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Wertschöpfung (de.) – Value Added (engl.)

 

Definition:

Als Wertschöpfung bezeichnet man den Mehrwert, den ein Gut während der Produktion gewinnt (http://www.daswirtschaftslexikon.com/d/wertsch%C3%B6pfung/wertsch%C3%B6pfung.htm, 2011). Sie spielt eine Schlüsselrolle bei der Messung der wirtschaftlichen Leistungskraft einer Nation (WILDMANN 2007). Die Wertschöpfung wird im Rahmen der Ermittlung des Bruttoinlandsprodukts ergründet. Das Bruttoinlandsprodukt betrachtet ausschließlich die inländische Wertschöpfung (BLANCHARD, ILLING 2009). Die Bruttowertschöpfung ergibt sich aus der Differenz zwischen Produktionswert und Vorleistungen (WILDMANN 2007). Vorleistungen sind alle Güter, die von einem anderen Wirtschaftssubjekt gekauft werden, und die während der Produktion notwendig sind. Beispiele sind Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Transportkosten oder Mieten (http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/wertschoepfung.html, 2011). Die Bruttowertschöpfung umfasst also lediglich den während des Produktionsprozess erwirtschafteten Mehrwert (STATISTISCHES BUNDESAMT, 2011).  Die Bruttowertschöpfung kann auf dreierlei Weise, nämlich zu Faktor-, Herstellungs- und Marktpreisen, beurteilt werden. Seit 2005 wird sie jedoch zu Herstellerpreisen beurteilt. Dabei wird die Wertschöpfung von Gütersteuern und Gütersubventionen bereinigt, um den Einfluss des Staates außer Acht zu lassen (http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/wertschoepfung.html, 2011).

 

Berechnung:

Bei der Berechnung des Bruttoinlandproduktes betrachtet man lediglich die produzierten Endprodukte und Dienstleistungen (DORNBUSCH, FISCHER, STARTZ 2003), also lediglich, die an den Endverbraucher übermittelten Werte (WILDMANN 2007). So genannte Zwischenprodukte werden folglich nicht berücksichtigt (DORNBUSCH, FISCHER, STARTZ 2003). Im Unternehmen findet die Berechnung auf Basis von Aufwänden und Erträgen statt, die in einem Produktionskonto dargestellt werden (http://www.daswirtschaftslexikon.com/d/wertsch%C3%B6pfung/wertsch%C3%B6pfung.htm, 2011). Das Produktionskonto fasst auf der Ertragsseite die Beträge aller geschaffenen Produktionswerte zusammen. Unter einem Produktionswert versteht man das bewertete Produktionsergebnis, also die Umsatzerlöse der eigens produzierten Güter und Dienstleistungen. Die Ertragsseite beschreibt also die Einnahmen des Unternehmens. Auf der Aufwandsseite werden die Vorleistungen, die Abschreibungen und die Nettowertschöpfung aufsummiert. Die Nettowertschöpfung entspricht dem Anteil der finanziellen Mittel, der nicht für die Produktion verwendet wurde. Sie besteht unter anderem aus Löhnen und  Gehältern und dem Gewinn. Die Aufwandsseite stellt also im Gegensatz zur Ertragsseite die Ausgaben des Unternehmens dar (HARDES, UHLY 2007). Zur Veranschaulichung folgt beispielhaft die Berechnung der Wertschöpfung bei der Apfelsaftherstellung.

Im ersten Schritt baut der Landwirt Äpfel an und verkauft diese, wenn sie reif sind, an die Getränkefabrik. Im zweiten Schritt stellt die Getränkefabrik aus den Äpfeln Apfelsaft her und verkauf diesen wiederum an den Supermarkt. Im dritten Schritt verkauft der Supermarkt den Apfelsaft an den Endverbraucher. Addiert man dabei den Umsatz, der bei jedem Schritt erwirtschaftet wird, ergibt sich ein Gesamtumsatz von 175.000€. Wie aber schon gesagt, müssen davon die Vorleistungen wieder abgezogen werden. Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

              Anhand dieser Rechnung wird deutlich, dass die Bruttowertschöpfung dem Umsatz des letzten Schritts entspricht (WILDMANN 2007). Diese Wertschöpfungsentstehungsrechnung bezeichnet man als indirekte Ermittlung beziehungsweise als Subtraktionsmethode und lässt sich formal durch folgende Formel darstellen:

            WS = GL – VL

            (wobei  WS = Wertschöpfung

                        GL = Gesamtleistung

                        VL = Vorleistung)

Der durch diese Rechnung dargestellte vom Unternehmen erzeugte Mehrwert (erzeugtes Gütereinkommen) verkörpert gleichzeitig auch das Einkommen, welches an die Stakeholder ausgezahlt werden kann (erzeugtes Geldeinkommen). Daher lässt sich die Wertschöpfung auch als Addition der verschiedenen Einkommensanteile, die an die verschiedenen Beteiligten geht, berechnen. Man spricht dann von der direkten Ermittlung beziehungsweise der Additionsmethode:

            WS = EA + EK + ES + UW

            (wobei  EA = Einkommen der Arbeitnehmer

                        EK = Einkommen der Kapitalgeber

                        ES = Einkommen des Staates

                        UW = unverteilte, imUnternehmen belassene Wertschöpfung)

(http://www.daswirtschaftslexikon.com/d/wertsch%C3%B6pfung/wertsch%C3%B6pfung.htm, 2011)

Will man jetzt ausgehend von der ermittelten Bruttowertschöpfung die Nettowertschöpfung berechnen, gelingt dies mit folgendem Berechnungsschema:

Die Summe aller ermittelten Nettowertschöpfungen bildet das Volkseinkommen.

