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Definition Einkommensverteilung:   

Unter dem Begriff der Einkommensverteilung versteht man die tatsächliche oder rechnerische Verteilung der Volkseinkommen (Gesamteinkommen), welche innerhalb einer Volkswirtschaft innerhalb eines bestimmten Zeitraums erwirtschaftet wurden.  

 

Einleitung:

Die Thematik der Einkommensverteilung ist eines der zentralen Probleme jeder Wirtschaftsordnung, da sich eine Lösung zur gerechten Einkommensverteilung aber weder am Markt ergibt, noch als Ziel wie z.B. Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität im Stabilitätsgesetz festgelegt ist, werden immer  wieder  Diskussionen und Kämpfe über die gerechte Verteilung des Einkommens, sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung ausgetragen. An erster  Stelle steht dabei meistens die Debatte über Löhne und Preise, an sekundärer Stelle auch die über Steuern, Abgaben und Subventionen.

 

Arten der Einkommensverteilung:

Die Einkommensverteilung kann unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert werden, man unterscheidet dabei die regionale oder räumliche Verteilung der Einkommen, die Verteilung nach Geschlecht oder Altersstruktur, die funktionelle und die personelle Verteilung.

Im Folgenden sind die funktionelle und die personelle Einkommensverteilung, welchen insbesondere  innerhalb der verteilungspolitischen Diskussion zentrale Bedeutung zugewiesen wird, näher erläutert.

 

Funktionelle und personelle Einkommensverteilung 

1.  Funktionelle Einkommensverteilung: 

Als funktionelle Einkommensverteilung bezeichnet man die Zuordnung des Volkseinkommens zu den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital, also zu den Leistungsarten, für die sie die Gegenleistung darstellen.  

Bei der Zuordnung unterscheidet man einerseits das Einkommen aus unselbständiger Arbeit (Arbeitnehmerentgelte), z.B. Löhne und Gehälter und andererseits das Einkommen aus Unternehmertätigkeit (Selbständigeneinkommen) und Vermögen (zusammenfassend Kapitaleinkommen), z.B. Zinsen, Dividenden und Mieten.

Zwei bedeutende Kennziffern der funktionellen Einkommensverteilung sind zum einen die Lohnquote (Bruttoeinkommen aus unselbständiger Arbeit) und zum anderen die Gewinnquote (Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen).

 

Die Lohnquote:

Die Lohnquote spielt in der verteilungspolitischen Diskussion eine zentrale Rolle, sie definiert das Verhältnis von Einkommen zu Arbeitnehmerentgelte.

Lohnquote 

Damit ist sie ein wichtiger Indikator sowohl für lohnpolitische Verhandlung als auch für die Gleichheit der Einkommensverteilung. Jedoch ist ihre Aussagefähigkeit begrenzt, denn tatsächlich  erzielen die Arbeitnehmerhaushalte ihr Einkommen aus mehreren Quellen als nur aus Löhnen und Gehältern, so erhalten Arbeitnehmer meist auch ein Kapitaleinkommen aus Zinsen, Dividenden und Mieten. Dies führt dazu dass die Grenze zwischen Arbeitnehmer- und Kapitaleinkommen zunehmend verwischt. Trotzdem kann eine sinkende Lohnquote ein Indiz für eine zunehmende Ungleichverteilung des Volkseinkommens sein. 

 

Die Gewinnquote:

Die Gewinnquote ist das Gegenstück zur Lohnquote. Sie ist definiert als Anteil der Gewinne am Volkseinkommen. 

Gewinnquote

Sie bezeichnet also die Gewinne aus selbständiger Tätigkeit und somit das Verhältnis vom Unternehmens- und Vermögenseinkommen zum Volkseinkommen.  Ebenso wie die Lohnquote ist sie ein Indikator für die funktionelle Einkommensverteilung.

