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Oligopol (de.) – Oligopoly (engl.)

Inhaltsverzeichnis

1. Definition

2. Kritische Merkmale eines Oligopolmarktes

3. Aktuelle Beispiele eines Oligopolmarktes


1. Definition

Unter dem Begriff „Oligopol“ versteht man in der Makroökonomie den Markt, auf dem „nur wenige große Anbieter“ [1], eine bestimmte Art von Gütern, für die gesamte Nachfrage zur Verfügung stellen.
In Abgrenzung zum Monopol und Polypol lässt sich feststellen, dass auf einem monopolistischem Markt nur ein einzelner Anbieter vielen Nachfragern gegenübertritt und in der Folge den Markt allein beherrscht. Im Gegensatz dazu, findet man auf einem polypolistischem Markt eine große Anzahl von Anbietern für zahlreiche Nachfrager vor. Bei dieser Marktform besitzt jeder Anbieter nur einen geringen Marktanteil.
Darüberhinaus wird der Begriff aus dem griechischen „oligoi“ abgeleitet und heißt übersetzt „wenig“. Wenn es auf diesem Markt nur 2 Anbieter gibt, so wird dies als „Dyopol“
[2] bezeichnet. Dies kommt ebenfalls aus dem griechischen von dem Wort „dyos“, welches „zwei“ bedeutet.

Folgendes Schema verdeutlicht die oben angesprochenen verschiedenen Marktformen:

Abb. 1: [3] Seidel, S. 123


Den Begriff Oligopol kann man jedoch noch in weitere Definitionen aufteilen. Zum einen gibt es die Unterscheidung in ein heterogenes und ein homogenes Oligopol. Von ersterem spricht man, wenn eine kleine Anzahl von Anbietern mit spezifischen Produkten auf dem Markt auftreten wie zum Beispiel Märkte für Medikamente oder Zigaretten. Letzteres bezeichnet auch eine kleine Anzahl von Verkäufern, die jedoch identische Produkte anbieten. Hier wäre ein Beispiel Heizöl.
Darüberhinaus teilt man den Begriff noch auf, in ein sogenanntes weites oder ein enges Oligopol. Unter der Begrifflichkeit des weiten Oligopols, versteht man Anbieter denen nur wenige Konkurrenten gegenüberstehen. Diese Marktsituation hat zur Folge, dass wenn ein Anbieter seine Aktionen verändert, verändert sich deutlich die Marktsituation und man muss mit Reaktionen der anderen Anbieter rechnen. Dies nennt man die „Aktions- Reaktions- Verbundenheit aufgrund von Rivalitäten“
[4] und spricht von einem kompetitiven Oligopol. Der Gegensatz dazu ist das enge Oligopol, auch genannt nicht kompetitives Oligopol. Bei diesem entwickelt sich die Verfolgung gemeinsamer Interessen unter den Anbietern.
Zusätzlich gibt es noch die Unterscheidung in ein zweiseitiges Oligopol oder ein Nachfrageoligopol. Von dem ersten spricht man, wenn wenige Anbieter von beispielsweise Spezialkränen nur wenige Nachfrager für ihr Produkt finden. Ein Nachfrageoligopol herrscht vor, wenn es viele Anbieter wie Landwirte gibt, jedoch nur wenige Nachfrager, wie Molkereien.


2. Kritische Merkmale eines Oligopolmarktes

Die Merkmale für einen Oligopolmarkt sind folgende:
Zum einen gibt es auf dem Markt nur wenige Anbieter, welche alle groß und marktbeherrschend sind. Zum anderen ist der Markteintritt oder- austritt für die Nachfrager frei, hier spricht man von einem offenen Markt.
Auch können die Anbieter voneinander abhängig  sein. Dies wird dadurch hervorgerufen, dass durch die wenigen Anbieter für den gesamten Markt, die Marktanteile für jeden sehr groß sind. Dies hat zur Folge, dass bei Änderung der Handlungen zum Beispiel dem Preis, durch einen Oligopolist, die Konkurrenten zur Reaktion gezwungen sind, um weiter am Markt bestehen zu können. Diese Abhängigkeit kann jedoch auch dazu führen, dass die Anbieter bewusst auf eine aktive Preispolitik (Preisstarrheit) verzichten. Sie könnten befürchten, dass die Konkurrenz bei einer  Preiserhöhung nicht nachzieht und dies hätte dann zur Folge, dass der Anbieter Abnehmer verliert und somit eine Gewinnschmälerung eintreten würde. Verdeutlicht wird dies in folgenden Diagramm, der Preis- Absatz- Kurve:

