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Vollkommene Konkurrenz (de.) - Perfect Competition (engl.)

 

Inhalt:

- Definition Markt

- Definition Marktformen

- Definition Modell

- Prämissen des Modells der vollkommenen Konkurrenz

- Mengenanpassung der Marktteilnehmer

- Preisbildung auf dem vollkommenen Markt

- Marktgleichgewicht

- Gleichgewichtspreis bei Angebots- und Nachfrageverschiebungen

- Fazit


Um das Thema meiner Hausarbeit „Vollkommene Konkurrenz“ erläutern zu können, muss ich zunächst immer wieder auftretende Begriffe zum besseren Verständnis im Vorhinein erklären.

 

Markt

Ein Markt ist ein ökonomischer Ort, an dem Anbieter und Nachfrager zusammentreffen.

Preise entstehen im Falle des Tausches von Tauschmitteln (z. B. Geld) und Gütern.

Auf einem Markt ist es allerdings notwendig die verschiedenen Marktformen abzugrenzen.

 

Marktformen

Der Markt lässt sich durch Charakterisierung von Anbietern und Nachfragern anhand von bestimmten Merkmalen in einzelne Marktformen einteilen.

Ich werde mich in meiner folgenden Hausarbeit allerdings nur mit dem Merkmal „Anzahl der Marktteilnehmer“ befassen, um schließlich auf die vollkommene Konkurrenz im Polypol einzugehen.

Es können folgende Marktformen zustande kommen:

 

Marktformen


Um zu den Prämissen für das Modell der vollkommenen Konkurrenz kommen zu können und somit auch auf mein eigentliches Thema „Vollkommene Konkurrenz“ überzuleiten, muss noch der letzte Begriff des Modells erläutert werden.

 

Modell

Ein Modell ist eine vereinfachte Darstellung der Realität.

Die Absicht eines Modells ist es Sachverhalte leicht miteinander vergleichen zu können

Der Vergleich dieser Sachverhalte und die Umsetzung in ein komplexes System wären in der komplexen Realität schier unmöglich, weil eine sehr große Datenmenge benötigt wird und zu beschaffen wäre.

Ein Modell setzt Rahmenbedingungen voraus und hält bestimmte Variablen konstant.

 

Prämissen des Modells der vollkommenen Konkurrenz

Wie bereits erwähnt setzt ein Modell Rahmenbedingungen, die für die Vergleichbarkeit erfüllt sein müssen.

Um von vollkommener Konkurrenz sprechen zu dürfen, muss ein Markt folgende Rahmenbedingungen aufweisen:

 

(1)  Auf dem Markt stehen sich eine sehr große Zahl von Anbietern und Nachfragern gegenüber, die also das Polypol bilden (siehe Grafik „Marktformen“)    --> atomistischer Wettbewerb

(2)  Alle Anbieter und Nachfrager handeln mit annähernd homogenen Gütern gleicher Qualität.

(3)  Auf dem Markt herrscht vollkommene Transparenz. Dies bedeutet, dass jeder über Preise oder andere produktbezogene Angaben genau informiert ist.

(4)  Der freie Marktzugang und Marktabgang muss gewährleistet sein, sodass jeder Teilnehmer dem Markt ungehindert zu- als auch abtreten kann.

(5)  Auf dem Markt herrschen keine persönlichen oder räumlichen Präferenzen, sodass es keinen Grund für Vorzüge eines Marktteilnehmers vor einem anderen gibt und auch alle Marktteilnehmer räumlich und zeitlich gesehen gleich gut und schnell zu erreichen sind à rein rationales Verhalten

 

Mengenanpassung der Marktteilnehmer

Jeder Anbieter und Nachfrager hat wegen seines schwindend kleinen Marktanteils im Vergleich zum Gesamtmarkt und dessen Gesamtanzahl der Marktteilnehmer keinen beziehungsweise einen kaum merklichen Einfluss auf den Marktpreis.

Sie sind sogenannte Preisnehmer (price taker), weil ihre Produkte auf Grund der Homogenität am Markt als gleich empfunden werden und sie somit keine eigene Preispolitik betreiben können, weil sonst sämtliche Nachfrager verloren gingen.

Es kann somit lediglich die Menge der produzierten Güter so angepasst werden.

Deshalb nennt man die Marktteilnehmer auf dem vollkommenen Markt auch Mengenanpasser.

