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Zins (de.) – Interest (engl.)

Allgemeine Definition

Als Zins bezeichnet man den Preis, den man für eine zeitlich befristete oder unbegrenzte Überlassung von Kapital (meist Geld) bezahlen muss. Es gibt hierbei immer einen Schuldner und einen Gläubiger. Die Höhe der Zinsen wird in der Regel durch Angebot und Nachfrage geregelt, wobei die Zinshöhe zusätzlich noch von geldpolitischen Maßnahmen abhängig ist. (GABLER: 1996. S.1354) 

Man unterscheidet hierbei zwischen Nominal- und Effektivzins. Der Nominalzins benennt einen einfachen Prozentsatz, welcher Zinssatz genannt wird und für eine bestimmte Zeitperiode anfällt. So würde also der Nominalzins bei einem Betrag von 100 Euro und einem Zinssatz von 10% jährlich (p.A.) 10 Euro betragen. Dem gegenüber steht der Effektivzins, welcher zusätzlich berücksichtigt, dass die Zinsen monatlich gezahlt werden und somit jährlich nicht genau 10% herauskommen würden. Zusätzlich sind sogenannte Darlehensnebenkosten inbegriffen.

Zudem unterscheidet man zwischen Soll- und Habenzinsen. Von Seiten der Bank spricht man von Sollzinsen, wenn Kredite ausgegeben werden und von Habenzinsen wenn Gelder selbst angenommen werden. Die Differenz dieser beiden Zinsarten nennt man Zinsspanne. Da die Kreditgewährung eine der wichtigsten Aufgaben einer Bank ist, zählt die Zinsspanne auch zu einer der wichtigsten Gewinnquellen der Banken. (http://www.wirtschaftslexikon24.net) 

Die Zinsstrukturkurve

 

Im Gegensatz zur allgemeinen Höhe des Zinssatzes, beschreibt die Zinsstrukturkurve die Höhe des Zinssatzes in Verbindung mit der Laufzeit der Leihe. Sie gilt immer nur für den heutigen Zeitpunkt und richtet sich nach dem Leitzinssatz. Grob betrachtet unterscheidet man zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinssätzen, wobei die kurzfristigen meist niedriger sind als die langfristigen. Dies resultiert daraus, dass ein Anleger oder Gläubiger, der für einen längeren Zeitraum auf sein Geld verzichtet, dafür höhere Zinseinnahmen erzielen möchte. Der Grund für diese Beobachtung liegt auch daran, dass der Verleiher (ob Bank oder Privatmann) ein höheres Risiko trägt, je länger er sein Kapital bindet. Die größten Risiken sind eine mögliche Inflation oder aber das Risiko, dass sich die wirtschaftliche Situation des Gläubigers richtig einzuschätzen bzw. eine mögliche nicht abzusehende Veränderung. (http://www.wirtschaftslexikon24.net)

Zinsstrukturkurve (normal)

Diese Grundlagen führen dazu, dass die so genannte normale (steigende) Zinskurve, wie in der Abbildung zu sehen ist, meistens zutrifft. Andere Möglichkeiten sind die flache (horizontale) Zinskurve, wo der Zinssatz immer gleich bleibt und die inverse (fallende) Zinsstrukturkurve, welche nur dann gewählt wird, wenn man mit stark fallenden Zinsen rechnet.

Geldmarkt und Kapitalmarkt

Man unterscheidet zudem zwischen Geldmarkt- bzw. Kapitalmarktzins. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Märkten, welche beide zum Finanzmarkt gehören, ist die zeitliche Komponente.

Der Geldmarkt beinhaltet kurzfristige Kredite sowie kurzfristige Geldmarktpapiere (z.B. kurzfristige Schuldtitel). Die Zinssätze werden hier wie bereits beschrieben durch Angebot und Nachfrage geregelt, wobei die Refinanzierungssätze (=Leitzinssätze) der Zentralbank diese zusätzlich beeinflussen.

