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Einleitung 

Im Folgenden werde ich anhand von verschiedenen Beispielen und Theoremen das Equimarginalprinzip vorstellen.

Wenn man sich diesen sehr langen Begriff einmal näher anschaut bemerkt man, dass in ihm das Wort „marginal“ vorkommt, was so viel bedeutet wie „am Rand liegend“ oder „auf der Grenze“. (lat. margo = der Rand) Heinrich Hermann Gossen verfasste dieses Prinzip im Jahre 1854 als sein „zweites Gossensches Gesetz“. Äquivalente Bezeichnungen sind auch Grenznutzenausgleichsregel und Genussausgleichsgesetz.

Das Equimarginalprinzip 

Der Mensch strebt immer danach, alle Bedürfnisse, die er hat, auch zu befriedigen. Um den sehr weitläufigen Begriff des Bedürfnisses etwas zu differenzieren, muss vorab geklärt werden, von welchen Bedürfnissen die Rede ist. Das Equimarginalprinzip befasst sich nur mit dem „normalen“ Konsum der Haushalte. Investitionen, Prestigegüter oder ähnliches fallen komplett aus dieser Theorie heraus – gesucht sind also Güter mit einem sehr hohen Nutzen für die jeweilige Person. Da kommen wir dem Kern recht nahe, denn das Prinzip lässt sich am besten auf Grundbedürfnisse übertragen wie Nahrung, Genussmittel oder Kleidung.

In der Praxis befriedigt der Mensch seine Bedürfnisse meistens durch sein begrenztes Gehalt, das er durch seine Arbeit verdient. Mit diesem begrenzten Einkommen versucht er nun alle Bedürfnisse, die er hat, auf einem gleichen Niveau zu befriedigen. Es soll ja kein Bedürfnis zu kurz kommen, was nicht heißt, dass das Bedürfnis absolut befriedigt sein muss.  Jemand, der vielleicht etwas mehr Geld für Konsumausgaben zur Verfügung hat, der wird seine Bedürf-nisse auf einem höheren Level befriedigen, als jemand, der weniger Geld zur Verfügung hat – trotzdem versuchen beide, so viele ihrer Bedürfnisse möglichst effizient  zu befriedigen.

 „Der Mensch, dem die Wahl zwischen mehreren Genüssen frei steht, dessen Zeit aber nicht ausreicht, alle vollaus sich zu bereiten, muss, wie verschieden auch die absolute Größe der einzelnen Genüsse sein mag, um die Summe seines Genusses zum Größten zu bringen, bevor er auch nur den größten sich vollaus bereitet, sie alle teilweise bereiten, und zwar in einem solchen Verhältniß, daß die Größe eines jeden Genusses in dem Augenblick, in welchem seine Bereitung abgebrochen wird, bei allen noch die gleiche bleibt.“1

– Hermann Heinrich Gossen (1854) 

Beispiel:

Ein Mensch, Herr M., benötigt jeden Tag eine Flasche Bier und eine Flasche Wasser. Beide kosten gleich viel, genau 1 Euro. In einem Monat stehen ihm für Getränke 60 Euro zur Verfügung.

Also wird dieser sein Einkommen so einsetzen, dass er jeden Tag im Monat eine Flasche Wasser und eine Flasche Bier haben wird, sprich 30x Wasser und 30x Bier. Dies ist der Optimalfall, denn der Grenznutzen der beiden Güter ist absolut gleich, da Herr M. auch nur eine Flasche am Tag der beiden Güter konsumiert. In diesem Sinne wäre er im absoluten Haushaltsoptimum. Andererseits hieße das, wenn Herr M. 31 Flaschen Bier kauft, jedoch nur 29 Flaschen Wasser, dass dann die 31. Flasche Bier einen geringeren Grenznutzen, als die 30. Flasche Wasser, die ihm am Ende des Monats fehlen wird, hat.

Der Gesamtnutzen von 30 Flaschen Wasser und 30 Flaschen Bier ist also höher, als der Gesamtnutzen von 31 Flaschen Bier und nur 29 Flaschen Wasser.

Bei einer Preisänderung bei einem der beiden Güter hätte Herr M. zwei Möglichkeiten zu agieren. Die erste Variante ist die einfachere und zwar die des Verzichtens.

Wenn das Wasser um 0,50 Euro teurer werden sollte, er jedoch einen höheren Nutzen durch Wasser als durch das Bier hat und er auch nicht umsteigen kann auf eine andere Sorte die etwas günstiger ist, wird er einfach auf Bier verzichten, um sich seine 30 Flaschen Wasser immer noch leisten zu können. Somit kommt er erneut auf sein Haushaltsoptimum, obwohl der Gesamtnutzen der Güter und damit auch der Genuss durch den Verzicht gesunken ist.

Die zweite Variante bezieht sich auf die Grenzrate der Substitution. Hier muss sich Herr M. entscheiden, ob er bereit ist, eines der beiden Güter zu substituieren, um einen noch höheren Nutzen zu bekommen. Zu seinem Glück führt der kleine Laden seit neuestem auch Billigbier zu dem halben Preis seiner alten Sorte – geschmacklich natürlich kein Vergleich. Herr M. entscheidet sich dann für das günstigere Bier, um seinen Gesamtnutzen wieder auf ein Maximum zu bringen. Er ist also bereit einen schlechteren Geschmack in Kauf zu nehmen, um wieder 30 Flaschen Wasser und 30 Falschen Bier zu haben.

