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Kapital

Gliederung

  1. Begriff Kapital
  2. Einordnung in Betriebs- und Volkswirtschaft
  3. Produktionsfaktor Kapital 
  4. Kapitalbildung 
  5. Kapitalmarkt
  6. Kapitalzins 

 

1. Begriff Kapital

Das Wort Kapital stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt Hauptsumme.

Sach- und Geldkapital umfassen jegliche Sach- und Geldmittel, die zu einer gewinnbringenden Produktion verwendet werden. Des Weiteren stellt Kapital den gesamten Vermögenswert eines Unternehmens dar.[1]

Kapital ist sinngemäß nicht mit dem Begriff Geld gleichzusetzen. Der Unterschied zwischen Kapital und Geld besteht darin, dass Kapital erst durch die Investition von Geld entsteht, welche Zinsen erbringt. Geld hingegen ist zinslos.

Der Kapitalismus kennzeichnet eine Regelung der Wirtschaft, in welcher der Faktor Kapital gegenüber den Faktoren Arbeit und Boden einen überdurchschnittlichen [überproportionale] Stellenwert einnimmt.[2]

 

2. Einordnung in Betriebs- und Volkswirtschaft

Um die Bedeutung des Begriffs Kapital im volkswirtschaftlichen Zusammenhang zu verstehen, ist es erforderlich den Begriff zunächst in die Betriebswirtschaftslehre einzuordnen.

In der Betriebswirtschaft wird die Herkunft des Kapitals und dessen Verwendung in der Bilanz dargestellt, die sich in Aktiv- und Passivseite spaltet. Durch die Teilung in Aktiva und Passiva kommt es zu einer Gegenüberstellung von Kapital und Vermögen. Kapital wird hierbei in Fremd- und Eigenkapital gegliedert: Eigenkapital impliziert den Vermögensteil abzüglich Schulden, während Fremdkapital bestehende Forderungen (Schulden) beinhaltet und aus der Differenz zwischen Eigenkapital und Vermögen entsteht. Je nach Investitionsart wird eine Einteilung zwischen Anlage- und Umlaufvermögen gemacht. Anlagevermögen bezeichnet Wirtschaftsgüter, die dauerhaft im Unternehmen verbleiben, wohingegen Umlaufvermögen Teile des Vermögens umfasst, die nur kurzfristig dem Geschäftsbetrieb dienen.

 Humankapital bezeichnet Fachwissen, Kenntnisse und Fähigkeiten, die durch die Investition in Bildung (Aus- und Weiterbildung) erlangt wurden und für die Ausübung wirtschaftlicher Tätigkeiten erforderlich sind.

In der Volkswirtschaft stellt Kapital den dritten Produktionsfaktor, neben den primären Produktionsfaktoren Boden und Arbeit, dar. Kapital ist ein derivater Produktionsfaktor.[3] Dies bedeutet, dass Kapital aus der Verbindung von Arbeit und Boden hervorgeht. Dem gegenüber stehen die dispositiven Produktionsfaktoren: Boden und Arbeit, die bereits ursprünglich vorhanden sind.

 

3. Produktionsfaktor Kapital

Im weiteren Sinne beinhaltet Kapital sämtliche produzierten Güter, die bisher nicht an Haushalte abgesetzt worden sind, wie beispielsweise Lagerbestände. Im engeren Sinne versteht man unter Kapital alle bei der Herstellung von Gütern beteiligten Produktionsmittel, sowohl materiell als auch immateriell. Zu materiellen Produktionsmitteln zählen zum Beispiel Maschinen und Werkzeuge, dagegen werden Datensysteme und Softwareprogramme als immaterielle Produktionsfaktoren angesehen.

Die Nutzung von Kapital ermöglicht, „bei gegebenem Arbeitseinsatz mehr produzieren[4] zu können, sodass die Produktivität der Arbeit gesteigert wird. Beispielsweise kann ein Bäcker mithilfe eines Teigrührgeräts und eines Backofens mehr Kuchen herstellen, als ohne Verwendung dieser Kapitalgüter. Daraus lässt sich schließen, dass Kapitalgüter zum einen als Input und zum anderen als Output fungieren.

