Druckversion

Das Volkseinkommen

Geld Euro

Inhaltsverzeichnis:

 

  • Definition
  • Begriffsbestimmungen
  • Geschichtliche Hintergründe
  • Wirtschaftssektoren und Wirtschaftszweige
  • Berechnungsschema des Inlandsprodukts und des Volkseinkommen
  • Die Entstehungs- Verwendungs- und Verteilungsrechnung
  • Fazit 

 

Definition:

Das Volkseinkommen bezeichnet die Summe aller Einkommen, die während eines Jahres von der Wohnbevölkerung eines Landes oder einer Region bezogen wurde. Das Volkseinkommen wird nach dem sogenannten Inländerprinzip erfasst, d.h., es werden die Einkommen aller Inländer aus ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit erfasst.(Bundesmimisterium der Finanzen 2011)

Wichtige Begriffsbestimmungen:

Seit 1999 wird der Begriff des Sozialproduktes ersetzt durch den des Volkseinkommens bzw. Nationaleinkommens.

Für die weitere Betrachtung des Volkseinkommens ist die oben aufgeführte Definition nur unzureichend beschrieben. Man betrachtet einen bestimmten Zeitraum, in der Regel ein Kalenderjahr. In diesem Zeitraum werden die Erwerbs- und Vermögenseinkommen, die den Bewohnern eines Landes (Inländerprinzip) zugeflossen sind, aufsummiert.

Daraus ergibt sich, dass auch die Arbeitseinkommen der Deutschen, die im Ausland leben, mit berücksichtigt werden und in das Volkseinkommen einfließen, aber auch Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Vermögensanlagen, die im Ausland getätigt wurden.

 

Um ein genaueres Verständnis dafür zu erhalten, wie sich das Volkseinkommen zusammensetzt und was es im einzelnen erfasst, müssen wir die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) betrachten.

Geschichtliche Hintergründe:

In den sechziger Jahren wurde in Wiesbaden die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung vom Statistischen Bundesamt auf der Grundlage internationaler Standards entwickelt. Hierzu richtete man sich nach den Standart-Kontensystemen, die sich an den Statistiken des internationalen Systems of National Accounts (SNA) orientierten.

Seit 1999 wird in der Europäischen Union die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung(VGR) in Bezug auf das 1995 entwickelte System der Europäischen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (EVGR) durchgeführt.

 

Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ist wie ein geschlossenes Kontensystem aufgebaut in denen alle Vorgänge doppelt gebucht werden. Hierbei unterscheidet man zwei Größen:

 

  • „Bestandsgrößen erfassen alle Bestände, die zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessen werden. Dazu gehören insbesondere die Geldmenge, der Bestand an Produktionskapital (der Kapitalstock) oder die Einlagen bei Banken.
  • Stromgrößen sind Größen, die pro Zeitintervall gemessen werden, z.B. während eines Tages, Monats oder Quartals. Die wichtigsten Stromgrößen sind das Bruttoinlandsprodukt (BIP), der private Konsum oder das Einkommen aus unselbstständiger bzw. selbstständiger Arbeit.(Volkswirtschaftslehre, Scholz/Heinen/Hagemann, Stamverlag 13.Auflage, Seite 36)“

 

Wie oben bereits erwähnt befasst sich die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung mit der Erfassung aller Einkommen in einer bestimmten Zeitperiode, also befasst sich die VGR mit allen Stromgrößen.

Man teilt die einzelnen Wirtschaftssubjekte nach Art und Weise ihres wirtschaftlichen Handelns in Sektoren ein. Diese Eingrenzung ermöglicht eine übersichtlichere Betrachtungsweise, da nicht jede einzelne wirtschaftliche Transaktion (Tauschprozess) erfasst werden kann.

