Druckversion

Die Malthusische Bevölkerungstheorie ist zurück zuführen auf den Engländer Thomas Robert Malthus (1766-1834), einem britischen Nationalökonom. Dieser stellt die These auf, dass die Bevölkerung sich tendenziell stärker entwickelt, als die Unterhaltsmittel.

 

Inhalt

 

1.) Person Thomas Robert Malthus

2.) Theorie

3.) Folgen der Theorie

4.) Kritik

5.) Aktueller Bezug und Fazit

 

 

1.) Zur Person Thomas Robert Malthus

Thomas Robert Malthus zählte zu den Vertretern der klassischen Nationalökonomie und war sowohl Nationalökonom als auch Sozialphilosoph. Als Kind erhielt er ausschließlich Privatunterricht, studierte mit 18 Jahren in Cambridge auf dem Jesus College und wurde anschließend im Jahre 1797 Pfarrer. Daraufhin dozierte er als Professor für Geschichte und Politische Ökonomie am Haileybury College. Er verfasste insgesamt zwei Werke: zum einen den „Essay on the Principle of Population“ („Das Bevölkerungsprinzip“,1798) und zum anderen die „Principles of Political Economic“ („Grundsätze der politischen Ökonomie“,1820), in welchen er seine Bevölkerungstheorien entwickelte und darlegte. Vor allem in seinem ersten Werk stellt er viele Überlegungen zur Malthusischen Bevölkerungstheorie an. Nach der Veröffentlichung wurde er auf einen Schlag berühmt und zu einer politisch einflussreichen Persönlichkeit. Um die in seinem Buch aufgestellten Theorien empirisch zu belegen, unternahm er zwei längere Reisen nach Skandinavien und Russland im Jahre 1799, nach denen eine zweite Ausgabe des „Essays“ mit umfangreichem Zusatzmaterial erschien. Anlass für das Verfassen seines ersten Werkes war eine Diskussion zwischen Thomas Malthus und seinem Vater Daniel, einem englischen Gutsherrn und Idealist. Dieser war der Auffassung, dass künftig das Paradies auf Erden herrschen werde und der Wohlstand mit zunehmender Bevölkerung ansteige. Thomas Robert Malthus war hingegen völlig anderer Meinung, was im Folgenden genauer erläutert wird.

Noch zu seinen Lebzeiten wird Thomas Robert Malthus Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Am 29. Dezember 1834 stirb er an einem Herzleiden.

 

2.) Seine Theorie

Malthus beobachtete in einigen amerikanischen Kolonien, denen genügend Ressourcen zur Verfügung standen, etwa alle 25 Jahre die Verdoppelung der Bevölkerung. Daraus leitete er eine allgemeine Tendenz des Bevölkerungswachstums ab, solange dieses nicht durch ein beschränktes Nahrungsmittelangebot gemindert wird. Diese Entwicklung nehme exponentiell oder in Form einer geometrischen Reihe zu, bis die Bevölkerung, die sich mit jeder neuen Generation verdoppelt (1,2,4,8,16,32,64,128,256...), eine solche Zahl erreiche, dass es auf der ganzen Welt nicht mehr genügend Platz für sie gebe. Den Grund in diesem zunehmenden Wachstum der Bevölkerung sah Malthus im vorhandenen Sexualtrieb des Menschen [1].

Auf der anderen Seite argumentierte Malthus in Form von abnehmenden Grenzerträgen. Seinen Auffassungen nach seien Grund und Boden eine fixe Größe, während immer mehr Arbeit zur Verfügung stehe, um diesen Boden zu bearbeiten. Folglich weisen Nahrungsmittel nur ein arithmetisches Wachstum auf (1,2,4,8,10,12,14,16,18...).

Grafik Malthus

 

Diese ungleichmäßige Verteilung wird in der rechts abgebildeten Grafik dargestellt [2]. Auf dieser ist eine Verdoppelung der Bevölkerung (L=2; L=4), nicht aber eine Verdoppelung der Nahrungs- und Bekleidungsbestände zu erkennen. Folglich sinkt die Pro-Kopf-Produktion, wenn immer mehr Menschen den begrenzt vorhandenen Boden bevölkern und die sinkenden Erträge wiederum die Produktionsleistung pro Kopf senken.

Grafik Smith

 

Um sich die folgende Thematik besser vorstellen zu können, folgt eine Grafik zu einem Gegenbeispiel von Adam Smith, der das „Goldene Zeitalter“ begründet [3]. In dieser Darstellung lässt sich erkennen, dass sich mit einer Verdoppelung der Bevölkerung um den Faktor 2, keine Wachstumsbeschränkung durch Boden und Ressourcen ergibt. Auch die Nahrungs- und Bekleidungsbestände verdoppeln sich um den Faktor 2, wovon Malthus letzten Endes nicht ausgeht.

