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Folksonomies

Definition:

Der Begriff Folksonomies ist eine Wortkombination aus den Wörtern folk (engl. Leute, Volk) und taxonomy (engl. Klassifizierungslehre) und wurde im Jahre 2004 von Thomas Vander Wal geprägt. Auch die Begriffe Gemeinschaftliches Indexieren (de.) und Social Tagging/ Collaborative Tagging (engl.) beschreiben das Phänomen Folksonomies.

Thomas Vander Wal gibt eine eigene Definition seines Kunstwortes:

Folksonomy is the result of personal free tagging of information and objects (anything with a URL) for one's own retrieval. The tagging is done in a social environment (usually shared and open to others). Folksonomy is created from the act of tagging by the person consuming the information.[…]” (WANDER VAL 2007)

Bei Folksonomies handelt es sich um eine Form der Organisation von Schlagwörtern im Web 2.0, die durch das Free- Tagging von Usern eines Systems selbst geschaffen wird. Die User wählen beliebig Schlagworte aus, die sie zu Tags machen und von denen sie glauben, dass sie den Begriff am besten umschreiben. Durch das Tagging werden die einzelnen Beiträge miteinander verknüpft und ermöglichen es die Tags leichter zu finden.

Durch die Vernetzung verschiedener Beiträge mit Benutzern und Objekten, entsteht ein soziales Netzwerk, das den Usern ermöglicht, gemeinsame Interessen zu entdecken oder an weiterführende Informationen zu gelangen. Die daraus entstehenden Informationen über die Objekte werden auch Meta-Informationen genannt.

Folksonomies

 Abbildung 1 Grafische Darstellung der Vernetzung aus Tags, Benutzern und Objekten (http://andybeaumont.com/images/4.png) 

 

 

Am häufigsten werden Folksonomies durch Wortwolken, (engl. tag cloud), visualisiert. Eine Tag-cloud besteht meistens aus einer alphabetischen Anordnung der am häufigsten vorkommenden Tags aller Benutzer oder aller Tags eines Benutzers. Die einzelnen Tags haben unterschiedliche Schriftgrößen. Häufig vorkommende Tags sind demnach größer visualisiert als weniger häufig vorkommende Tags.


Beispiel einer tag cloud

Abbildung 2 Beispiel einer tag cloud (http://www.andybudd.com/presentations/dcontruct05/images/meme3.jpg) 

 

Anwendungsbereiche:

Folksonomy ist ein Konzept, dass im Web 2.0 heute undenkbar wäre. Google benutzt Tags zum Beispiel um verwandte Begriffe für die Suchanfrage anzuzeigen und die User auf Begriffe, die im Kontext auch oft eingegeben werden, aufmerksam zu machen. Wenn man beispielsweise BWL als Suchbegriff eingibt, werden Tags mit BWL lernen, BWL Studium, BWL Ranking, BWL Skript, usw. angezeigt. Intenetseiten, die hauptsächlich Folksonomies anwenden sind zum Beispiel del.icio.us (delicious.com) und flickr.com. Die Seiten sind Bookmark- Systeme, die den Usern ermöglichen Bookmarks oder Bilder abzuspeichern und durch das Tagging von Schlagwörtern mit anderen zu teilen.

Des Weiteren gibt es unter Anderem die Internetseite citeulike.org, die wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht und der Allgemeinheit anbietet oder technorati.com, eine Echtzeit- Suchmaschine, die Weblogs durchsucht.


Vorteile:

  • Gemeinsame Erschließung von Informationen
  • Durch eine Folksonomy wird der User eher angeregt durch die Objekte zu stöbern, als seine Suche in einer Suchmaschine einzugeben („Finding statt Browsing“), (ALBRECHT 2006, S.32)
  • Zufälle sind bei Folksonomies ganz wichtig, denn durch die nicht hierarchische Anordnung der tags gelangt der User per Zufall an das nächste Objekt, an das er per Suchmaschine vielleicht gar nicht gekommen wäre (ALBRECHT 2006, S.32)
  • Durch Folksonomies entstehen Communities, da User mit ähnlichen Präferenzen, ähnliche Schlagwörter benutzen und eingeben, können somit Interessensgruppen in Verbindung gebracht werden
  • Einfache Handhabung beim Erstellen von Tags, somit kann jeder kann seinen Beitrag zum Verschlagworten beitragen
  • Das Anzeigen von „Verwandten“ Begriffen, erweitert die Menge der Tag- Ergebnisse

 

Nachteile:

