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Markt (Wirtschaftswissenschaften) - Market (Economics)


Begriffserklärung

Abb. 1: Traditioneller MarktDer Begriff des Marktes in der Volkswirtschaft bezeichnet einen Ort, an dem Waren auf regelmäßiger Basis gehandelt bzw. getauscht werden, oder anders formuliert den Ort, an dem sich die Marktteilnehmer der Angebotsseite und die der Nachfrageseite treffen, um neben materiellen Gütern wie Waren auch immaterielle Güter wie Rechte oder Dienstleistungen zusammenführen.

Auf den ersten Blick noch vergleichbar mit einem traditionellen Markt, auf dem sich Produzenten und Konsumenten treffen, um Güter gegen Geld oder andere Güter zu tauschen, ist in der Volkswirtschaft der Markt ein Modell, an dem bestimmte volkswirtschaftliche Zusammenhänge erkannt, analysiert und gedeutet werden können.

Aufgrund der großen Vielfalt der getauschten Waren ist es oft ungenau, von „dem“ Markt zu sprechen, vielmehr werden Märkte oft sachlich in z.B. den Gütermarkt und den Geldmarkt als auch in den Energiemarkt oder den Mobiltelefonmarkt unterschieden – auch hier bietet sich zur besseren Vorstellung der Vergleich zum traditionellen Viehmarkt bzw. Fischmarkt an.

Markttypen

Auf Märkten finden jedoch diverse Vorgänge statt und es finden sich viele unterschiedliche Konstellationen, die sich jedoch in Unterkategorien unterscheiden lassen:

Preisbildung

Auf der einen Seite lässt sich der vollkommene Markt  von dem unvollkommenen Markt unterscheiden. Der vollkommene Markt ist ein Idealtypus, bei dem als Grundvorraussetzung bei allen Teilnehmern ökonomisches Handeln nach dem Homo Oeconomicus-Prinzip erwartet wird.[1] Er zeichnet sich dadurch aus, dass die Waren auf diesem Markt homogen, also absolut gleich sind. Weiterhin gibt es auf diesem Markt keinerlei Präferenzen der Teilnehmer (weder zeitlich, noch räumlich, sachlich oder persönlich). Außerdem wird von einer vollkommenen Markttransparenz ausgegangen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass davon ausgegangen wird, dass kein Informationslag herrscht und alle Teilnehmer sofort auf Änderungen reagieren.

In der Realität gibt es keinen Markt der dem vollkommenen Markt entspricht. Am ehesten weist der Devisen bzw. Aktienmarkt die Charakteristika eines vollkommenen Marktes auf, da hier die Homogenität groß und der Informationslag sehr gering (wenn auch vorhanden) ist.

Bei einem Markt wie dem Immobilienmarkt, der eine sehr geringe Homogenität und starken Einfluss von Präferenzen aufweist handelt es sich um einen sehr unvollkommenen Markt – dieser Typus bildet das in der Realität vorherrschende Gegenteil zum vollkommenen Markt.

Marktzutrittsmöglichkeiten

Ist es für neue Teilnehmer ohne Schwierigkeiten möglich, auf den Markt zu treten spricht man von einem offenen Markt. Hierbei gibt es keine Beschränkungen oder Marktbarrieren, weswegen jeder Teilnehmer ständig dem aktuellen Wettbewerb durch neu eintretende Teilnehmer ausgesetzt ist.

Das Gegenteil hiervon ist der geschlossene Markt, bei dem durch verschiedene Markteintrittsbarrieren der Markteintritt unmöglich ist. Dies Markteintrittsbarrieren können Patente, aber auch staatliche Kontrollen sein, z. B. bei Sportwetten. In der Realität findet man oft beschränkte Märkte, bei denen durch Markteintrittsbarrieren der Zugang signifikant erschwert aber dennoch möglich, wenngleich vielleicht auch uninteressant wird. Diesen Fall beobachtet man oft in Asien, wo Regierungen die heimischen Märkte protektionistisch durch Auflagen für westliche Firmen beschränken.

Staatliche Einflussnahme

Greift der Staat in die Mechanismen des Marktes ein, sei es in regulierender oder restriktierender Funktion, sprich man von einem regulierten Markt. Ihm gegenüber steht der freie Markt, auf den der Staat keinerlei Einfluss nimmt. Der Gedanke des freien Marktes wurde von Adam Smith geprägt und entspringt so der klassischen Ökonomie. In der Realität gibt es kaum gänzlich freie Märkte, da der Staat sich häufig vorbehält in bestimmten Fällen in die Marktmechanismen einzugreifen, z. B. um die Monopolbildung zu verhindern. Zur staatlichen Einflussnahme gehört auch die Preisbildung beim Zeitschriftenmarkt oder Subventionen bei anderen Märkten.

Vergleicht man diesen Punkt mit dem o. g. Punkt der freien und beschränkten Märkte fällt auf, dass Märkte mit staatlicher Einflussnahme oft gleichzeitig beschränkte oder auch geschlossene Märkte sind.

