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Gewinnmaximierung

Der folgende Artikel beschäftigt sich mit dem Thema der Gewinnmaximierung und ihrer Bedeutung für die Ökonomie. Da der Begriff sowohl in der Betriebswirtschaftslehre als auch in der Volkswirtschaftslehre eine wichtige Rolle spielt, werden in den folgenden Abschnitten beide Seiten des Begriffes beleuchtet.

Unter dem betriebswirtschaftlichen Aspekt werden die Handlungen einzelner Wirtschaftseinheiten (Betriebe, Unternehmen) betrachtet, welche zur Erreichung der unternehmerischen Zielsetzung und deren Entwicklung beitragen.

Auf der volkswirtschaftlichen Ebene wird dagegen die Gesamtheit aller Wirtschaftseinheiten und deren Beziehungen und Zusammenhänge zueinander betrachtet.

Aus der volkswirtschaftlichen Betrachtung gehen für die Betriebswirtschaftslehre einzelne Erkenntnisse und Größen hervor, welche diese in ihrer Gesamtplanung berücksichtigen müssen. Im Gegenzug sind die Daten der betriebswirtschaftlichen Betrachtung wichtige Kennzahlen, die bei der Erstellung einzelner Modelle der Volkswirtschaftslehre berücksichtigt werden müssen.

Die kommenden Absätze beschreiben zunächst den Begriff des Gewinns, der zum Verständnis des im darauf folgenden Abschnitt, Oberthemas Gewinnmaximierung von Bedeutung ist. Anschließend wird die Bedeutung der Gewinnmaximierung für das unternehmerische Handeln sowie die Ökonomie betrachtet.

Dieser Artikel beruht auf einer modellorientierten theoretischen Basis und dient zum besseren Verständnis der komplexen Realität.

 

Gewinn 

 

Der Gewinn (engl. profit, gain)  ist ein in der Marktwirtschaft tief verwurzelter Begriff. Er repräsentiert den Verdienst einer Unternehmung oder eines Unternehmers bewirkt durch eine Fülle von Maßnahmen, welche zur Erfassung und Befriedigung der Bedürfnisse aller potentiellen Kunden dienen. Außerdem kann er als Motivator gesehen werden, sich dem vorherrschenden Wettbewerb und neu entstehenden Marktverhältnissen anzupassen.

Im Allgemeinen lässt sich „Gewinn“ als die periodisch eingegrenzte positive Differenz zwischen Erträgen und Aufwendungen einer Unternehmenstätigkeit beschreiben.

Erträge sind eine Darstellung von Erfolgsbeiträgen aus Handelsgeschäften oder anderen unternehmerischen Tätigkeiten. Werden Anlagen oder Gegenstände über ihrem Buchwert bzw. dessen beizulegendem Zeitwert verkauft, stellt die Wertdifferenz einen Ertrag dar.

Aufwendungen sind eine Darstellung von bewerteten verbrauchten Gütern (Dienstleistungen sowie Waren), mit dem Ziel einen Nutzen für die unternehmerische Tätigkeit zu erlangen.

Bevor man den Begriff „Gewinn“ verwenden kann, muss sichergestellt sein, dass alle Aufwendungen durch die erzielten Erträge gedeckt werden.

In der Finanzbuchhaltung wird der Gewinn mithilfe der Gewinn- und Verlustrechnung ermittelt. Dabei wird das Eigenkapital vom Anfang einer Periode mit dem neu erwirtschafteten Eigenkapital verglichen.

Gewinn kann als Indikator für wirtschaftliches Handeln sowie das Streben nach Wachstum und Einkommenserzielung gelten.

 

Gewinnmaximierung

 

Durch die unterschiedliche Betrachtung der Wirtschaft durch die Betriebswirtschaftslehre und die Volkswirtschaftslehre ergeben sich zwei unterschiedliche Ansätze zum Umgang mit dem Begriff der Gewinnmaximierung (engl. profiteering, profit maximization).

Die Betriebswirtschaftslehre betrachtet die Gewinnmaximierung als ein Unternehmensziel; eine zweckmäßige Folge aus einer Fülle von Maßnahmen (Einsatz von verbesserten Technologien, Organisation von Arbeitsabläufen) die zu einer optimalen Komposition betriebsinterner Prozesse führen wie zum Beispiel der Qualitätsverbesserung, Umsatzsteigerung und Kostensenkung.

Auf volkswirtschaftlicher Ebene ist die Gewinnmaximierung ein Teil der neoklassischen Theorie unter der Annahme von konstanten Preisen für Inputs und Outputs. Sie wird als ein Mechanismus zur Erreichung eines Marktgleichgewichtes betrachtet.