Abb. 2: [5] Seidel, 193

 In dieser Abbildung wird die Preis- Absatz-Kurve mit der oben angesprochenen Preisstarrheit des Oligopolisten dargestellt. Auf der x- Achse wird dir die Menge und auf der y- Achse der Preis abgebildet. Tritt nun der Fall ein, dass ein Oligopolist den Preis p1 auf p2 herabsetzt so wird davon ausgegangen, dass die anderen Anbieter durch die Herabsetzung ihrer Preise mitziehen. Diese Reaktion hat zur Folge, dass sich der Absatz des ersten Anbieters nicht wie erhofft erhöht ( von x1 zu x2), denn die mitziehenden Anbieter können durch die Preissenkung einen Teil der Abnehmer übernehmen. Es kann sogar dazu führen, dass der Gewinn des Anbieters fällt und es sich somit also nicht lohnt den Preis zu senken. 

Wird jedoch der Preis von einem Oligopolisten von p1 auf p3 erhöht, so geht man davon aus, dass die übrigen Anbieter auf die Preiserhöhung nicht reagieren und somit der Absatz von x1 auf x3 stark zurück geht. Daher ist es auch hier für die Oligopolisten sinnvoll und von Vorteil, wenn sie den Preis am Markt konstant halten.
Man kann also sagen, dass man auf einem Oligopolmarkt eine relative Preisstarre oder eine gemeinsame Preisveränderung zu beobachten ist. Der Wettbewerb unter den Anbietern findet also meist nicht auf der Preisebene, sondern in Form von unterschiedlichen konkurrierenden Service- oder Qualitätsangeboten statt.

Ein weiteres Merkmal für einen Oligopolmarkt ist das sogenannte Parallelverhalten. Hierbei verfolgen die Anbieter ein gemeinsames Vorgehen. Ein Beispiel wäre die gemeinsame Preisabsprache. Die Ziele dieses gemeinsamen Vorgehens bestehen darin, „... (Preis)Kampfsituationen zu vermeiden (...) (und so) ihren Gewinn zu maximieren“ [6],  oder Preise oberhalb der Durchschnittskosten erzielen zu können. Des Weiteren spricht für das Parallelverhalten, dass sich durch die gegenseitige Abhängigkeit „... ein scharfer Wettbewerb und Preiskampf unter den Oligopolisten um Marktanteile bis hin zum Verdrängungswettbewerb entwickeln“ [7]könnte.


3. Aktuelle Beispiele für Oligopole

Mitte April flog die jahrelange Preisabsprache der Waschmittelhersteller Henkel, Unilever und Procter & Gambel, aufgrund einer Selbstanzeige des Henkel- Konzerns auf.
Die drei führenden Waschmittelhersteller haben drei Jahre lang, im Zeitraum von 2002 bis 2005, illegale Preisabsprachen gemacht und somit die Abnehmer betrogen. Durch seine Selbstanzeige wurde Henkel die Strafe von der EU-Kommission erlassen, die anderen zahlen hingegen Geldstrafen von 104 Millionen (Unilever) und 211 Millionen Euro (Procter & Gambel). Die Strafen wurden bereits ermäßigt, aufgrund ihrer Geständigkeit und entsprechen den jeweiligen Marktanteilen der Firmen.
Die drei führenden Waschmittelproduzenten Europas hielten, auf dem hart umkämpften Markt, drei Jahre lang die Preise künstlich hoch. Die Absprache garantierte den Konzernen sehr gute Einnahmen und betraf Vollwaschmittelpulver in acht Ländern, darunter auch Deutschland. Durch diese Maßnahme wollten die Firmen ihre Marktanteile halten und vereinbarten so gemeinsam, die Preise nicht zu senken, selbst wenn sie die Verpackung verkleinerten.
Durch derartige Preisabsprachen werden jedoch nach Ansicht der Europäischen Kommission Verbraucher und Haushalte massiv geschädigt.
[8]