Marktobjekt

Eine weitere, logische  Unterteilung ist die nach dem gehandelten Objekt bzw. der gehandelten Dienstleistung. So lässt sich der Gütermarkt klar vom Faktormarkt abgrenzen, da auf dem einen konkrete und meist bewegliche Waren gehandelt werden während auf dem anderen nicht greifbare Faktoren wie Dienstleistungen, Kapital oder auch Grundstücke gehandelt werden. Auch hier lässt sich die Art des Gutes noch weiter differenzieren, so z. B. in den Nahrungsmittelmarkt oder sogar noch präziser in den Getreidemarkt oder den Fischmarkt.

Räumliche Gesichtspunkte

Weiterhin existieren Märkte mit sehr unterschiedlichen räumlichen Ausprägungen, wie z. B. der Binnenmarkt, der europäischen Markt oder aber auch der Weltmarkt. Somit werden Märkte in lokale, nationale, internationale sowie den Weltmarkt unterschieden.

Organisation

Eine weitere Unterteilung findet sich im Wertpapierhandelsgesetz, §2 Abs. 5:

"Organisierter Markt im Sinne dieses Gesetzes ist ein im Inland, in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum betriebenes oder verwaltetes, durch staatliche Stellen genehmigtes, geregeltes und überwachtes multilaterales System, das die Interessen einer Vielzahl von Personen am Kauf und Verkauf von dort zum Handel zugelassenen Finanzinstrumenten innerhalb des Systems und nach festgelegten Bestimmungen in einer Weise zusammenbringt oder das Zusammenbringen fördert, die zu einem Vertrag über den Kauf dieser Finanzinstrumente führt."

Der o g. organisierte Markt beschreibt vor Allem die Börse wobei es auch innerhalb der Börse unorganisierte Teilmärkte gibt.


 Marktformenschema

Abb. 2: Marktformenschema

 Eine weitere Aufteilungsmöglichkeit für Märkte ergibt sich aus der Betrachtung der Verteilung der Anbieter und Nachfrager. Hierbei unterteilt man in Monopole, wenn nur ein Anbieter bzw. Nachfrager am Markt vorhanden ist, Oligopole bei Wenigen und Polypole, wenn auf sowohl viele Nachfrager als auch viele Anbieter vorhanden sind.

Funktionen des Marktes

Der Markt als Treffpunkt von Anbietern und Nachfragern erfüllt für diese verschiedene Funktionen. So bietet er zum Beispiel die Preisbildungsfunktion, da auf dem Markt Preise verhandelt und somit festgelegt werden. Ein weiterer Punkt ist die Markträumungsfunktion.

Unter einem geräumten Markt versteht man die Situation, bei der das Marktgleichgewicht erreicht wird und die Nachfragemenge gleich der Angebotsmenge ist. Der Preis, bei dem dies der Fall ist nennt man den Gleichgewichtspreis, welcher grafisch dargestellt wie folgt aussieht:

In der Grafik wird deutlich, dass der Gleichgewichtspunkt der Schnittpunkt der Angebots- und der Nachfragekurve ist.

Durch die Allokationsfunktion des Marktes ordnet er Produktionsfaktoren zu und ermöglicht den Produzenten, ihre Nachfrage nach Materialien zu erfüllen.  Durch kurzfristig entstehende Monopolstellungen auf dem Markt fördert der Markt die Entwicklung neuer Produkte und Methoden der Mittbewerber und hat somit auch eine starke Innovationsfunktion. Der in der Vorlesung „Makroökonomie“ besprochenen Begriffe der Produzentenrente und Konsumentenrente bilden eine weitere Funktion des Marktes, die Rentenbildungsfunktion. Die letzte hier dargestellte Funktion ist die Effizienzverbesserungsfunktion  nach der Effizienzmarkthypothese von Fama[2], die besagt, dass Finanzmärkte aufgrund der verarbeiteten Informationen von sich aus so effizient funktionieren, dass kein Teilnehmer in der Lage ist den Markt zu „schlagen“, also überdurchschnittliche Gewinne zu erwirtschaften.

Marktsättigung

Ist in einem Markt das maximale Potential ausgeschöft, spricht man von einem gesättigten Markt. Dies bedeutet, dass es Teilnehmern nicht mehr möglich ist, aus dem noch ungenutzen Potential den eigenen Umsatz und Marktanteil zu generieren, sondern sie müssen anderen Teilnehmern Marktanteil abnehmen um ihren eigenen zu steigern.



Verweise

[1]Stephan Franz: Grundlagen des ökonomischen Ansatzes: Das Erklärungskonzept des Homo Oeconomicus. In: Universität Potsdam (Hrsg.): International economics working paper 2004.

[2]Fama, E.F.: „Efficient Capital Markets, A Review of Theory and Empirical Work”. in: Journal of Finance, Vol. 25, S. 383–417. 1970.

 

Literatur:

Braun-Thürmann: Innovation - Eine Einführung. Transcript-TB, Bielefeld 2005.

 Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 4. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2009. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2009.

Hal R. Varian: Grundzüge der Mikroökonomie. Oldenbourg Verlag, München 2003.

 Murray N. Rothbard, "Free Market." The Concise Encyclopedia of Economics. 1993. Library of Economics and Liberty. 14 May 2011.

 Wertpapierhandelsgesetz, abgerufen unter http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/wphg/gesamt.pdf am 21.05.2011