Hiernach passen Unternehmer in einer Marktwirtschaft ihre Produktionsmenge an, um ein Marktgleichgewicht zu erreichen.

Das Gewinnmaximum wird erreicht wenn die Grenzkosten (K‘)[1] und die Grenzerlöse (E‘)[2] einen einheitlichen Wert erreichen und sich somit eine Gleichung von =0 (gleich null) ergibt.


G'(x) = E'(x) - K'(x) = 0
à E'(x) = K'(x)

 

Das bedeutet, dass bei einer unveränderten Produktion die Produktions- und Absatzmenge soweit gesteigert wird, dass die Grenzkosten jeder zusätzlichen Einheit den Grenzerträgen jeder weiteren zusätzlichen Einheit entsprechen. Somit ist volkswirtschaftlich das Gewinnmaximum der Absatz einer optimalen Produktionsmenge unter den betrieblichen Gegebenheiten.

Je nach Marktform lässt sich das Gewinnmaximum trotz der Bedingung des einheitlichen Wertes von Grenzerlösen und Grenzerträgen anders ermitteln.

Beispielsweise ist in einem Polypol, also der Situation einer vollständigen Konkurrenz, der Marktpreis gegeben. In einer solchen Marktform werden die Unternehmer somit als Preisnehmer bezeichnet, da sie den Preis an die Nachfrager anpassen müssen. Versucht der Anbieter hierbei mit seiner Preisbildung zu variieren wird er entweder Einbußen seitens der Nachfrager oder eine Überlastung seiner Kapazitäten aufgrund zu hoher Nachfrage wahrnehmen.

In der gängigeren Monopolsituation (Angebotsmonopol) gibt es nur einen Anbieter der vielen Nachfragern gegenübersteht. Hierbei werden im Gegensatz zur vollständigen Konkurrenz der Preis und der Absatz von der Nachfrage abhängig gemacht. Der Preis wird hierbei höher angesetzt, dagegen ist aber auch die Absatzmenge geringer. Das Gewinnmaximum wird hier an dem sogenannten Cournot‘schen Punkt abgelesen.

 Gewinnmaximum

 Abb. 1 Gewinnmaximum, Cournot'scher Punkt[3]

 

Ferner können Gewinnmaximierungen kurz- oder langfristig aufgestellt werden.

 

Kurzfristige und langfristige Gewinnmaximierung

 

Die Trennlinie zwischen der kurz- und der langfristigen Gewinnmaximierung liegt in der Betrachtung der Kosten. Kurzfristig entstehen bei einer Produktion fixe sowie variable Kosten (Inputkosten), d.h. sind die Erlöse aus der Produktion (Outputerlöse) niedriger als die Kosten dieser, beginnt ein Unternehmen Verlust zu machen. Durch eine Einstellung der Produktion kann es jedoch dazu kommen, dass der Verlust größer wird, wenn zwar die variablen Kosten nicht mehr anfallen jedoch die Fixkosten nicht mehr gedeckt werden da die Erlöse ausbleiben.

 

Beispiel:  

 Gewinnfunktion: π = py – w1x1 – w2x2[4]

(p: Outputpreis; y: Outputanteil; w: Inputpreis; x: Inputanteil)

Fixkosten: 2000; variable Kosten: 700; Erlöse: 1000

1000 - 2000 - 700 = -1700 

In der kurzfristigen Gewinnmaximierungstheorie wird ein Inputanteil als dauerhaft fix gesehen, der andere ist variabel:

 

   x variabel = variabel;  x fix= fix

 kurzfristige Gewinnmaximierung [5]

Dieser Fall hat, im Vergleich zum Fall einer Produktionseinstellung, eine kurzfristig gewinnmaximierende Wirkung.

Bei einer Einstellung der Produktion fallen zwar die variablen Kosten weg, aber ebenso die Erlöse woraus sich ein größerer Verlust aus den Fixkosten von -2000 ergibt. Somit bleibt die Fortführung der Produktion profitabler und gewinnmaximierender.

Auf längeren Zeitraum gesehen sind alle Kosten als variabel zu betrachten. Durch eine absolute Einstellung der Produktion könnten die Gesamtkosten vermieden werden.  Bei einem absoluten Produktionsstillstand würden die variablen als auch die fixen Kosten wegfallen wodurch sich die fixen Kosten in einen variablen Zustand transformieren.

Kurzfristig würden für das Unternehmen Verluste entstehen, auf einer langfristigeren Basis gesehen jedoch weniger als bei einer kontinuierlichen Produktion.

