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Wohlfahrtsökonomie (de.) - welfare economics (engl.)

 

Die Wohlfahrtsökonomie ist ein Bereich der Volkswirtschaftslehre und befasst sich, wie auch schon bei dem ökonomischen Prinzip (Güter sind knapp und Bedürfnisse müssen befriedigt werden), mit der Problematik, wie die beschränkt verfügbaren Ressourcen einer Volkswirtschaft optimal zur Wohlstandsmaximierung der Gesamtbevölkerung verwertet werden können.1 Dabei muss der Fokus  bei der Einsetzung und Verteilung von Betriebsmitteln so gesetzt werden, dass ein Wohlstandsoptimum erreicht wird. Somit beschäftigt sich die Wohlfahrtsökonomie, auch Allokationstheorie genannt, zum Einen mit den Bedingungen für ein angestrebtes Wohlstandsoptimum und zum Anderen mit den Kriterien für eine Erhöhung des Wohlergehens.2

 

Wilfredo Pareto, ein Professor für politische Ökonomie, leistete hierbei einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung der Wohlfahrtsökonomie. In seinen Kernaussagen nennt er, dass ihm an dem Nachweis gelegen hat, das sich eine freie Marktwirtschaft selbstständig zum Gleichgewicht neigt bzw. ein Optimum erreicht, bei dem die Bedürfnisse der Menschen größtmöglich befriedigt werden.

Anforderung für dieses Pareto-Optimum (auch Wohlfahrtsoptimum genannt) ist es, dass die unterschiedlichen Produktionsfaktoren (Arbeitskräfte, Boden, Maschinen) so verzahnt sind, dass das Maximum an Produktion erreicht ist und demnach keine Verbesserung nach oben hin mehr möglich ist. Folglich ist der Idealzustand erst dann erreicht, wenn eine Substituierung von Arbeitskräften durch Maschinen kein effizienteres Produktionsresultat hervorbringt.3

Im Rahmen der Wohlfahrtsökonomie werden die bestmöglichen Produktions- und Verteilungsbedingungen geprüft. Daraus resultiert die optimale Gütermenge durch den Preismechanismus (↑ Preise = ↓ nachgefragte Menge und ↑ angebotene Menge / ↓ Preise = ↑ nachgefragte Menge und ↓ angebotene Menge) auf vollkommenen Märkten. Aus unternehmerischer Sichtweise ergibt sich die optimale Gütermenge aus der Gewinnmaximierung; betrachtet man die privaten Haushalte, so definiert sich die optimale Gütermenge durch die  Nutzenmaximierung. Ziel jedes Unternehmers ist es, die oben genannten Produktionsfaktoren bestmöglich zu kombinieren.

 

Das Wohlfahrtsoptimum liegt vor, wenn kein Glied der Gesellschaft Nachteile erfährt, währenddessen ein anderes Glied besser gestellt wird. Maßstab hierfür ist, ob ein Mitglied der Gesellschaft besser oder schlechter gestellt ist, beruht letztendlich auf dessen Neigungen und werden folglich von jenen Präferenzen bestimmt.4

 

Bedingungen für Pareto - Optimalität5

Handels- und Tauschoptimum: 

  • Grenzrate der Gütersubstitution für die einzelnen Güter sind bei allen  Haushalten gleich
  •  Austauschverhältnis zwischen den Gütern, bei dem sich das Versorgungsniveau subjektiv nicht ändert6

Produktionsoptimum:

  • Grenzrate der Faktorsubstitution sind in allen Unternehmen gleich
  •  Austauschverhältnis zwischen den Produktionsfaktoren, bei dem sich das Faktoreinsatzverhältnis nicht ändert6

Individuelle Güteraustauschverhältnisse (Grenzrate der Transformation) muss der Grenzrate der Gütersubstitution entsprechen


1. Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie

Der erste Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie, auch erstes Wohlfahrtstheorem genannt, besagt, dass das Marktgleichgewicht pareto-effizient ist.7 Genauer erläutert bedeutet das, dass der geräumte Markt (Situation auf dem Markt: Menge des Angebots = Menge der Nachfrage) ein optimales Gleichgewicht der Verteilung knapper Güter vollzieht, wobei kein Beteiligter besser gestellt werden kann, ohne einen andere schlechter darzustellen.

