer schneller und besser; die Ausbildungszeiten für die einzelnen Verrichtungen drastisch verkürzt. Arbeitsteilung fördert darüber hinaus nachhaltig den technischen Fortschritt. Dieser kommt dadurch zustande, dass sich durch die Aufteilung des Produktionsprozesses in übersichtliche Teilprozesse leichter neue Maschinen erfinden lassen. Der Maschineneinsatz führt seinerseits zu einer Verminderung manueller, teils schwerer und gefährlicher Arbeit. Seine praktische Anwendung findet der nach Taylor benannte Taylorismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts in zunächst Fabriken des Automobilkonzerns Ford in Detroit/USA. Die mit Fließbandfertigung einhergehende Produktionssteigerung bei sinkenden Stückkosten bestätigt Taylors Theorie. Zwischen 1909 und 1926 lässt sich so der Verkaufspreis des Ford T Modells von anfangs 950 $ auf 290 $ senken, obwohl die Ford-Arbeiter zeitweise mehr als doppelt so viel verdienen wie ihre Kollegen  bei der Konkurrenz. (Weber, Birgit; Bundeszentrale für politische Bildung [3])

Abb. 2 Arbeitsteilung Ford T-Modell

Arbeitsteilung ist grundsätzlich eine Voraussetzung zur Steigerung des Wohlstands, indem sie eine höhere Produktivität ermöglicht, mit steigenden Gewinnen und Arbeitseinkommen, niedrigeren Produktpreisen und geringeren Arbeitszeiten.
Sie ermöglicht über die Lerneffekte der Spezialisierung eine höhere Produktqualität und höhere Qualifizierungsmöglichkeiten für den Einzelnen. (ebd.)

 

Nachteile der Arbeitsteilung

Es darf nicht übersehen werden, dass mit der Arbeitsteilung auch Nach­teile - sowohl für die in der Produktion eingesetzten Beschäftigten, als auch für die Wirtschaft - einher gehen:

Die Arbeit wird fremdbestimmt; der Mensch produziert nicht mehr das, was er konsumiert, und konsumiert nicht mehr das, was er produziert. Hierarchien und die Schaffung von Leistungsanreizen sind unvermeidbar, ebenso wie eine straffe Arbeitsdisziplin. Die Fließbandfertigung wird in den dreißiger bis sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts immer weiter perfektioniert.

Schließlich sind Teilprozesse, die sich mehrere tausend Male am Tag wiederholen keine Seltenheit mehr. Unzufriedenheit am Arbeitsplatz und gesundheitliche Probleme sind häufige Folgen stereotyper, einseitiger Fließbandarbeit. Mit der Fließbandfertigung können auch negative psychische Rückwir­kungen verbunden sein. Einseitige Beanspruchung des Beschäftigten und vorgegebenes Arbeitstempo vermindern oft die Arbeitslust; die schöpferischen Fähigkeiten des Individuums werden nicht genutzt.(Seidel/Temmen, Grundlagen der Volkswirtschaftslehre [4]) 

Dies führt zu steigenden Krankenständen, zu hoher Personalfluktuation und zu Qualitätsproblemen mit wachsendem Ausschuss in der Produktion. (Weber, Birgit; Bundeszentrale für politische Bildung [5]) 

Arbeitsteilung schafft Abhängigkeiten der Menschen untereinander und von Betrieben zueinander. Diese Abhängigkeiten können in Krisenzeiten zu Versorgungsproblemen führen.

Sofern die Art und Menge der Nachfrage im Voraus nicht mit Sicherheit bekannt ist, besteht das Risiko von Über- bzw. Unterproduktion.

Da nur noch Teile gefertigt werden, geht die Beziehung zum Arbeitspro­dukt verloren.

Aufgrund der negativen Aspekte wird Arbeitsteilung oft allein mit Fließbandarbeit assoziiert. Dies übersieht aber, dass Arbeitsteilung nicht allein auf die industrielle Produktion begrenzt ist. 

Inzwischen hat die Erkenntnis über die negativen Aspekte arbeitsteiliger Produktion für die Beschäftigten zur Entwicklung neuer konzeptioneller Ansätze geführt. Hierzu gehören Team- und Gruppenarbeit, sowie der partielle Einsatz von Robotersystemen. (Seidel/Temmen, Grundlagen der Volkswirtschaftslehre [6]) 

Abb. 3 Arbeitsteilung Automobilproduktion heute

Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg hat das Prinzip der Arbeitsteilung dazu geführt, dass es den Menschen heute nicht nur wirtschaftlich besser geht. Auch ist die Lebenserwartung der Bevölkerung auf ein Maß gestiegen, dass niemals vorher in der Weltgeschichte erreicht wurde. Dafür, dass es trotzdem immer noch zu viel Armut, Elend, Unterdrückung und Hunger auf diesem Planeten gibt, sind mit Sicherheit Spezialisierung und Arbeitsteilung nicht ursächlich. Vielmehr können Spezialisierung und Arbeitsteilung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die vorgenannten Probleme zu lösen. Insoweit ist festzustellen, dass Adam Smith mit seinen innovativen Erkenntnissen, den Weg in die industrielle Neuzeit einschließlich der Globalisierung geebnet hat. 

Quellen:

[1] Baßler, Heinrich, Utecht; Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, 18.           Auflage, Kapitel 6: Arbeitsteilung

[2]Gabler,Wirtschaftslexikon:   http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/55478/taylorismus-v7.html

[3] Weber, Birgit; Bundeszentrale für politische Bildung-Von der Selbstversorgung        zum Weltmarkt aus:  http://www.bpb.de/publikationen/3Y2YR5,1,0,Von_der_Selbstversorgung_zum_Weltmarkt.html

 [4] Seidel/Temmen, Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, 18. überarbeitete              Auflage, S. 41

[5] Weber, Birgit; Bundeszentrale für politische Bildung-Von der Selbstversorgung        zum Weltmarkt aus:  http://www.bpb.de/publikationen/3Y2YR5,1,0,Von_der_Selbstversorgung_zum_Weltmarkt.html

[6] Seidel/Temmen, Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, 18. überarbeitete               Auflage, S. 41

 

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1 Arbeitsteilung - Stecknadelmanufaktur: http://www.arbeitsschutz-sachsen.de/publications/mitteilungshefte/2000/tagungsband%20freiberg/images/manufaktur.jpg

Abb.2 Arbeitsteilung- Ford T Modell:

http://content.stuttgarter-nachrichten.de/media_fast/626/T-Modell_1027.JPG

Abb. 3 Arbeitsteilung - Arbeit im Team:

http://www.abendblatt.de/multimedia/archive/00307/auto_produktion_HA__307436c.jpg