Hierbei ist zu beachten, dass die Produktion von Kapitalgütern von Ressourcen abhängig ist und Kapitalgüter ihrer Lebensdauer entsprechend verschleißen.[5] Demnach können sie drei Kategorien zugewiesen werden: „Gebäude (wie Fabriken und Wohnhäuser), maschinelle Ausstattung (darunter sind dauerhafte Konsumgüter wie Autos und dauerhafte Produktionsgüter wie Maschinen und Computer zu verstehen) sowie Lagerbestände an Input- und Outputgütern (beispielsweise jene Autos, die ein Autohändler auf Lager hat).“[6]

 

4. Kapitalbildung

Sparen. Finanzieren. Geldanlage[7] So lautet das aktuelle Slogan der Aachener Bausparkasse.

Sparen kennzeichnet sich durch den Verzicht auf derzeitigen Konsum, folglich werden Teile des Einkommens nicht ausgegeben. Beim Sparen wird Kapital gebildet, das zur Entstehung von Vermögen beiträgt.

In der Volkswirtschaft stellen Haushalte, „die zum Erwerb von Kapital erforderlichen Gelder oder Finanzmittel […]zur Verfügung, wenn diese bereit sind, auf sofortigen Konsum zu verzichten, um dafür in Zukunft mehr zu konsumieren.“[8] Die Größe der Ersparnisse hängt von der jeweiligen Einkommenshöhe ab, so dass Haushalte mit zunehmendem Einkommen mehr sparen können als Geringverdiener.

Banken leiten die Ersparnisse zum Wirtschaftskreislauf zurück, um Unternehmen Kredite zur Tätigung von Investitionen einzuräumen. Diese wiederum nutzen die Geldanlage zur Erweiterung der betrieblichen Ausstattung, sodass die Produktion qualitativ als auch quantitativ optimiert werden kann. [9]

Einerseits verursachen Investitionen von Unternehmen immense Kosten, andererseits tragen sie zur Entstehung von Kapital bei, da Investitionen die gesamte Nachfrage beeinflussen und kurzzeitig die Produktionsleistung bestimmen.

Langfristig gesehen steuern Investitionen die Produktionssteigerung, weil sich die Bildung von Kapital auf die Produktionswege als auf das gesamte Angebot auswirkt.[10]

 

5. Kapitalmarkt

Die Finanzmärkte umschließen den Kapital- bzw. Kreditmarkt als auch den Geldmarkt. Auf dem Geldmarkt bieten Banken Geld in Form von Krediten und Darlehen für eine kurzfristige Finanzierung an[11], wogegen der Kapitalmarkt einen Markt für Wertpapiere von mittel- oder langfristiger Dauer darstellt. Dieser umfasst den Rentenmarkt, zur Aufnahme von langwierigen Krediten und den Aktienmarkt, der Betrieben und staatlichen Einrichtungen zu Finanzierungszwecken dient.[12]

Voraussetzung für die Finanzierung von Investitionen ist, dass Haushalte als Anbieter von Kapital darauf verzichten einen Teil ihres Einkommens für Konsumzwecke zu verwenden. Stattdessen zu sparen und die Ersparnisse über einen Zeitraum von längerer Dauer anzulegen.

Haushalte bieten auf dem Kapitalmarkt ihr gespartes Einkommen in Form von Krediten an. Diese Kredite nutzen Unternehmen, um Investitionen tätigen zu können. Die Kapitalgeber (Haushalte) vereinbaren mit den Kapitalnehmern (Unternehmen) die Höhe der Rückzahlung für das zu Finanzierungszwecken zur Verfügung gestellte Kapital.[13] Folglich wird die Sparquote der Kapitalgeber durch die Höhe der jeweiligen Sparzinsen beeinflusst.

Wenn die Ersparnisse der Kapitalgeber den angestrebten Investitionen von Kapitalnehmern entsprechen, kommt es zum einem Marktgleichgewicht.