Die optimale Ausbringungsmenge für den Marktteilnehmer kann mithilfe zweier Angaben ermittelt werden: dem Marktpreis und der Kostenfunktion.

Der Marktpreis entspricht dem Grenzerlös, weil jedes zusätzlich verkaufte Produkt einen höheren Erlös in Höhe des Marktpreises bringt.

Es gilt:

E‘ (x) = p (x)


Aus der Kostenfunktion werden die Grenzkosten K‘ (x) mit der ersten Ableitung abgeleitet.

                                  

Laut der Cournot’schen Bedingung liegt die für jeden Marktteilnehmer auf Grund der verschiedenen Kostenfunktionen individuelle gewinnmaximale Ausbringungsmenge dort, wo seine Grenzkosten genauso groß sind wie sein Grenzerlös:

Es gilt:

                                   Xgm = K‘ (x) = E‘ (x)

 

Denn würde man unter dieser gewinnmaximalen Ausbringungsmenge produzieren, so hätte man zwar Kosten eingespart, jedoch würden die entgangenen Erlöse die eingesparten Kosten übertreffen und der Marktteilnehmer macht weniger Gewinn.

Würde man umgekehrt über der errechneten gewinnmaximalen Ausbringungsmenge produzieren, macht der Marktteilnehmer zwar einerseits höhere Erlöse, andererseits übersteigen die Kosten der Mehrproduktion diese Erlöse und wieder sind Gewinneinbußen zu verzeichnen.

 

Preisbildung auf dem vollkommenen Markt

Der Preisbildungsprozess soll hier einmal als Auktion in Form einer Börse erklärt werden.

Der einheitliche Marktpreis, der hingenommen werden muss und zu dem die Güter ver- und gekauft werden, bildet sich, indem die Kauf- und Verkaufsangebote aller Marktteilnehmer von dem „Börsenveranstalter“ miteinander verglichen werden und somit der Preis ermittelt wird, bei dem Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht gebracht werden.

Wird der Preis festgesetzt herrscht laut dem Modell ein Marktgleichgewicht, bei dem der Markt geräumt ist.

Solange noch keine Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage auf dem Markt hergestellt ist, wird sich der Preis entsprechend verändern.

Herrscht ein Nachfrageüberhang, so wird der Preis erhöht werden, weil genügend Interessenten vorhanden sind, die das gewünschte Produkt auch bei einem höheren Preis kaufen würden.

Bei einem Angebotsüberhang hingegen wird der Preis sinken, um die Nachfrager mit günstigen Preisen zu locken, weil das Interesse bis dato noch nicht ausreichend vorhanden ist.

 

In der Volkswirtschaft entspricht der vollkommene Markt einem Idealzustand, in dem der Preisanpassungsmechanismus hinsichtlich Angebot und Nachfrage funktioniert

 

Marktgleichgewicht

 

 Marktgleichgewicht

 

 

 

 

 

 





 

 

Abb.: Marktgleichgewicht bei vollkommener Konkurrenz

 

Das Marktgleichgewicht (E) bildet sich, wenn Angebot und Nachfrage überein stimmen.

Es gilt:

Q(N) = Q(A)

 

Gleichgewichtspreis bei Angebots- und Nachfrageverschiebungen

Wie Nachfrage- und Angebotsverschiebungen sich auf den Gleichgewichtspreis auswirken, kann man an den folgenden Grafiken erklären:

 

Verschiebung der Angebotskurve

 Angebotserhöhung

Abb.: Verschiebung des Marktgleichgewichts bei einer Angebotserhöhung

 

Geht man von einer konstanten Nachfrage und einem erhöhten Angebot aus, so verändert sich der Gleichgewichtspreis.

Ein erhöhtes Angebot könnte beispielsweise entstehen, indem ein neuer Anbieter den Markt betritt und seine Produkte anbietet, sodass das Angebot auf dem Markt in der Summe steigt.

Der neue Gleichgewichtspreis hat nun seine Position in der Grafik im Punkt E2.

Im Vergleich zu E1 sinkt er im Preis um die Differenz zwischen p1 und p2 und steigt in der Absatzmenge um die Differenz zwischen x1 und x2.

Es handelt sich um eine Rechtsverschiebung der Angebotskurve.

 

Im umgekehrten Fall, dem der Angebotsverringerung unter der Bedingung einer konstanten Nachfrage, würde sich der neue Gleichgewichtspreis nach links von E1 aus gesehen verschieben.