  • Durch die individuelle, unkontrollierte Wahl der Tags entstehen meist mehrere Schlagworte, die das gleiche bedeuten, wie zum Beispiel Wörter im Singular und Plural (Community und Communities) oder Tags für das gleiche Wort in verschiedenen Sprachen (Community, Communities, Gemeinschaft, Gemeinschaften)
  • Es gibt keine Kontrolle bei der Verwendung von Synonymen. Dies führt dazu das oft verschiedene Wörter für den selben Begriff verwendet werden
  • Folksonomies erlauben meist nicht das Tagging von zusammenhängenden Begriffen, diese müssen durch Trennzeichen (Unterstrich, Bindestrich, etc.) oder durch Zusammenschreibung markiert werden
  • Folksonomies haben keine hierarchischen Strukturen und wirken auf Kritiker meist „chaotisch“ (SCIENTIFICCOMMONS 2008)

 

Betriebswirtschaftliche Bedeutung von Folksonomies:

Web 2.0 Entwicklungen, wie zum Beispiel die Tag Clouds, können in Unternehmen zur strategischen Verbesserung von internen und externen Prozessen genutzt werden. Ein Praxisbeispiel wäre zum Beispiel, das Software Unternehmen Epicor Software Deutschland GmbH, das Softwarelösungen für Unternehmen anbietet. In Ihrem Produktblatt, werben sie mit der Implementierung von Anwendungen, die im Web 2.0 täglich genutzt werden, aber für Unternehmensprozesse geeignet wären (EPICOR, S.1). Unter Anderem auch das Implementieren von tag clouds, um die Suche von Unternehmensinformation, durch „Verbesserung der Relevanz von Suchergebnissen“ zu erleichtern. „Die von Google inspirierte Linkstruktur verbessert die Relevanz der Suchergebnisse und ermöglicht eine organische Inhaltskategorisierung über Tags.“ (EPICOR, S.4)

Natürlich kann die Einführung des Folksonomy- Konzepts auch auf den Homepages von Unternehmen angewendet werden, um eine benutzerfreundlichere Gestaltung für die Besucher zu ermöglichen. Zudem kann durch das Anzeigen von verwandten und ähnlichen Begriffen, die Anzahl der Suchergebnisse vervielfacht werden.

So könnte ein E- Commerce Unternehmen wie z.B. Zalando, alle relevanten Suchbegriffe zum Thema „Accessoires“ in einem Tag Cloud visualisieren und mit häufig gesuchten Schlagwörtern wie, Sonnenbrillen, Schmuck oder Schals verbildlichen und die Suche für den Besucher interessanter gestalten. Zudem könnte das Unternehmen dadurch Zusatzverkäufe generieren. Wenn es einem Kunden, der sich nur nach Schmuck umschaut, in der Tag Cloud noch zusätzlich das Schlagwort Taschen anzeigt, könnte der Kunde auch diesen Tag anklicken und eine passende Tasche zum Schmuck finden und kaufen. Auf diese Weise könnte das Unternehmen durch die Tag Cloud zusätzlich Bedürfnisse wecken und dem Kunden weitere Kombinationsmöglichkeiten bieten.

 

Quellen und weiterführende Links:

Albrecht, C. (2006): Folksonomy, http://www.cheesy.at/download/Folksonomy.pdf, zugegriffen am 25.05.2011

Back, A./ Gronau, N./ Tochtermann,K. (2009): Web 2.0 in der Unternehmenspraxis, Grundlagen, Fallstudien und Trends zum Einsatz von Social Software, 2.Auflage, München

Computerwoche (2007): Folksonomy, http://wiki.computerwoche.de/doku.php/web_2.0/folksonomy, zugegriffen am 26.05.2011 

Duden: Definition Folksonomy, http://szenesprachenwiki.de/definition/folksonomie/, zugegriffen am 25.05.2011

 

IT-Matchmaker/ Epicor: Produktblatt, Web 2.0 in Ihrem Unternehmen: Social Computing Technologien im Dienste von ERP­Anwendungen, http://www.it-matchmaker.com/park_as/pdfs/epicor_3.pdf, zugegriffen am 26.05.2011

 

ScientificCommons (2008): Folksonomy und Tags oder warum es im Web keine Regale gibt, http://en.scientificcommons.org/36388435, zugegriffen am 25.05.2011

 

Vander Wal, T. (2007): Folksonomy, http://www.vanderwal.net/folksonomy.html, zugegriffen am 26.05.2011

http://www.delicious.com/

http://www.flickr.com/

http://www.citeulike.org/

http://technorati.com/