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Das Pareto- Prinzip (de.) – The Pareto principle (engl.)

 

 

Gliederung:

  1. Einleitung
  2. Persönliches
  3. Das Pareto- Prinzip (80/20- Regel) 
  4. Die Pareto- Effizienz (Das Pareto- Optimum)
  5. Das Pareto- Prinzip in der Wohlfahrtsökonomie

 

 

1. Einleitung

 

Im folgenden Bericht wird sowohl hauptsächlich das Paretoprinzip, als auch die Pareto- Effizienz mit zweierlei Erklärungsansätzen dargestellt. Der Fokus liegt hier auf ökonomischen Hintergründen und zeigt außerdem Vilfredo Pareto als Person, um auch die geschichtliche Seite zu behandeln.

 

Das Paretoprinzip, auch als Pareto- Effekt, oder 80-zu20-Regel bekannt, wurde nach seinem Entdecker Vilfredo Pareto, Ökonom, Ingenieur und Soziologe, benannt. Sein Leben wird im Folgenden kurz dargestellt.

 

 

2. Persönliches

 

Vilfredo Federico Pareto wurde am 15. Juli 1848 als Sohn einer Kaufmannsfamilie in Paris geboren. Bereits zwei Jahre nach seiner Geburt zieht die Familie nach Italien zurück.

 

Im Jahre 1870 erhielt er zunächst sein Diplom als Ingenieur an der Turiner Universität, um 20 Jahre in diesem Beruf zu arbeiten; zunächst bei den Römischen Eisenbahnen, dann als Generaldirektor eines Montanunternehmens.

 

Während dieser Zeit beschäftigte er sich bereits intensiv mit ökonomischen und soziologischen Themen. Durch zahlreiche Geschäftsreisen durch ganz Europa sammelt er Eindrücke über verschiedene Kulturen und Gesellschaftsformen der Nationen.

 

In den Jahren 1880 und 1882 kandidiert er in zwei toskanischen Wahlkreisen erfolglos für das Parlament und beendet daraufhin, entmutigt von den festgefahrenen wirtschaftlichen und politischen Strukturen in Italien 1890 seine Karriere als Ingenieur.

Um die Jahrhundertwende, wendet sich der einstig radikale Demokrat, aufgrund seiner Enttäuschung von den politischen Entwicklungen in Frankreich und Italien, gegen die Demokratie. [1]

  

 

 

1893 wird der Autodidakt an die Universität Lausanne (Schweiz) berufen, um Wirtschaftswissenschaften zu lehren.

In den Zeiten seiner Lehrtätigkeiten befasste er sich mit der Verteilung von Reichtum und Einkommen in Italien und England  und konnte im Jahre 1897 das Paretoprinzip formulieren, welches im Folgenden erklärt wird. [2]

 

Pareto stirbt am 19. August 1923 in Céligny.

 

 

3. Das Pareto- Prinzip (80/20- Regel)

 

Er erkannte zunächst, dass in vielen Märkten ein Großteil der Aktivitäten auf einen Bruchteil der Akteure entfällt. Als Ökonom interessierte Pareto besonders, ob dieses Verhältnis auch auf den Reichtum der Nationen, der sich stets auf einen vergleichbar geringen Teil der Bevölkerung konzentrierte, anzuwenden sei.

 

Er stellte fest, dass die Einkommensverteilung in diversen Nationen erhebliche Ähnlichkeiten aufwies.

So konnte er ein wiederkehrendes mathematisches Verhältnis zwischen dem Anteil von Personen und der Höhe des Einkommens dieser Gruppe feststellen.

 

Vereinfacht dargestellt beobachtete er, dass 20 Prozent der Bevölkerung über 80 Prozent des gesamten Volksvermögens verfügten.

Im Gegenschluss wird deutlich, dass der übrige Teil der Bevölkerung (80 Prozent) lediglich über 20 Prozent des Volksvermögens verfügt. Die Verteilung des Einkommens folgt also keiner Normalverteilung, sondern ist „rechtsschief“, das heißt nach rechts geneigt.

 

Fortführend schränkte Pareto diese Verteilung jedoch ein, da diese Regel nur gilt, wenn die betrachteten Elemente in einem System voneinander unabhängig sind.   