Hierdurch erhält man eine aussagekräftige Veranschaulichung der Gesamtsituation im Bezug auf die:

  • Aufkommen der Sachgüter und Dienstleistungen (Produktion im Inland und Exporte und deren Verwendung wie z.B. Weiterverarbeitung, Konsum, Investitionen, Export bzw. Wertschöpfung)
  • Entstehung und Verteilung der Einkommen (bzw. ihre Umverteilung und ihre Verwendung)
  • Darstellung der Finanzierung (Sparen, Abschreibungen, Verschuldung und Kapitaltransfer)

Seit 1999 wurden die gesamten Wirtschaftsklassifikationen neu gestaltet, jedoch wurde an der bestehenden Differenzierung zwischen Wirtschaftszweigen und Wirtschaftssektoren festgehalten.

 

Wirtschaftssektoren: Hierbei handelt es sich um private Haushalte sowie private und öffentliche Unternehmungen. Diese bieten eine Ware oder Dienstleistung auf einem Markt zu einem bestimmten Preis an (der sich über Angebot und Nachfrage bildet).

 

Bei den Wirtschaftszweigen wird nach den vom jeweiligen Unternehmen ausgeführten Tätigkeiten unterschieden (Produzierendes Gewerbe oder Dienstleister).

 

Letztendlich dient die Einteilung nach Wirtschaftszweigen unter anderem dazu, die Verschiebungen des Gewichts der einzelnen Wirtschaftsbereiche (struktureller Wandel) aufzuzeigen.

Man kann diese Wirtschaftszweige zurückführen auf die drei Obergruppen des 3-Sektorenmodells von Jean Fourastiè:

 

  • „1.Sektor Sektoren: Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften (alle Kapitalgesellschaften ohne Banken und Versicherungen), 60,2%, Finanzielle Gesellschaften 0,9%, Staat 11,1% und die privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck 27,8%

 

  • 2.Sektor Wirtschaftszweige: Land-, Forstwirtschaft, Fischerei 1,2%, Produzierendes Gewerbe 25,4%, Bau 5,5%, Handel, Gastgewerbe, Verkehr 17,5%, Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen 29,1%, Öffentliche und private Dienstleister 21,3 %
  • 3.Sektor Sektoren nach Fourastiè: Primärsektor 12%, Sekundärsektor 30,9% und der Tertiäre Sektor mit 67,9%

 

Der französische Ökonom Jean Fourastiè

Jean Fourastiè

unterteilte die Wirtschaft in drei Sektoren: Landwirtschaft (Primärer Sektor), Industrie (Sekundärer Sektor) und Dienstleistungen (Tertiärer Sektor), die Prozentangaben entstammen dem Statistischen Bundesamt und wurden 2000 vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln in der Quelle IWD Nr. 5/2000 veröffentlicht.“

 

Berechnungsschema Inlandsprodukt, Volkseinkommen:

 

Produktionswert= der Gesamtwert aller Verkäufe, bewertet wird dieser zu Marktpreisen, ohne Umsatzsteuer

- Käufe bei anderen Unternehmen (Vorleistungen)

______________________________________________________________________

= die Bruttowertschöpfung (1)

 

- diese wird bereinigt von den Bankdienstleistungen (Soll- und Habenszinsen der Kreditinstitute)

-Gütersubventionen

+ hinzukommen nicht abziehbare Umsatzsteuer

+ und die Einfuhrabgaben

_________________________________________________________________________

= Bruttoinlandsprodukt (BIP)

 

+ Saldo der Erwerbseinkommen aus dem Ausland

__________________________________________________________________________

= Bruttosozialprodukt

 

- Abschreibungen

____________________________________________________________________________

= Nettosozialprodukt zu Marktpreisen (ergibt sich aus dem Konsum der Haushalte, des Staates, der Exporte sowie der Nettoinvestitionen abzüglich der Importe)


- indirekte Steuern (z.B. Mehrwertsteuer)