Der Kapitalmarkt gilt als Kreditmarkt, wenn „es in der Produktionstheorie um konkretes Sachkapital (=Maschinen u. Gebäude) geht […] und der Finanzierungsaspekt des Sachkapitals im Vordergrund steht.“[14]

 

6. Kapitalzins

Kapital wird in der Marktwirtschaft als Eigentum einer einzelnen Person betrachtet, die frei über das Kapital verfügt und je nach Einsatz vom jeweiligen Marktwert profitieren kann.[15] Die Vermietung von Kapitalgütern (auch Geld) durch den Eigentümer, fordert als Gegenleistung die „Zahlung für [die] zeitlich begrenzte Nutzung[16] und wird als Kapitalzins bezeichnet. Dieser gibt den Ertrag einer Anlage über einen bestimmten Zeitraum an. Zur Veranschaulichung dient folgendes Beispiel:

Es soll ein Betrag von 1.000€ mit einem Zinssatz von 2,5% über den Zeitraum von einem Jahr angelegt, das heißt am Kapitalmarkt für Investitionen zur Verfügung gestellt werden.

Bei Anlage von K0 = 1.000€ zum Zinssatz (i) von 2,5 % erhält man nach einem Jahr (K1):

 

K1 = 1.000 * (1+0,025) = 1.025

 

Der Zinsgewinn, aus Sicht des Kapitalgebers, bzw. die Nutzungsgebühr, aus Sicht des Kapitalnehmers, entspricht im Beispiel der Differenz zwischen K0 und K1 und beträgt 25€.

 

 

Literaturverzeichnis:

Duden Fremdwörterbuch. (1999). 6. Auflage.

DEMMLER, H.: Einführung in die Volkswirtschaftslehre. (2001) 7. Auflage. München.

POLLERT, A., KIRCHNER, B., MORATO POLZIN, J.: Das Lexikon der Wirtschaft. Grundlegendes Wissen von A bis Z. (2004) 2. Auflage. Bonn.

SAMUELSON, P. A.; NORDHAUS, W. D.: Volkswirtschaftslehre. Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie. (2005) Landsberg am Lech.

WIENERT, H.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. Band 2: Makroökonomie. (2008) 2. Auflage. Stuttgart.

 

Abbildung: Geld & Kapital, in: http://www.financesquare.de/uploads/media/GeldKapital_Header.jpg , zugegriffen am 28.05.2011.

Kapitalbildung, in: http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=6D9TKM, zugegriffen am 23.05.2011.

Kapitalismus, in: http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9378UR, zugegriffen am 25.05.2011

Kapitalmarkt – Börsenlexikon, in: http://boersenlexikon.faz.net/kapitalm.htm ,zugegriffen am 23.05.2011.

Kapitalmarkt, in: http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/kapitalmarkt/kapitalmarkt.htm, zugegriffen am 22.05.2011.

Slogan der Aachener Bausparkasse, in: http://www.slogans.de/slogans.php?BSelect%5B%5D=104801, zugegriffen am 23.05.2011



[1] Vgl. Duden Fremdwörterbuch. 1999. S. 401

[3] Vgl. Pollert, A., Kirchner, B., Morato Polzin, J. 2004, S. 25

[4] Demmler, H. 2001, S. 4

[5] Vgl. Ebd.

[6] Samuelson, P. A., Nordhaus, W. D. 2005, S. 385

[8] Samuelson, P. A., Nordhaus, W. D. 2005, S. 402f  

[10] Vgl. Samuelson, P. A., Nordhaus, W. D. 2005, S. 650

[11] Vgl. http://boersenlexikon.faz.net/kapitalm.htm

[12] Vgl. Pollert, A., Kirchner, B., Morato Polzin, J. 2004, S. 441

[14] Wienert, H. 2008, S. 37

[15] Vgl. Samuelson, P. A., Nordhaus, W. D. 2005, S. 62

[16] Samuelson, P. A., Nordhaus, W. D. 2005, S. 385