Der Kapitalmarkt wird hingegen durch langfristige Kredite und Beteiligungen geprägt. Auch hier richten sich die Zinssätze nach Angebot und Nachfrage an diesem Markt. Zusätzlich sind sie von der Geldmarktsituation abhängig, welche nicht unwesentlich die Geldpolitik der Zentralbank beeinflusst wird (siehe auch unter Zinspolitik). (http://www.wirtschaftslexikon24.net)

Will man also die Geldmarktzinsen auf den Kapitalmarkt übertragen, spielen Erwartungen und Zukunftsprognosen eine wichtige Rolle. Je stärker es beispielsweise zu einer Zinssteigerung im kurzfristigen Anlagebereich kommt, umso eher ist auch mit einer Steigerung am Kapitalmarkt zu rechnen.  

Die Geldpolitik

Die Aufgabe der Geldpolitik ist es, „eine optimale Geldversorgung der Wirtschaft zu gewährleisten.“ (BAßELER 2010, S. 551) Die Geldversorgung wird von der Zentralbank (im Eurosystem übernimmt die Europäische Zentralbank (EZB) diese Rolle) durchgeführt.

Das Hauptziel der Geldpolitik ist der Erhalt der Geldwertstabilität. Aus monetaristischer Sicht ist dies zugleich das einzige Ziel, da andere Ziele durch das Streben nach Vollbeschäftigung nicht nötig seien. Zudem seien andere Ziele nicht möglich, da eine Änderung der Geldmenge („gesamter Bestand an Geld, der sich in den Händen der Nichtbanken befindet, also bei Unternehmen, bei staatlichen Stellen, in privaten Haushalten“( http://www.macroanalyst.de/afc-kasten-geldmenge.htm) lediglich zu einer Änderung des Preisniveaus führen würde.

Eine andere Meinung diesbezüglich nennt man die keynesianische Sicht. Sie bezieht sich auf John Keynes „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ aus dem Jahre 1936, welche zu dieser Zeit Theorien des klassischen Grundmodells ablöste. Aus dieser Sichtweise beinhaltet die Geldpolitik eine zusätzliche Funktion: „die antizyklische Fiskalpolitik in Rezessionsphasen durch eine Niedrigzinspolitik und in Boomphasen durch eine Hochzinspolitik zu unterstützen.“ (BAßELER 2010, S. 551f)  (siehe auch Zinspolitik) 

Die Zinspolitik

Alle Maßnahmen, die die Zentralbank durchführt um das allgemeine Zinsniveau zu beeinflussen, bezeichnet man als Zinspolitik, die wie bereits erwähnt zur Geldpolitik gehört. Das Ziel ist es über eine Veränderung der Zinssätze für die Geschäftsbanken die Nachfrage nach Krediten im Allgemeinen (ob positiv oder negativ) zu beeinflussen.

 Zwie wichtige Größen waren vor der Einführung des Euros der Diskontsatz und der Lombardsatz.

Der Diskontsatz war der Zinssatz, der Banken berechnet wurde, wenn ihnen die EZB Wechsel abgekauft hat. Ebenso diente  dieser Zinssatz als Grundlage wenn die Banken selbst Wechsel ankaufen wollten. Als Lombardsatz bezeichnete man den Zinssatz, der für die Gewährung von Lombardkrediten (Kredite an private Haushalte) berechnet wurde. Dieser lag meist etwa 1 bis 2 Prozent über dem Diskontsatz. (ISSING 1992, S.66ff)   

 Durch die Einführung des Europäischen Systems der Zentralbanken („setzt sich zusammen aus der Europäischen Zentralbank (EZB) und allen 27 nationalen Zentralbanken (NZBen) der Mitgliedstaaten der EU.“) (BAßELER 2010, S. 552f) trifft die Diskontpolitik in diesem Sinne nicht mehr zu. Mittlerweile gibt es nur noch einen Basiszinssatz der EZB, der für den ganzen Euroraum gilt. Auch spielt der Basiszinssatz für die EZB keine geldpolitische Rolle. Dies wird in erster Linie von den nationalen Zentralbanken durchgeführt. (BAßELER 2010, S. 552f)

 Basiszins der EZB  

An der Abbildung kann man erkennen wie stark der Basiszinssatz schwankt.