In beiden Fällen wurde ein Haushaltsoptimum geschaffen, das heißt auch, dass die Preise in einem optimalen Verhältnis zum gestifteten Nutzen des jeweiligen Guts stehen.

Das Budget unseres Herrn M. kann auch in einem Diagramm graphisch mit einer simplen Funktion dargestellt werden, die eine Gerade bildet. Hierzu verwenden wir für den Preis von Gut 1 px und für den Preis von Gut 2 py. Nun setzt man noch B für das Budget auf und löst die Formel dann nach y auf. (W=1€/B=1€                           y=mx+b            =         y=60-x)

Diagramm 1

Was hier dargestellt wurde, ist die Budgetgerade, die bei eingezeichneter Indifferenzkurve das Haushaltsoptimum angibt, im Punkt, an der sie die Indifferenzkurve berührt.

Natürlich lässt sich dieses Verfahren auch auf die beiden anderen Fälle mit veränderten Werten übertragen.

Diagramm 2 

Im zweiten Fall Verändert sich der Wasserpreis um 0,5 Geldeinheiten auf 1,50 €, (W=1,5/B=1 y=60-1,5x). Somit ergibt sich eine veränderte Budgetgerade. Zusätzlich lässt sich eine Veränderung der Indifferenzkurve feststellen. Diese verschiebt sich nach unten aufgrund des gesunkenen Gesamtnutzens der durch den Verzicht entsteht.

 Beim letzten Fall fällt zusätzlich der Preis des Bieres um 0,5 Geldeinheiten auf 0,50 € und es kommt erneut zu einer deutlichen Verschiebung der  Budgetgerade.

Diagramm 3

Der Gesamtnutzen ist hier wieder so hoch wie beim ersten Beispiel, da Herr M. wieder 30x Wasser und 30x Bier Kaufen kann.(0,5y=60-1,5x)

In beiden Fällen wurde nach dem Equimarginalprinzip gehandelt ein Haushaltsoptimum wurde geschaffen, das bedeutet auch, dass die Preise in einem optimalen Verhältnis zum gestifteten Nutzen des jeweiligen Guts stehen. Um dieses gesamte theoretische Gebilde mathematisch zu untermauern, kann die Nutzenfunktion als Basis verwendet werden. (U= u(x1,x2,x3…)) Hier ergibt sich der Gesamtnutzen U durch Nutzen x Konsumgüter, die zur Verfügung stehen. Um diesen Nutzen in Verhältnis zu den Preisen zu setzen, teilen wir unseren Nutzen U erst durch die Gütermenge xn und dann durch den Güter Preis pn. Somit erhält man nun folgende Formel: U=((u(x1,x2..xn)/xn)/pn) 

Kritik am Equzmarginalprinizp:

Nicht anders als bei vielen Theorien der VWL basiert auch das Equimarginalprinzip auf den Handlungsweisen des homo oeconomicus, der frei von jeglicher emotionaler Beeinflussung rein rational handelt.

Alle Akteure gehen in der Theorie absolut vernunftbestimmt und logisch vor (30 Tage, also 30 Flaschen Wasser). Konsumaspekte wie Prestige, Qualität, Emotionen, Vorlieben und Erfahrungen, werden komplett ausgeblendet. Das Equimarginalprinzip ist nur eine Begründung für das Agieren der Konsumenten am Markt. Es soll lediglich als Modell darstellen, warum der Mensch so handelt, wie er handelt, in unserem Falle das Streben nach einem Haushaltsoptimum.

Fazit:

Der hier verwendete Ansatz ist nur begrenzt auf die Realität zu übertragen. Das muss man auch gar nicht. Jeder Mensch verbindet einen völlig individuellen Nutzen mit den verschiedenen Gütern am Markt. Der Ansatz soll lediglich eine Begründung sein, warum ein Mensch sein Einkommen so einsetzt, dass er weder einen Mangel, noch einen Überschuss an Gütern hat. Worüber wir hier reden, ist nichts anderes als ein Modell der menschlichen Psyche.

Um diese jedoch realitätstreu darzustellen, benötigt es etwas mehr als einen solchen Ansatz. Es wäre auch völlig überflüssig, denn im Groben sollen theoretische Modelle wie das Equimarginalprinzip nur ein vereinfachtes Abbild der Realität sein, um somit einen gezielten Einblick in einzelne Prozesse des Konsumverhaltens von Menschen zu bekommen.

Quellen:

1http://de.wikipedia.org/wiki/Gossensches_Gesetz

http://www.mikrooekonomie.de/Haushaltstheorie/Das%20Haushaltsoptimum.htm

Mikroökonomie  Von Robert S. Pindyck,Daniel L. Rubinfeld S.139

Spaß mit Mikro: Einführung in die Mikroökonomie S. 159

Grundlagen der Mikroökonomie Von Susanne Wied-Nebbeling,Hartmut Schott S.40-41