 

Malthus sagte zusammenfassend: “Es gibt wenig Staaten, in denen die Volksmenge nicht allezeit sich über das Maß der vorhandenen Nahrungsmittel zu vermehren strebt. Dies beständige Streben ist die wahre Ursache, weswegen die unteren Klassen der Gesellschaft allezeit zum Mangel und Elend verurteilt sind.“ [4]

Wenn man also nun auf der einen Seite das Gesetz der abnehmenden Ertragszuwächse annimmt und auf der anderen Seite das fixe Angebot an Grund und Boden betrachtet, so lässt sich schnell erkennen, dass die Nahrungsmittelproduktion nicht mit dem exponentiellen Wachstum der Bevölkerung mithalten kann.

Exakt diese Beobachtung ist Hauptbestandteil von Malthus Bevölkerungstheorie, nämlich das zu klein werden der zur Verfügung stehenden Unterhaltsmittel, im Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Eine logische Konsequenz daraus war für ihn ein Leben am Existenzminimum, sowie eine Verarmung der Bevölkerung.

Jedoch sah Malthus lediglich eine Tendenz zu einem exponentiellen Bevölkerungswachstum, sofern diesem keine Grenzen auferlegt werden. Denn er legt zudem verschiedene Aspekte dar, die zu einer Hemmung des Bevölkerungswachstums führen. Zunächst ging er von so genannten repressiven Hemmungen aus, welche durch das wachsende Missverhältnis zwischen Bevölkerungswachstum und Nahrungsmittelproduktion zu Stande kommen. Zu solchen zählen Hungerskatastrophen und Seuchen, die zum Tod vieler Menschen führen.

In seinen späteren Überarbeitungen seines ersten Werkes betrachtet er auch die präventive Hemmungen, solche wie moralische Enthaltung durch die Verlängerung der Ehelosigkeit [5] oder eine Bildungsoffensive für die unteren Schichten, da er der Meinung war durch eine Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus einen Geburtenrückgang zu erzielen [6].

 

3.) Folgen der Theorie

Das erste Werk von Malthus war ein Bestseller und somit verbreiteten sich seine Theorien sehr rasch. Zum einen benutzte man sein Buch zur Rechtfertigung einer Verschärfung der englischen Armengesetze, da man das Ziel verfolgte Armut so unangenehm wie möglich zu gestalten. Zum anderen machten sich die Gewerkschaften seine Argumente zu Nutze. So zog man aus Malthus’ Theorie die „logische“ Konsequenz zum Wohle der Arbeiterschaft nichts beizutragen, da sich die Arbeiter zum Beispiel durch Lohnerhöhung nur weiter fortpflanzen würden bis ihnen wieder nur das Existenzminimum bleibt [7].

Diese Schlussfolgerungen sind natürlich - aus heutiger Sicht - sehr abstrakt, beweisen aber, dass man sich zu dieser Zeit durchaus mit solchen ökonomischen Schriften und der Makroökonomie auseinander setzte.

Einige inspirierte die Idee des Existenzkampfes der Individuen in Abhängigkeit der sich ändernden Umweltbedingungen, wie zum Beispiel Charles Darwin. Dieser wurde durch viele malthusische Ansichtspunkte bei der Formulierung seiner Evolutionstheorie basierend auf der natürlichen Auslese stark beeinflusst [8].

Auch für John Maynard Keynes war Thomas Robert Malthus der größte Ökonom der Klassiker, weil es ihm durch seine Theorie gelang die Anfälligkeit der Nachfrageseite aufzudecken und somit auch dem Say’schem Theorem zu widersprechen. Zudem beeinflusste dieser Ansatz später die Krisentheorie von Keynes [9].

Im Gegensatz dazu wirkten Malthus’ Thesen jedoch auch auf viele provozierend. Man warf ihm vor er wolle den Armen das Heiraten untersagen und begrüße Pest und Pocken als willkommene Entlastung für die Bevölkerung.