+ Subventionen

_____________________________________________________________________________

= Nettosozialprodukt zu Faktorpreisen = Volkseinkommen (ist die zentrale Größe in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, da es die wertmäßige Summe aller Güter und Dienstleistungen errechnet, die in einem bestimmten zeitlichen Betrachtungsbereich durch eine Volkswirtschaft nach dem Inlandskonzept erwirtschaftet worden ist)(das Nettosozialprodukt ergibt sich aus dem Konsum der Haushalte , des Staates, der Exporte sowie der Nettoinvestitionen abzüglich der Importe und Indirekten Steuern zuzüglich der Unternehmenssubventionen)

 

- nichtausgeschüttete Gewinne

- Körperschaftssteuern

- Sozialversicherungsbeiträge (soweit vom Arbeitgeber bezahlt)

+ Transfers

_____________________________________________________________________________

= Einkommen der Haushalte

 

- direkte Steuern

- Sozialversicherungsbeiträge (vom Arbeitnehmer bezahlt)

_____________________________________________________________________________

= verfügbares Einkommen (stellt einen wichtigen Einflussfaktor auf den Privaten Konsum dar)

 

 

Erläuterung: In Deutschland geschieht die Berechnung des Sozialproduktes und des Volkseinkommen in dreifacher Weise:

 

  1. Die Entstehungsrechnung (Urproduktion, Verarbeitung, Dienstleistungen, Staat, Haushalte, private Organisationen)
  2. Die Verteilungsrechnung (Erwerbseinkommen, Vermögenseinkommen)
  3. Die Verwendungsrechnung (privater Verbrauch, Staatsverbrauch, Investitionen, Außenbeitrag)

Der Ausgangspunkt für die Entstehungsrechnung ist die unbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche abzüglich der Vorleistungen (siehe schematische Darstellung (1)).

Bei der Entstehungsrechnung werden die Produktionswerte dargestellt, dabei handelt es sich um Dienstleistungen und Waren, Handelswaren aus eigener "Produktion" die an in- und ausländische Wirtschaftssubjekte verkauft werden.

Die Entstehungsrechnung ermittelt alle Wertschöpfungen (bezeichnen die Differenz zwischen dem Brutto-Produktionswert und dem Wert aus anderen Betrieben bezogenen Produkten, sog. Vorleistungen) der gesamten Volkswirtschaft in einer festgelegten Periode.

Darüber lassen sich dann über Zuzählungen bzw. Differenzen das BIP, Bruttosozialprodukt sowie Nettosozialprodukt zu Markt- und zu Faktorpreisen (Volkseinkommen) berechnen.

Verteilungsrechnung:

Die Verteilungsrechnung dient dazu Auskunft zu geben über die Einkommensbildung einer Volkswirtschaft. Man unterscheidet nach zwei Arten der Einkommen:

 

  1. Einkommen aus unselbstständiger Arbeit (Lohn und Gehalt). Dabei werden vom Bruttoeinkommen die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung und die Lohnsteuer abgezogen.
  2. Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen. Abzüglich der direkten Steuern und ähnlicher Abgaben erhält man das Nettoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen.

 

Einkommensverteilung:

Hier betrachtet man die Verteilung des Volkseinkommen, dass aus allen wirtschaftlichen Produktionsprozessen heraus entstanden ist auf alle beteiligten Wirtschaftssubjekte (primäre Einkommensverteilung). Durch den Staat erfolgen die Besteuerung und die Einkommensumverteilungen wodurch die sekundäre Einkommensverteilung entsteht (sozial geprägt). In diesem Zusammenhang betrachtet man auch den Gini-Koeffizienten:

Corrado Gini, italienischer Statistiker

23.Mai 1884 in Motta di Livenza geboren und verstarb 1965 in Rom.

Corrado Gini

Corrado Gini entwickelte den sogenannten Gini-Koeffizienten ein statistisches Maß für die Verteilungsgleichheit. Mit diesem Wert kann man das Maß berechnen wie weit die Einkommensverteilung einer Gesellschaft von der Gleichverteilung abweicht.