Ein weiteres Beispiel ist das Oligopol von Flachbildschirm- Herstellern.
Im Dezember 2010 bestrafte die Europäische Kommission ein Kartell von Flachbildschirm-Herstellern, da fünf asiatische Hersteller jahrelang gemeinsame Preisabsprachen getroffen hatten. Die Geldstrafe betrug in diesem Fall 649 Millionen Euro.
Die EU-Wettbewerbsbehörde sah es als erwiesen an, dass die Unternehmen zwischen 2001 und 2006 systematisch ihre Preise abgesprochen haben. Dies hatte auch hier zur Folge, dass die Abnehmer geschädigt wurden.
Nach Ansicht der europäischen Wettbewerbshüter spiele es keine Rolle, dass es sich dabei um asiatische und somit Nicht-EU-Unternehmen handle, solange ihr Wettbewerbsverstoß Auswirkungen in Europa habe.
[9]

Ganz aktuell stützt eine neue Sektor Untersuchung Kraftstoffe des Bundeskartellamts den Verdacht, dass es die Verbraucher im deutschen Tankstellengeschäft mit einem marktbeherrschenden Oligopol zu tun haben. Der "Spiegel" und die "Bild am Sonntag" zitierten am 22.5.2011 aus einem Kartellamtsbericht. Demnach sehen die Wettbewerbshüter "Marktstrukturen zum Nachteil des Verbrauchers". Im Tankstellenoligopol sind es fünf Unternehmen, Aral/BP, Jet, Esso und Total, die rund 70 Prozent des Kraftstoffabsatzes kontrollieren.
Zwar kann das Kartellamt keine Preisabsprachen nachweisen. Doch die Studie weist nach, dass die Preiserhöhungsrunden der führenden fünf Mineralölanbieter fast immer nach demselben Muster ablaufen: Ein Unternehmen, meist einer der beiden Marktführer Aral und Shell, prescht vor, die anderen ziehen dann innerhalb weniger Stunden nach. Der gleiche Mechanismus greife auch bei Preissenkungsrunden – nur bedeutend langsamer als anders herum.
Nach Erkenntnissen des Kartellamts unterhalten die Konzerne dafür ein weitverzweigtes Konkurrenzbeobachtungs- und Meldesystem. Illegale Geheimabsprachen in Hinterzimmern würden so überflüssig. "Preise absprechen ist verboten, Preise abgucken nicht", entgegnete ein Mineralölmanager auf die Vorwürfe. Demgemäß sind auch die Eingriffsmöglichkeiten des Bundeskartellamts begrenzt.
Wegen der komplizierten Rechtslage haben die Wettbewerbshüter derzeit aber praktisch keine Möglichkeit gegen das Oligopol vorzugehen. Denkbar ist im Moment nur, dass das Bundeskartellamt den fünf Konzernen untersagt von freien Anbietern weitere Tankstellen zu übernehmen.
[10]

