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Was ist ein Luxusgut?

Als Luxusgut werden in der Haushaltstheorie der Mikroökonomie, all jene Güter bezeichnet, die mit steigendem Wohlstandsniveau eine deutlich verstärkte Nachfrage erleben. Ihre Einkommenselastizität der Nachfrage ist somit größer eins. Bei sinkendem Einkommen verringert sich die Nachfrage nach Luxusgütern hingegen deutlich.

 


Luxusgüter sind Güter, die nicht dem lebenswichtigen Unterhalt dienen. Konsumenten können bei niedrigem Einkommen notfalls ohne diese Güter auskommen.

Luxus (lat.: luxus= Verschwendung, Liederlichkeit, „üppige Fruchtbarkeit“) umschreibt Verhaltensweisen, Aufwendungen oder Ausstattungen, die über das durchschnittliche Maß in einer Gesellschaft hinausgehen. Luxus gilt als erstrebenswert, ist jedoch für einen Großteil der Gesellschaft nicht erreichbar, da er meist nur mit entsprechendem Kapital erwerbbar ist. Im Gegensatz zur Definition von Luxus, die den dauerhaften Konsum von Luxusgütern umschreibt, ist der Begriff Luxusgut auf einzelne Güter bezogen

Sie werden auch als stark superiore Güter bezeichnet. Die Gegenstücke zu Luxusgütern bilden in der Haushaltstheorie schwach superiore (Grundgüter) und inferiore Güter.

 


Die Verdopplung eines Einkommens kann beispielsweise ab einem gewissen Einkommensniveau zu einer Verdreifachung der Nachfrage nach Luxusgütern führen. In diesem Fall, wird das Einkommen, im Falle einer Investition, nur in Luxusgüter investiert, da der Bedarf an Grundgütern und inferioren Gütern bereits gedeckt ist.  Gegebenenfalls  können inferiore Güter auch durch stark superiore Güter ersetzt werden, beispielsweise sinkt der Konsum von Forellen bei steigendem Kaviarkonsum.

Luxusgüter sind oftmals an einen sozialen Status gebunden. Sie werden in vielen Fällen, unabhängig davon ob unbewusst oder bewusst, als Statussymbol gesehen. Der Besitzer oder Konsument von vielen Luxusgütern wird somit einem gesellschaftlichen Stand zugeordnet.

 

Verschiedene Arten von Luxusgütern:

Allgemein werden Luxusgüter ab einem gewissen Einkommensniveau, bei einer Einkommenssteigerung deutlich stärker nachgefragt. Hierbei kann es sich klassisch um Güter wie teurere und komfortablere Autos handeln. In vielen Fällen handelt es sich um Produkte von Designermarken.

Luxusgüter sind aber nicht zwingend materiell. Es kann sich auch um Reisen, Restaurantbesuche, Bildungs- und Kulturgüter handeln.

Auch die „Umweltqualität“ gilt als modernes Luxusgut. Je wohlhabender wir werden, desto mehr steigt das Verlangen nach einer sauberen und intakten Umwelt. Eine Erklärung hierfür ist, dass ein steigendes Einkommen die Zahl persönlicher Probleme reduziert und wir unsere Aufmerksamkeit somit anderen Dingen zuwenden können.

 

Der Wandel von Luxusgütern

„Was Luxus ist, lässt sich am besten durch eine historische Annäherung erfahren, denn die Konsummöglichkeiten haben sich gerade in den letzten Jahrzehnten rasant entfaltet und viele ehemalige Luxusgüter haben eine Metamorphose hin zur Massenware durchgemacht.“ (Marketagent.com; S.2)

Die Bedeutung eines Luxusguts kann sich terminologisch ändern, d.h. in differenzierten Bereichen werden Luxusgüter zu schwach superioren Gütern.

 

Der Grund für einen derartigen „Statusverlust“ kann auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden:

-          Der Mangelzustand, der sie Luxusgütern werden ließ, wurde aufgehoben

-          Die Einführung „neuer“ Luxusgüter

-          Günstigere Produktion

 

Ausnahmen bilden hierbei Elemente wie Gold und Silber, deren Mangelzustand nicht behoben werden kann.

Eine gegenteilige Entwicklung nehmen hingegen Verbrauchsgüter, die nicht reproduziert werden können. Ein Beispiel hierfür bildet Erdöl. Aktuell verwendet noch ein Großteil der Menschen Erdöl als Antriebsstoff für Motoren. Da dieses jedoch nur begrenzt vorhanden ist und die Erdölreserven Schritt für Schritt verbraucht werden, bahnen sich ein Mangelzustand und eine somit verbundene Preissteigerung dieses Guts an. Zukünftig wird nur noch eine begrenzte Anzahl von privilegierten Menschen dazu in der Lage sein, sich dieses zu leisten. Somit wird Erdöl vom Grundgut zum Luxusgut.