 

2.  Personelle Einkommensverteilung 

Als personelle Einkommensverteilung bezeichnet man die Zuordnung des Volkseinkommens nach den Gruppen der Einkommensempfänger, z.B. Selbständige, Angestellte, Beamte, Rentner oder Landwirte. Es wird also untersucht, welche Personen oder Personengruppen der Bevölkerung welchen Anteil des Volkseinkommens auf sich vereinen. Die öffentliche Diskussion der Einkommensverteilung bezieht sich meistens auf die personelle Einkommensverteilung. Diese ist für die Wahrung des sozialen Friedens in gesellschaftlichen Systemen von großer Bedeutung, denn eine starke Ungleichverteilung des Einkommens kann zu Unruhen innerhalb der Bevölkerung führen.  

Bei der personellen Einkommensverteilung unterscheidet man zwischen zwei Arten der Verteilung, der primären und der sekundären Einkommensverteilung.   

Die primäre Einkommensverteilung ergibt sich unmittelbar aus dem Produktionsprozess, sie bezeichnet also die Entlohnung der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital, ohne dass der Staat in die Verteilung eingreift, daraus ergibt sich dann das sogenannte Bruttoeinkommen oder Markteinkommen.  

Die sekundäre Einkommensverteilung bezeichnet die Umverteilung des Einkommens durch den Staat. Der Staat verteilt Teile der Einnahmen aus Steuern (z.B. Lohn- und Einkommenssteuern) und Sozialabgaben (z.B. Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungen) als Transferleistungen, diese sind z.B. Sozialleistungen wie Renten oder Arbeitslosenunterstützung aber auch Leistungen wie Wohngeld, Kindergeld, Sozialhilfe etc. Dieses bezeichnet man dann als sogenanntes verfügbares Einkommen. Durch die staatliche Umverteilung wird die Ungleichheit der verfügbaren Einkommen gegenüber den Bruttoeinkommen (primäre Einkommen) deutlich reduziert.  

Statistische Darstellungen zur personellen Einkommensverteilung basieren in der Regel auf der Einkommens- und Verbraucherstichprobe (EVS), welche alle 5 Jahre, vom Statistischen Bundesamt und im Rahmen des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erhoben wird. Sie erfasst Einnahmen, Ausgaben und das Vermögen privater Haushalte und bezieht sich mit rund 165.000 Personen in 75.000 Haushalten auf etwa 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Da größere Haushalte größere Vorteile durch ihr gemeinsames Wirtschaften erzielen als kleinere Haushalte, ist dazu zunächst einmal die Ermittlung des sogenannten Äquivalenzeinkommen nötig, dieses ist ein bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen der Haushaltsmitglieder.

Dabei konzentriert sich die Betrachtung zur Analyse der Ungleichheit der Einkommensverteilung für sozialpolitische Fragestellungen in der Regel auf die Verteilung der verfügbaren Einkommen (sekundäre Einkommen), darüber hinaus gibt es aber auch Untersuchungen zur Verteilung der Bruttoeinkommen (primäre Einkommen). Hier wird dann untersucht wie stark die Ungleichheit der Einkommensverteilung vorliegt, desweiteren kann dann daraus der Anteil der Personen bestimmt werden, für die ein Armutsrisiko vorliegt. 

 

Darstellungsmöglichkeiten und Verteilungsmaße der Einkommen: 

Die Darstellungen zur personellen Einkommensverteilung zielen in erster Linie natürlich auf die Ungleichheitsmaße ab.

Um diese Verteilung der Einkommen nun darzustellen und messen zu können werden vier Varianten verwendet, die im Folgenden näher erläutert werden.

 

1. Die Quantilsdarstellung 

Die Quantilsdarstellung zeigt an welcher Anteil (Quantil), welchen Anteil am Volkseinkommen auf sich vereint. Dabei ordnet man die Haushalte aufsteigend nach der Höhe ihres Einkommens. Dann wird die Verteilung in 10 gleich große Teile (Dezile) vorgenommen und für jedes Dezil die Summe der Einkommen berechnet. Anschließend wird der Einkommensanteil der einzelnen Dezile an allen Einkommen berechnet. So kann man nun z.B. den Einkommensanteil von den ärmsten 10 Prozent (1. Dezil) bis hin zum Einkommensanteil der reichsten zehn Prozent (10. Dezil) bestimmen.   