Die davon ableitbare allgemein gefasste „Pareto-Verteilung beschreibt, dass in einer Menge eine geringe Anzahl von bewerteten Elementen sehr viel zum Gesamtwert der Menge beitragen kann,  während der überwiegende Teil der Elemente nur sehr wenig zum Gesamtwert beiträgt.

Diese Gesetzmäßigkeit wurde nicht nur auf die Ökonomie, sondern auch auf andere natürliche und gesellschaftliche Vorgänge übertragen und wird so auch als 80/20- Regel, oder 80/20- Prinzip bezeichnet.

 

Paretos Prinzip lässt sich in einigen Beispielen folgendermaßen zusammenfassen:

 

  • 20 Prozent des Inputs ergeben 80 Prozent des Outputs (Ökonomie)
  • 80 Prozent der Gewinne erzielen Unternehmen mit 20 Prozent ihrer Produkte (Handel)
  • 80 Prozent der Aufgaben können in 20 Prozent der Zeit erledigt werden (Management)

 

 

 

 

 

So wird deutlich, dass diese Verteilung individuell einsetzbar ist und sich nicht nur auf die Einkommensverteilung, oder die Ökonomie bezieht. Besonders im Zeitmanagement spielt die Pareto- Verteilung noch heute eine große Rolle, da mit 20 Prozent des Aufwandes 80 Prozent des Ergebnisses erreicht werden können und die Zeitplanung durch diese Erkenntnis einen erheblichen Fortschritt erreichen konnte.

 

Aufgrund seines politischen und gesellschaftlichen Interesses und der Erkenntnis, dass die Verteilung des Einkommens derart ungleichmäßig ausfiel, begann er öffentliche Kritik an der italienischen Politik zu üben und beschäftigte sich noch intensiver mit ökonomischen Fragestellungen.

So hatte er die Idee, basierend auf seinen Untersuchungen bezüglich der Einkommensverteilung, dass in einer Gesellschaft niemand besser gestellt werden kann, ohne den Anderen schlechter zu stellen.

 

Pareto begann diesen Zusammenhang im Hinblick auf die Relevanz in der Ökonomie zu untersuchen und entwickelte so den Grundgedanken der Pareto- Effizienz (= „Pareto- Optimum“).

 

 

4. Die Pareto- Effizienz

 

Um die Pareto- Effizienz erklären zu können, bedarf es zunächst einer Definition der allgemeinen ökonomischen Effizienz. Diese beschreibt das Verhältnis vom Aufwand zum Nutzen. Effizientes Verhalten ermöglicht einen größtmöglichen Nutzen, bei minimiertem Aufwand. [3]

 

Die Pareto- Effizienz ist ein Kriterium zur Beurteilung der ökonomischen Effizienz. Ein Zustand entspricht der Pareto- Effizienz wenn es unmöglich ist, ein Individuum, aus einem System mehrerer Individuen mit vergleichbaren In- und Outputs, besser zu stellen ohne dadurch die Anderen schlechter zu stellen. Durch „Tausch“ der betrachteten Güter kann niemand bevorzugt werden. Vereinfacht gesagt, ist eine Situation dann Pareto- effizient wenn niemand mehr freiwillig mit einem Anderen tauschen will. [4]

 

Ein anderer Erklärungsansatz würde auf der Basis des Pareto- Optimums erfolgen:

 

Auf Märkten sind Gleichgewichte unter vollständiger Konkurrenz und freier Preisbildung optimale Zustände. Sie garantieren die geringsten Gesamtkosten der Produktion der Gütermenge, die angeboten und nachgefragt wird.

Solche Gleichgewichte haben auch im gesamtwirtschaftlichen Kontext positive Eigenschaften, da sie eine optimale Güterallokation (= Verteilung beschränkter Güter) bewirken und so zu einem Pareto- Optimum führen können.

Eine wirtschaftliche Situation, ist dann Pareto- optimal, wenn jede Änderung des Faktoreinsatzes, oder der Güterverteilung für mindestens ein Wirtschaftssubjekt nutzenmindernd ist. [5]

 

Beide Erklärungen sind für die Pareto- Effizienz beziehungsweise das Pareto- Optimum gleichwertig und nur aus verschiedenen Ursprüngen erklärt.