Diese Entwicklung ist jedoch auch rückläufig möglich. Sobald Erdöl nicht mehr als Kraftstoff benötigt wird, sei es durch die Entdeckung oder Entwicklung eines neuen Kraftstoffs, gilt es nicht mehr als Luxusgut. Zwar wurde sein Mangelzustand nicht aufgehoben, sein ursprünglicher Nutzen ist jedoch nicht mehr vorhanden.

 

Folglich ergeben sich folgenden Ursachen dafür, dass ein Grundgut zum Luxusgut wird:

-          Mangelzustand des Guts

-          Veredlung des Guts

 

Regionale Unterschiede zwischen Luxusgütern

Die Frage, ob es sich bei einem gegebenen Gut um ein Luxusgut handelt, ist vom Lebensstandard und der Entwicklung der Region, sowie von dem Bestand des Gutes in dieser abhängig.

In wirtschaftlich hoch entwickelten Ländern zählen viele Güter zu Bedarfsgütern, die in wirtschaftlich gering entwickelten Ländern als Luxusgut gelten.

Doch auch bei verschiedenen, wirtschaftlich-gleichwertig entwickelten Ländern gibt es Unterschiede zwischen Luxusgütern. So gelten beispielsweise Mittelklassenfahrzeuge deutscher Automobilhersteller in diversen Ländern als Luxusgut, obwohl sie hier als Grundgut angesehen werden. Eine Erklärung hierfür findet sich im Preis und im Ansehen der Marken. Der internationale Ruf der deutschen Fahrzeuge, sowie der im Ausland höhere Preis, verleiht Marken wie „BMW“ dort ein Image als Luxusgut.

Die individuelle Definition von Luxusgütern ist stark einkommensabhängig. Das bedeutet, dass auch innerhalb eines Landes das Verständnis, worum es sich bei einem Luxusgut handelt, sehr stark voneinander abweichen kann.

In Ländern, in denen nur geringfügig natürliche Ressourcen vorhanden sind, gelten somit Güter, die in anderen Ländern in großer Menge existieren und dort als schwach superiores Gut anzusehen sind, als Luxusgüter. Ein Paradebeispiel bieten dafür Nahrungsmittel und sauberes Trinkwasser in einigen afrikanischen Ländern. Dies kann man dort jedoch nur schwerlich vom Einkommen abhängig machen, da ein Großteil der Bevölkerung dort kein Einkommen bezieht.


Der Konsum von Luxusgütern

Der Markt der Luxusgüter reagiert sensibel auf Einkommensveränderungen. In Zeiten einer boomenden Konjunktur, steigt der allgemeine Konsum von Luxusgütern überdurchschnittlich an. Jedoch ist der Handel mit Luxusgütern auch extrem krisenanfällig.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sinkt der Konsum von Luxusgütern stark. Luxushändler müssen mit starken Umsatzeinbußen rechnen. Eines der Hauptprobleme für viele „kleinere“ Luxushändler hierbei ist, dass der Luxusmarkt von teuren Re-Investitionen lebt. Wenn kein Kapital mehr vorhanden ist, stehen viele der „kleineren“ Händler vor dem Ruin.

Die Standortwahl für den Vertrieb von Luxusgütern ist für die Händler von erstrangiger Bedeutung. Der Verkauf von Luxusgütern wie Kraftfahrzeugen oder Schmuck sollte möglichst in Städten mit einer hohen Kaufkraft stattfinden. Einen weiteren, zu beachtenden Gesichtspunkt, bildet die Bereitschaft der ansässigen Kunden, ihre Luxusgüter zu zeigen. Denn je mehr Luxusgüter sichtbar sind, desto mehr  wird das Geschäft mit Luxusgütern durch Werbung und Konkurrenz innerhalb des Kundenkreises, vorangetrieben.


Quellen:

Kortmann, W. (2006): Mikroökonomik: Anwendungsbezogene Grundlagen, 4. Auflage, Heidelberg

Lachmann, W. (2006): Volkswirtschaftslehre 1: Grundlagen, 5. Auflage, Nürnberg

Löchel, H. (2003): Mikroökonomik: Haushalte, Unternehmen, Märkte, Wiesbaden

Olson M., Streissler M. (Hrsg.) (1991): Umfassende Ökonomie, Tübingen

Rosenkranz D., Schneider N. F. (Hrsg.) (2000), Konsum: Soziologische, ökonomische und psychologische Perspektiven , Opladen

Schierenbeck, H., Wöhle C. B. (2008): Grundzüge der Betriebswirtschaftslehre, 17. Auflage, München

Stocker, F. (2002): Spaß mit Mikro: Einführung in die Mikroökonomik, 6. Auflage, München


http://www.sdi-research.at/lexikon/luxusgueter.html 

http://www.unternehmerweb.at/pdf/marketagent_com/PRESSE_Luxusgueter.pdf

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