 

4.) Kritik an der Theorie

Heutzutage sind sich alle Demographen sicher, dass die malthusianische Prophezeiung einer verarmten Weltbevölkerung in dieser Form nicht statt finden kann. Auch die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Verfassung seines ersten Werkes rund 800 Millionen und heute ca. 6,7 Milliarden Menschen auf der Welt leben, widerlegt die Theorie einer sich reduzierenden Weltbevölkerung aufgrund fehlender Nahrungsmittel. Der „Harken“ an seinen Auffassungen liegt zusammenfassend in Malthus’ Pessimismus. Er sah keine Zukunft für die damalige technische Entwicklung und unterschätzte diese stark. Doch zu Zeiten der industriellen Revolution stellte sich der technologische Wandel so schnell ein, dass die erzielten Produktionszuwächse das Bevölkerungswachstum deutlich übertrafen und ein starker Anstieg der Reallöhne stattfand. Besonders die Produktivität in der Landwirtschaft wurde durch die Dynamik des technischen Fortschritts vervielfacht.

Außerdem konnte Malthus nicht voraus sehen, dass in Folge des verbesserten Lebensstandards nach dem Jahr 1870 auch die Bevölkerungsentwicklung in den meisten westlichen Staaten rückläufig war [10].

 

5.) Aktueller Bezug und Fazit

Trotz der Mängel oder Denkfehler, welche die malthusische Theorie aufweist, ist der wahre Kern der Aussagen auch noch heute von großer Bedeutung. Vor allem für die meisten Entwicklungs- und Schwellenländer wie Indien, Brasilien, Nigeria oder Chile, sind Malthus’ Thesen immer noch aktuell, denn dort findet weiterhin ein Wettlauf zwischen einem enormen Bevölkerungswachstum und einer unzureichenden Nahrungsmittelproduktion statt. Hier versucht man durch verschiedene Methoden, die bereits Malthus vor rund 200 Jahren empfohlen hatte, der so genannten „Bevölkerungsfalle“ zu entkommen. Zum einen wird durch Empfängnisverhütung (Pastor Malthus plädierte hier auf die Enthaltsamkeit) und zum anderen auch durch Bildung der Versuch gestartet, das Bevölkerungswachstum zu minimieren.

Nicht umsonst hat man zum Beispiel in der Volksrepublik China die aktuell allerdings wieder in der Diskussion befindliche Ein-Kind-Politik eingeführt, um das Bevölkerungswachstum kontrollieren zu können.

Schlussfolgernd habe ich für mich nach Verfassung dieser Hausarbeit festgestellt, dass die malthusische Bevölkerungstheorie – wenn auch in leicht abgeänderter Form – immer noch sehr aktuell ist. Heutzutage dürften wir durch die vielen technologischen und innovativen Entwicklungen zwar keine Probleme mehr haben, genug Lebensmittel für die Weltbevölkerung zu produzieren, viel mehr liegt das Problem darin, diese Unterhaltsmittel auf der Erde richtig zu verteilen. Natürlich ist unsere Ressourcenbasis knapp und begrenzt. Aber genau hier sehe ich die Herausforderung und Verantwortung für die Weltgemeinschaft eine Balance zwischen Bevölkerungswachstum, Nahrungsmittelproduktion und Ressourcenbereich zu schaffen.

 

[1] Vgl. http://www.faz.net/artikel/C30563/anreize-zum-kinderkriegen-ueber-die-konkurrenz-der-genuesse-der-frau-30307210.html (zuletzt abgerufen am 20.05.2011)

[2] + [3] Samuelson, P.-A.; Nordhaus, W.-D. (1995), Volkswirtschaftslehre, Übersetzung der 15. Auflage, Wien/Frankfurt (1998), S. 619

[4] http://www.aphorismen.de/display_aphorismen.php?search=9&sav=9589&hash=2fa6cb0776995363c2a2ae7d57ac3845 (zuletzt abgerufen am 26.05.2011)

[5] Vgl. http://www.scientific.at/1998/roe_9805.htm (zuletzt abgerufen am 26.05.2011)

[6] Vgl. http://www.zeit.de/1999/21/199921.biblio-serie_.xml (zuletzt abgerufen am 20.05.2011)

[7] Vgl. Samuelson, P.-A.; Nordhaus, W.-D. (1995), Volkswirtschaftslehre, Übersetzung der 15. Auflage, Wien/Frankfurt (1998), S.402

[8] http://www.panevolution.com/evolutionstheoretiker/malthus.html (zuletzt abgerufen am 20.05.2011)

[9] Vgl. http://www.uni-giessen.de/VWL-II/download/MM-Malthus.pdf, S.3 (zuletzt abgerufen am 23.05.2011)
[10] Vgl. Samuelson, P.-A.; Nordhaus, W.-D. (1995), Volkswirtschaftslehre, Übersetzung der 15. Auflage, Wien/Frankfurt (1998), S. 403