Die Linksverschiebung der Angebotskurve beziehungsweise die Angebotsverringerung hätte also eine Preiserhöhung mit gleichzeitiger Verringerung der Absatzmenge zur Folge.

 

Verschiebung der Nachfragekurve

 Nachfrageerhöhung

Abb.: Verschiebung des Marktgleichgewichts bei einer Nachfrageerhöhung

 

Geht man in diesem Fall von einem unveränderten Angebot und einem erhöhten Nachfrage aus, so verändert sich auch hier der Gleichgewichtspreis.

Eine erhöhte Nachfrage kann beispielsweise dann entstehen, wenn neben dem Inland nun auch aus dem Ausland ein erhöhtes Interesse an den eigenen Produkten zu verzeichnen ist. 

Der neue Gleichgewichtspreis hat nun seine Position in der Grafik im Punkt E2.

Im Vergleich zu E1 steigt er im Preis um die Differenz zwischen p1 und p2 und steigt auch in der Absatzmenge um die Differenz zwischen x1 und x2.

Es handelt sich hierbei um eine Rechtsverschiebung der Nachfragekurve, die aussagt, dass bei jedem Preis des Gutes nun eine größere Menge als zuvor nachgefragt wird.

 

Im umgekehrten Fall, dem des Nachfragerückgangs unter der Bedingung eines konstanten Angebots, würde sich der neue Gleichgewichtspreis nach links von E1 aus gesehen verschieben.

Die Linksverschiebung der Nachfragekurve hätte also die Verringerung der Absatzmenge und auch des Preises zur Folge.

 

Fazit

Da es sich bei der vollkommenen Konkurrenz um eine idealtypische Marktform handelt, ist sie in der Realität kaum zu finden.

Am nächsten kommt diesem Modell der Aktienhandel auf dem Finanzmarkt.

Es bestehen allerdings Zielkonflikte im Modell der vollkommenen Konkurrenz beispielsweise zwischen der Homogenitätsbedingung hinsichtlich der Güter und der in der heutigen Gesellschaft fast erzwungenen Produktdifferenzierung, um verschiedenen Kundenwünschen gerecht zu werden.

Des Weiteren können auf Grund der atomistischen Wettbewerbssituation Mengenvorteile nicht ausgenutzt werden (Economies of Scale)  und somit kann nicht wirtschaftlich optimal gearbeitet werden.

Es besteht im Grunde durch die Bedingungen des Modells auch eine eingeschränkte Wettbewerbsfreiheit, weil die Qualität der Güter durch die Homogenitätsklausel festgesetzt ist und auch der Preis ein festgelegtes Datum ist.

Jedoch ist das Modell der vollkommenen Konkurrenz trotz allem ein gutes Referenzmodell, auf welches man sich bei der Suche nach wirtschaftlichen Zusammenhängen stützen kann, denn es gibt in der Realität immer wieder Entwicklungen, die auf dieses Modell verweisen:

 

„Jüngstes Beispiel hierfür ist das Internet, das in seiner Funktion als Handelsplattform und Marktplatz die Transparenz der Märkte enorm erhöht sowie die Transaktionskosten deutlich senkt und damit zumindest räumliche Präferenzen obsolet gemacht hat.“ (Vgl. Löchel)

 

 

 

 

 

 Quellenverzeichnis:


Baßeler, U., Heinrich, J., Utecht, B.: Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, 18.Aufl., Stuttgart 2006 (S. 171-175)

 

Löchel, H.: Mikroökonomik – Haushalte, Unternehmen, Märkte, 1.Aufl., Wiesbaden 2003 (S.120-122, 126-127)

 

Steven, M., Kistner, K.-P.: Übungsbuch zur Betriebswirtschaftslehrer im Grundstudium, Heidelberg 2000 (S. 83-85)

 

Wegehenkel, L.: Gleichgewicht, Transaktionskosten und Evolution, Tübingen 1981 (S.16)


http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/markt.html

Zugegriffen am : 15.05.2011


http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/marktformen/marktformen.htm

Zugegriffen am : 15.05.2011


http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/vollkommene-konkurrenz.html

Zugegriffen am : 15.05.2011


http://www.vimentis.ch/d/lexikon/420/vollkommene+Konkurrenz.html

Zugegriffen am : 15.05.2011

 

http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/31100.html#inside

Zugegriffen am : 15.05.2011

 

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