Eine langfristige Gewinnmaximierung sind alle Inputs hingegen variabel. Sie lässt sich ebenfalls unter der der Voraussetzung von

π = py – w1x1 – w2x2  beschreiben:

langfristige Gewinnmaximierung[6]

 

Dies bedeutet, dass für jeden getätigten Input die marginalen Erträge den marginalen Kosten entsprechen. Folglich gilt somit, dass der Marktpreis des Outputs sich aus dem Verhältnis der Kosten zum Grenzprodukt des Inputs ablesen lässt. Die langfristige Gewinnfunktion beschreibt somit das Streben nach dem oben erwähnten Absatz einer optimalen Produktionsmenge unter den betrieblichen Gegebenheiten.

 

Bedeutung der Gewinnmaximierung

 

Das Streben nach Gewinnmaximierung wird jedem, der unternehmerische Tätigkeiten ausübt, unterstellt da man von der Theorie ausgeht, dass jedes Unternehmen wachsen will um seine Preisbildung besser kontrollieren und seine Marktposition verbessern zu können.

Im Allgemeinen wird die Gewinnmaximierung als ein Oberziel der Unternehmensführung gewertet.

Die Erwirtschaftung eines Gewinnes und die Maximierung dessen ist für Unternehmer von großer Bedeutung da sie über diese frei verfügen können. Ein Unternehmer kann somit eine eigenständige Entscheidung über die weitere Verwendung dieser treffen.

Wie bereits erwähnt streben Unternehmer danach das Marktgleichgewicht zu ihren Gunsten zu verschieben und die am Markt vorherrschende Nachfrage bestmöglich durch ihr Angebot zu erfassen. Mithilfe langfristiger Gewinnmaximierungen können Unternehmen in neue Technologien investieren welche zu Qualitätsverbesserungen, längeren Nutzungsdauern von Anlagen und Maschinen und folglich auf über einen langfristigen Zeitraum betrachtet einer veränderten Preisbildung führen. Durch Investitionen in die Technologie werden Kapazitäten besser ausgelastet, Produkte günstiger produziert und somit neue Preisgestaltungen bewirkt. Zunächst sind die Investitionen in neue Technologien gewinnschmälernd, entwickeln sich jedoch langfristig zu einem gewinnbringenden Erfolgsfaktor.

Durch Kostensenkungen werden Verschiebungen von Gleichgewichtspreisen, Gewinnmaxima und ergo des Marktgleichgewichts bewirkt.

Andere Anbieter müssen sich bei einer solchen Entwicklung assimilieren um weiterhin im Markt stabil anbieten und Gewinne erzielen zu können.

Wer hierbei seinen Gewinn am effizientesten Maximieren kann, kann die Marktsituation kontrollieren und Mitbewerber beeinflussen.

Abschließend ist zu sagen, dass die Maximierung des Gewinns das Herz des Wirtschafskörpers ist, welches die Ökonomie in Bewegung hält. Dank ihr und dem Streben nach größeren Gewinnen werden neue Technologien erforscht, Qualitätsverbesserungen erzeugt und somit auch Verbesserungen des Lebensstandards der Menschen bewirkt.

 

 

Quellenverzeichnis

 

Grundzüge der Mikroökonomik, Hal R. Varian, Oldenbourg, 7. Auflage, ISBN 978-3-486-58311-3

Vorlesungsfolien: Einführung in die Mikroökonomik, Oliver Gürtler, Universität zu Köln, WS 09/10, Kapitel 8 -„Unternehmenstheorie: Gewinnmaximierung“

Skript: Lehre der Ökonomie, T. Hildebrandt, Version 3.3, Europäische FH Brühl

http://www.themanagement.de/Ressources/gewinn.htm

http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/gewinnmaximierung/gewinnmaximierung.htm

 

 


[1] Die Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Einheit eines Produktes entstehen.

[2] Die Erlöse, die durch den Verkauf einer zusätzlichen Einheit eines Produktes entstehen.

[4] Vorlesungsfolien: Einführung in die Mikroökonomik, Oliver Gürtler, Universität zu Köln, WS 09/10, Kapitel 8 -„Unternehmenstheorie: Gewinnmaximierung“

[5] Grundzüge der Mikroökonomik, Hal R. Varian, Oldenbourg, 7. Auflage, S. 395 ff., ISBN 978-3-486-58311-3

[6] Vorlesungsfolien: Einführung in die Mikroökonomik, Oliver Gürtler, Universität zu Köln, WS 09/10, Kapitel 8 -„Unternehmenstheorie: Gewinnmaximierung“