Zwei andere Beispiele für Oligopole, die aus politisch- ökonomischer Sicht kritisch zu betrachten sind, stellen der, von vier Unternehmen in Deutschland beherrschte, Energiemarkt und die OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) [11] dar. In beiden Fällen zeigt sich, dass Politik und Ökonomie gemeinsame aber auch gegensätzliche Interessen haben können und unter anderem zu unterschiedlichen Auswirkungen für den Verbraucher führen. Im Zusammenhang mit den vier marktbeherrschenden Elektrokonzernen (E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW) sei nur an die aktuelle Diskussion zur Energiewende (Atomausstieg) erinnert. So vertraten die vier Energiekonzerne die Ansicht, dass eine Verlängerung der Endlaufzeit von Atomkraftwerken den Strompreis für den Endverbraucher senken würden und gleichzeitig die Gewinne gesteigert hätten. Die neue politische Diskussion desselben Themas, aktuell ausgelöst durch das Erdbeben in Japan, führt nun aber zu einer absoluten politisch und ökonomischen Neubewertung der Stromproduktion in Atomkraftwerken. Interessant wird sein, welche Macht die vier Konzerne auf die Politik werden ausüben können, um ihre Interessen im politischen Raum durchzusetzen.

Im Fall der OPEC, die insgesamt gut 40% der weltweiten Erdölproduktion oligopolartig beherrschen, zeigt sich in den letzten Jahren dagegen eine starke Verschmelzung von den spezifischen Interessen dieses Oligopols mit den internationalen Handelsinteressen der großen Industrienationen wie USA, EU, China und Japan. Dies zeigt sich darin, dass das marktspezifische Handeln der OPEC, bedingt durch ihre eigene Kapitalanlage in den Industrienationen,  mittlerweile für eine relativ verlässliche Preisstabilität auf dem Ölmarkt sorgt, sodass die oben genannten Industrienationen hier mit konstanten Energiestoffpreisen rechnen können. Hierdurch wird deutlich, dass die politische Ökonomie und Oligopolmärkte durchaus gemeinsame Interessen verfolgen können, die eine endgültige Bewertung letztlich schwierig machen.


Fußnoten:

[1] Das Wirtschaftsstudium, XI

[2] Arentzen, S. 807

[3] Seidel, S.123

[4] Bartling,S. 104

[5] Seidel, S. 193

[6] Seidel, S. 192

[7] Vgl. :http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=O7JNX8

[8] Vgl.: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/henkel-       liess-waschmittel-kartell-auffliegen/4056426.html

[9] Vgl.: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~

    E42D7EE105C0644E1B89888A1B3CEDE54~ATpl~Ecommon~Scontent.html

[10] Baumann, Fest im Griff fünf großer Firmen, KSTA

[11] http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/organisation-der-erdoel-exportierenden-      laender/organisation-der-erdoel-exportierenden-laender.htm



Quellenverzeichnis:

Literaturquellen:

Seidel, Horst
Temmen, Rudolf
Grundlagen der Volkswirtschaftslehre
Troisdorf 2004 (22. Auflage), Bildungsverlag EINS- Gehlen

Freier, Udo
Kneissel, Jutta
Volkswirtschaftslehre für Sie 1
München 1975, Hueber-Holzmann Verlag

Bartling, Hartwig
Luzius, Franz
Grundzüge der Volkswirtschaftslehre
München 1998 (12. Auflage), Verlag Franz Vahlen GmbH

Redaktion: Arentzen, Ute
Volkswirtschaftslexikon
Wiesbaden 1997 (2. Band), Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH

Professor Dr. Gruber, Utta
Dr. Kleber, Michaela
Grundlagen der Volkswirtschaftslehre
München 1997 (3. Auflage), Verlag Franz Vahlen GmbH

Herausgeber:
Prof. Dr. T. Hartmann- Wendels
Prof. Dr. R. Thome
Prof. Dr. Dr. h.c. A. Woll
Das Wirtschaftsstudium
Ausgabe: 6. Juni 2008, 37. Jahrgang, Heft 6

Baumann, Daniel
Kirnich, Peter
Fest im Griff fünf großer Firmen
23. Mai 2011, Kölner Stadt- Anzeiger


Internetquellen:

http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=O7JNX8

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/henkel-liess-waschmittel-kartell-auffliegen/4056426.html

http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~

E42D7EE105C0644E1B89888A1B3CEDE54~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/organisation-der-erdoel-exportierenden-laender/organisation-der-erdoel-exportierenden-laender.htm