Das Pareto- Optimum kann durch Tausch zwischen den behandelten Wirtschaftssubjekten, beziehungsweise durch Wegnahme gestört werden. Das Optimum bleibt jedoch erhalten, wenn eine Mehrproduktion stattfindet, und diese im Gesamten verteilt wird. Hingegen ist der verschwenderische Umgang mit Ressourcen immer als Pareto- ineffizient einzuordnen.

 

Der Begriff der Pareto- Optimalität hat nichts mit einer irgendwie gerechten Verteilung der Gesamtmengen auf die Haushalte zu tun; es wird lediglich angegeben, wie eine Verteilung sein kann, ohne dass beide Wirtschaftssubjekte gleichgestellt sind. So werden häufig falsche Assoziationen geweckt, weil man bei dem Begriff „Optimum“ einen erstrebenswerten Zustand erwartet. Deshalb wird heute vorrangig der Begriff der Pareto- Effizienz verwendet, um diese Verwirrung zu vermeiden. [6]

 

 

5. Das Pareto- Prinzip in der Wohlfahrtsökonomie

 

Die Wohlfahrtsökonomie (engl. welfare economics), beschäftigt sich als Teilbereich der Volkswirtschaftslehre mit der Verteilung und Zuordnung von Ressourcen und inwieweit diese die wirtschaftliche Wohlfahrt beeinflusst. Die Auswirkungen des wirtschaftlichen Handelns, sowie die Verteilung von Einkommen und Nutzen zwischen Beteiligten werden untersucht.

Besonderes Interesse gilt sowohl den Wohlfahrtsverlusten, als auch den Wohlfahrtsgewinnen, die Akteure im Vergleich zweier Handlungsalternativen gegenüber einer anderen Lösung erfahren können.

 

Wie bereits erwähnt beschäftigte sich Pareto mit der Frage, inwieweit der Wohlstand einer Volkswirtschaft gemessen werden kann. Diesen Zweig der Volkswirtschaftslehre nennt man heute Wohlfahrtsökonomie. So gilt Pareto bis heute als einer ihrer Begründer. Es ging ihm darum, das relativ Beste aus einer anfänglich suboptimalen Situation zu machen, indem alle denkbaren Tauschmöglichkeiten zum gegenseitigen Nutzen aller Beteiligten voll ausgeschöpft werden.


So versucht er also nicht den Volkswohlstand als Summe der Nutzen ihrer Einwohner zu messen, da es sich um unterschiedliche Messskalen handelt, die nicht zu vergleichen sind. Aus dieser Problemstellung folgerte er den Zustand des Pareto- Optimums und begründete den Grundgedanken der Wohlfahrtsökonomie. [7]

 

 

So wird abschließend durch den vorliegenden Beitrag deutlich, dass Vilfredo Pareto als Person einiges zur heutigen Volkswirtschaftslehre beigetragen hat. Er gab sich nicht mit bestehenden Strukturen zufrieden und hinterfragte gesellschafts- kritisch ökonomische Hintergründe.

So war er in der Lage das Pareto- Prinzip zu formulieren, das bis heute auch in außer- ökonomischen Bereichen angewendet wird. Außerdem begründete er die Wohlfahrtsökonomie durch die Entwicklung der Pareto- Effizienz, welche einen großen Fortschritt für die Volkswirtschaftslehre bedeutete.

 

 

 

 Verwendete Quellen:

 

 

[1] Vgl. http://www.ftd.de/wirtschaftswunder/index.php?op=ViewArticle&articleId=916&blogId=19 (zugegriffen am 6. Mai 2011)

 

[2] Vgl.  http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Vilfredo_Pareto.html (zugegriffen am 6. Mai 2011)

 

[3] Vgl.  http://www.vimentis.ch/d/lexikon/492/Effizienz.html (zugegriffen am 15. Mai 2011)

 

[4] http://www.mathe.tu-freiberg.de/~dempe/DEA/oeko.html (zugegriffen am 15. Mai 2011)

 

[5] Vgl. Herberg, Horst (1994): Preistheorie: Eine Einführung, 3. Aufl., Stuttgart

 

[6] Vgl. Schumann, Jochen (1992): Grundzüge der mikroökonomischen Theorie, 6. Aufl., Berlin

 

[7] Vgl. Van Suntum, Ulrich (2005): Die unsichtbare Hand- Ökonomisches Denken gestern und heute, 3. Aufl., Münster

 

 

 

 

 

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