In der Bundesrepublik Deutschland hat der Gini-Koeffizient einen Wert von 0,28 dieser Wert sagt aus, dass das Einkommen in Deutschland weitestgehend fair verteilt wird (dies ist zurück zu führen auf die Tatsache, dass Deutschland ein Sozialstaat darstellt). In anderen Ländern wie zum Beispiel den USA ist dieses "Gleichgewicht" der Einkommensverteilung nicht gegeben (Wert beträgt über 0,41). Hier verteilt sich das Vermögen auf eine geringe Personenanzahl.

Verwendungsrechnung:

Bei der Verwendungsrechnung ermittelt man wie das BIP der Volkswirtschaft verwendet wird.

Es wird eine Unterscheidung getroffen nach:

 

  • Privaten Haushalten (C-Haushalt, zum privatem Konsum gehören alle Sachgüter und Dienstleistungen)
  • Staatsverbrauch (C-Staat)
  • Bruttoinvestitionen seitens der Haushalte und des Staats (I- Haushalt, I- Staat)
  • Außenbeitrag, d.h. die Differenz zwischen Export und Import
Daraus ergibt sich die Formel für die Berechnung des Bruttosozialproduktes zu Marktpreisen: Y = C-Haushalt + C-Staat + Bruttoinvestitionen Haushalte + Bruttoinvestitionen Staat + Export - Import
Wichtig:
Das Bruttosozialprodukt der Verwendungsrechnung muss dem der Entstehungsrechnung entsprechen und auch dem Wert des differenzierten Volkseinkommens (Einkommen aus selbstständiger Arbeit und Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen).
Ergänzend:
Bruttoinlandsprodukt=> Nettosozialprodukt=> Volkseinkommen=>Privates Einkommen=> Persönliches Einkommen=>Verfügbares Einkommen

 

Einfluss auf diese Werte haben der Staat (z.B. durch direkte Steuern, Subventionen und Investitionen) und der Kapitalmarkt (Investitionen und Abschreibungen).

Fazit:

Das Volkseinkommen stellt einen der wichtigsten Faktoren der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung dar. Vom Volkseinkommen lässt sich das Einkommen der Haushalte und das zur verfügungsstehende Einkommen berechnen. Aus wirtschaftlicher Betrachtung ist das in den Haushalten zur verfügungsstehende Einkommen der Antrieb der Wirtschaft, denn das erwirtschafte Einkommen (in den Unternehmen) wird entweder für den Kauf von Konsumgütern oder zum Sparen benutzt. Sparen heißt Geld bei den Banken hinterlegen wofür man Zinsen erhält, aber auch über die Banken Kredite aufnehmen zu können. Die Banken haben wiederum die Möglichkeit in Unternehmen zu investieren durch Vergabe von sog. Produktivkrediten (erweiterter Wirtschaftskreislauf). Das heißt selbst wenn die Haushalte "sparen" fördern sie doch indirekt damit die Wirtschaft in einem Land.

Quellen:

Volkswirtschaftslehre: Grundzüge und Probleme der Volkswirtschaft, Scholz, Heinen, Hagemann, Stamverlag 13. Auflage, ISBN:3-8237-0711-6

Wirtschaftslexikon von Werner Rittershofer, Deutscher Taschenbuchverlag 3. Auflage,ISBN 3423508442

Gewinn- und Kapitalbeteiligung: eine mikro- und makroökonomische Analyse, Bontrup, Heinz-J., Springob,Kai, ISBN 978-3-409-11784-5 

Internetrecherchen:

http://www.bundesfinansministerium.de/nn_54180/DE/BMF_Start...

Bundeszentrale für politische Bildung http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=CC1JOM

http://de.wikipedia.org/wiki/volkseinkommen

http://wirtschftslehre.ch/Wohlstand/wohlstand-3.htm

Initiative neue soziale Marktwirtschaft  http://ism.de/ism/Wissen/Lexikon/v/Volkseinkommen.html

http://www.finanzlexikon.de/volkseinkommen_1384.html

Weitere Quellen:

Dr. Veit Köppen, Otto von Gueicke Universität Magdeburg, Makroökonomie: Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung(VGR)