 

2. Der Gini-Koeffizient

Der Gini-Koeffizient ist ein Verteilungsmaß, welches das Ausmaß der Ungleichheit der Einkommensverteilung in einer Zahl ausdrückt, diese Zahl liegt zwischen 0 und 1. Er liefert eine präzisiere Aussage zum Ausmaß der Ungleichheit als die Quantilsdarstellung, da er sowohl die Verteilung des verfügbaren Einkommens als auch die Verteilung der Markteinkommen berücksichtigt.

Ein Gini-Koeffizient mit dem Wert 0 entspricht der völligen Gleichverteilung der Einkommen und ein Gini-Koeffizient mit dem Wert 1 entspricht der völligen Ungleichverteilung der Einkommen, das hieße ein Haushalt würde das gesamte Einkommen erhalten.  

 

3. Die Lorenzkurve 

Die Lorenzkurve ist eine grafische Darstellung der Ungleichheit der Einkommensverteilung, sie veranschaulicht das Ausmaß der Ungleichheit innerhalb der Verteilung. Sie verbindet die Einkommensanteile der Dezile zu einer Linie. Sie gibt also an welcher Anteil des Volkseinkommens von welchem Anteil der Bevölkerung getragen wird.

 Lorenzkurve

 

Auf der X-Achse liegen die Anteile der Bevölkerung (in %) und auf der Y-Achse liegen die Anteile der Einkommen (in %).

Die diagonale Linie, also die Winkelhalbierende ist die Linie der Gleichverteilung, sie zeigt die optimale Verteilung der Einkommen an d.h. die Verteilung bei der jeweils der Gleiche Anteil der Bevölkerung, den entsprechend gleichen Anteil des Einkommens auf sich vereinen würden (Bsp.: 50% der Bevölkerung vereinen 50% des Volkseinkommens). Diese Gleichverteilung der Einkommen ist jedoch utopisch und in der Realität nicht möglich. (So wird ein Hartz IV Empfänger wohl nie den gleichen Lohn wie ein Politiker erhalten.)

Die gebogene Kurve nennt man Lorenzkurve, sie stellt die Realität dar, sie zeigt nämlich die tatsächliche Verteilung der Einkommen auf die Bevölkerungsanteile. Dabei gilt, je bauchiger die Lorenzkurve ist, also je mehr  sie sich der X-Achse nähert und somit von der Gleichverteilungslinie abweicht, desto größer ist die Ungleichheit. 

 

4. Die Armutsquote

Die Armutsgrenze gibt den prozentualen Anteil der gesamten Haushalte an, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt. Dabei orientiert man sich am Mittel des Einkommenswertes der Haushalte, als Armutsgrenze gilt ein Einkommen von 50 Prozent des Durchschnittseinkommen, demnach gilt also jeder als „arm“ dessen Einkommen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens beträgt. Diese Methode wird verwendet um die sogenannte relative Armut zu berechnen.

Der Vorteil der Armutsquote besteht darin, dass sie die Einkommensverteilung, im Vergleich zu relativ komplexen Tabellen und Darstellungen, plastisch darstellt und somit Auskunft über die konkrete Lebenssituation der Menschen gibt.

 

 

Quellenverzeichnis:

Schäffer Poeschel, Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, 18. Auflage

http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=6M6DEH  zugegriffen am 15.05.2011

http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_39820/DE/BMF__Startseite/Service/Glossar/E/027__Einko mmensverteilung.html zugegriffen am 15.05.2011

http://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensverteilung   zugegriffen am 15.05.2011

http://www.insm-lexikon.de/einkommensverteilung.html  zugegriffen am 15.05.2011 

http://www.lai.fu-berlin.de/e-learning/projekte/vwl_basiswissen/Umverteilung/grafiken/bild_lorenz/lorenz_550.png zugegriffen am 15.05.2011