Auf dem Bild zeigt sich die Zuordnung von knappen Ressourcen zu potentiellen Verwendern des Marktgleichgewichts, welche pareto-effizient ist. Dies bedeutet, dass die Menge, die Person A an Gut 1 bevorzugt, sich nicht mit der Summe kreuzt, die Person B bevorzugt. Wichtig hierbei ist, dass beim Markgleichgewicht die Bündelmenge, die Person A bevorzugt, oberhalb des Budgets liegen; die Bündelmenge von Person B hat ebenso über dem Budget zu verlaufen. Daraus lässt sich schließen, dass es unter dieser Voraussetzung unmöglich ist, dass sich die Mengen bevorzugter Zuordnung begrenzter Ressourcen nicht kreuzen können. Demnach gibt es keine solcher präferierter Zuordnungen (auch Allokationen genannt), die Person A sowie Person B gegenüber der Gleichgewichtsallokation bevorzugen -->  das Gleichgewicht ist folglich pareto-effizient.8

 

2. Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie

Der zweite Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie, auch zweites Wohlfahrtstheorem genannt, sagt aus, dass jedes Pareto-Optimum (s. o.) auf einem funktionierenden und auf einem Wettbewerb beruhenden Markt als ein Wettbewerbsgleichgewicht realisiert werden kann. Vertiefend zeigt dies Wirkung, indem es immer möglich ist, unter den oben beschriebenen Voraussetzungen (1. Handels- und Tauschoptimum, 2. Produktionsoptimum, 3. Grenzrate der Transformation = Grenzrate der Gütersubstitution) jedes pareto-effiziente Marktgleichgewicht zu erreichen, sofern eine geeignete Umverteilung der Anfangsausstattung erfolgt ist.9 – Je nachdem, wo man die gewünschte Ausgangssituation einordnet, kommt man zu den unterschiedlichsten pareto-optimalen Zuständen; es gibt unendliche von solchen Gefügen. Anlehnend daran kann man durch Umverteilung bzw. Umgewichtung jeden pareto-effizienten Punkt erreichen.10 Einen pareto-effizienten Punkt kann man auch als Abwesenheit von Verschwendung ansehen.11

 

Zusammenfassung

Das Pareto-Kriterium ist wertneutral bezüglich der Verteilung von Nutzen unter den einzelnen Personen zu betrachten. In diesem Zusammenhang kann der Nutzenbegriff kardinal und ordinal bewertet werden, in der Mikroökönomie wird jedoch nur der Nutzen in ordinaler Sichtweise betrachtet. Einen kardinaler Vergleich von Nutzen in der Wohlfahrtsökonomie ist nicht in Betracht zu ziehen, da man bei der Lehre der Wohlfahrt, genauer gesagt bei dem Pareto-Kriterium, anstatt Verlierer ausschließlich Gewinner bei der Allokation hat.12

 

„ And the winner is…“

 

 

 

Quellen

1 http://www.onpulson.de/lexikon/5538/wohlfahrtsoekonomie/, zugegriffen am: 09.05.2011

2 http://www.oenb.at/dictionary/termini.jsp?EINTRAG_ID=12504, zugegriffen am 09.05.2011

3 Weitz, B.: Bedeutende Ökonomen, 1. Aufl., München 2008, S. 90 ff

4 Luthe, E.W.: Optimierende Soialgestaltung, 1. Aufl., Tübingen 2001, S. 401 f.

5 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/pareto-optimum/pareto-optimum.htm, zugegriffen am 09.05.2011

6 http://www.vorlesungen.info/VWL-Lexikon#_Grenzrate_der_Substitution, zugegriffen am 09.05.2011

7 http://www.wiwi.uni-regensburg.de/arnold/documents/mikro1.pdf, zugegriffen am 09.05.2011

8 http://www.magie-management.org/S04-324KeplerVWL.htm, zugegriffen am 24.05.2011

9 http://www.wiwi.uni-jena.de/empirie/Folien-9.pdf, zugegriffen am 24.05.2011

10 http://forum.burgold.eu/fiwi/?PID=236, zugegriffen am 24.05.2011

11 http://de.wikipedia.org/wiki/Pareto-Optimierung, zugegriffen am 24.05.2011

12 http://www.wiwi.uni-augsburg.de/fachschaft/dyn/root_website/files/1154969323103.pdf, zugegriffen am 24.05.2011

 

  

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