Dies bedeutet, dass der Staat durch die aktive Gestaltung der Zinsen versucht, konjunkturelle Schwankungen auszugleichen und so für ein stabiles wirtschaftliches Wachstum zu generieren.

Eine Erhöhung der Zinsen durch die Zentralbank, „um im konjunkturellen Hoch Preissteigerungen zu verringern“ (http://www.bpb.de), führt in der Regel dazu, dass die Geschäftsbanken diese Erhöhung an ihre Kunden weitergibt. Dies bringt meist einen Abfall der Nachfrage nach Krediten mit sich, da somit geringere Gewinnaussichten für Unternehmen gegeben sind. Durch die daraus resultierende verringerte Geldnachfrage führt dazu, dass sich das Preisniveau wieder stabilisiert. Ein ähnliches Szenario lässt sich bei der Konsumgüternachfrage der privaten Haushalte beobachten. Eine gegenteilige Wirkung kann dementsprechend durch sinkende Zinsen erreicht werden.

„Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert vor allem über die Zinssätze für ihre Hauptrefinanzierungsgeschäfte und für ihre längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte das Zinsniveau im Euroraum.“ (http://www.bpb.de) 

Dennoch sind die Möglichkeiten der Zinspolitik nicht unbegrenzt. Im Bereich der expansiven Zinspolitik (Zinspolitik versucht einer Rezession entgegen zu wirken) wird deutlich, dass die Zentralbank zwar eine verbilligte Refinanzierung für die Kreditinstitute anbieten kann, diese allerdings nicht zu einer Kreditabnahme zwingen kann. Außerdem hängt der Erfolg des expansiven Eingreifens auf die Wirtschaft nicht nur davon ab, inwiefern sich die eine Senkung des Leitzinses auf die einzelnen Marktsätze (Geldmarktsatz, Kapitalmarktsatz etc.) auswirkt, sondern auch davon, dass die Wirtschaft auf diesen Impuls reagiert. Auf der anderen Seite kann eine Erhöhung der Refinanzierungssätze nur dann Erfolg haben, wenn die Banken ihrerseits von dieser Art von Kreditquelle abhängig sind. Verfügen diese über ausreichende Liquidität oder andere Quellen, so kann es passieren, dass sich die Geldmarktsätze niedriger als die Notenbanksätze ansiedeln.  

Zu Krediten käme es erst dann nicht mehr in der Wirtschaft, wenn der anfallende Zinssatz höher wäre als der Ertrag, den ein Schuldner von dem Einsatz des geliehenen Geldes erwarten kann.

 

Quellen:

ISSING, PROF. DR. OTMAR (1992): Einführung in die Geldpolitik. 4. Auflage, Verlag Franz Fahlen, München

GABLER-Volkswirtschafts-Lexikon, (1996): Band 3, Originalausgabe, Wiesbaden

BAßELER, ULRICH; HEINRICH, JÜRGEN; UTECHT, BURKHARD (2010): Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft. 19., überarbeitete Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart

MANKIW, N. GREGORY (2004): Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 3., überarbeitete Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 

http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=4AD1WO

http://www.macroanalyst.de/afc-kasten-geldmenge.htm

http://www.wirtschaftslexikon24.net/e/zinsbildung-am-kapitalmarkt/zinsbildung-am-kapitalmarkt.htm

http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/zins/zins.htm

http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/zinsen/zinsen.htm

http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/zinssatz/zinssatz.htm

http://www.baufinanzierung-tipps.hypopool.de/Unterschied-Nominalzins-Effektivzins.htm

(alle Stand 17.05.11)