 

Anwendungsbereiche:

Zum einen fließt die Wertschöpfung bei der Berechnung der Arbeitsproduktivität ein:

           
            (wobei B = Beschäftigung)

(http://www.daswirtschaftslexikon.com/d/wertsch%C3%B6pfung/wertsch%C3%B6pfung.htm, 2011)

Die Arbeitsproduktivität beschreibt die Bruttowertschöpfung pro Erwerbstätigen. Sie bietet die Möglichkeit, die Produktivität verschiedener Gebiete zu vergleichen. Dabei werden jedoch regionale Unterschiede der Arbeitsmärkte, Anzahl der Bewohner oder Teilzeitarbeitenden nicht berücksichtigt. Zudem ist zu beachten, dass die internationale Wirtschaftsleistung von der Größe und Einwohnerzahl des Landes abhängig ist. (FAUSER, 2009). 

Weiterhin lässt sich die so genannte Wertschöpfungstiefe bestimmen. Diese beschreibt den Anteil der Eigenleistung, die ein Unternehmen in Bezug auf die erbrachte Gesamtleistung erbringt.

           

Je höher die errechnete Kennzahl, desto größer ist folglich die Eigenleistung an der erbrachten Gesamtleistung.

Zudem dient die Wertschöpfung als Leistungsmaß und Zielgröße. So dient sie zum Beispiel als Erfolgsmaß. Dabei hat sich eine Brückenfunktion zwischen der Mikro- und der Makroökonomie, da sie sowohl in der einzelwirtschaftlichen, als auch in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung Anwendung findet. Sie wird außerdem  zum internationalen Vergleich von Unternehmen genutzt. (http://www.daswirtschaftslexikon.com/d/wertsch%C3%B6pfung/wertsch%C3%B6pfung.htm, 2011)

 

Bedeutung:

Eine wichtige Rolle spielt die Wertschöpfung vor allem bei der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Die im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ergründeten Daten dienen der Beurteilung des Entwicklungsgrads, des Reichtums und der Wohlfahrt einer Nation. Dabei fungieren die Brutto- und Nettowertschöpfung zur Ermittlung des Produktivitätsniveaus einer Branche (http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/wertschoepfung.html, 2011). Sie dient der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft somit als Kennzahl, da sie auch Auskünfte über die Wirtschaftsentwicklung gibt (THALHEIMER, 2005). Voraussetzung für das Wachstum der Wertschöpfung ist die Nachfrage nach Gütern beziehungsweise Dienstleistungen. Ein schnelles Wertschöpfungswachstum steigert auch die Attraktivität für Investoren (http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/wertschoepfung.html, 2011).

 

Kritik:

Ein Kritikpunkt ist zum Beispiel, dass Umbewertungsgewinne unberücksichtigt bleiben. Wenn aber Vorleistungen, wie zum Beispiel Rohstoffe, lange gelagert werden und sich in der Zwischenzeit der Rohstoffpreis erhöht, wird der Wert der Produktion verfälscht, da diese Preiserhöhung in der Berechnung der Wertschöpfung nicht berücksichtig wird.

Zudem wird in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht alles wirtschaftliche Handeln erfasst, sondern nur welches auf dem Markt in Erscheinung tritt. Schattenwirtschaft, Hausarbeit oder Kindererziehung zum Beispiel werden nicht erfasst (HARDES, UHLY 2007).

Zudem besteht die Gefahr der Doppelzählungen. Wenn zur Berechnung der Wertschöpfung nicht nur die Endprodukte sondern auch die Zwischenprodukte mit einbezogen werden, werden auf den verschiedenen Produktionsstufen mehrmals dieselben Leistungen erfasst und mitgerechnet. Um dies zu verhindern, arbeitet man in der Praxis mit der Wertschöpfung (DORNBUSCH, FISCHER, STARTZ 2003).

Außerdem kann es zu einer Unter- oder Überzeichnung der Preise kommen. Dazu kommt es, wenn Marktpreise indirekte Steuern enthalten, wie zum Beispiel Benzin. Wenn ein Liter Benzin beispielsweise 1,50€ kostet, die Mineralölsteuer jedoch 1€ pro Liter beträgt liegt der volkswirtschaftliche Wert des Liters Benzin nur bei 0,50€. Der Marktpreis ist also überzeichnet. Hingegen ist er unterzeichnet, wenn ein Gut subventioniert wird, das heißt, dass das Gut ohne die Subvention teurer wäre. Um dies Unter- oder Überzeichnungen auszugleichen werden die Marktpreise von den staatlichen Einflüssen bereinigt. Dies geschieht während der Umwandlung der Bruttowertschöpfung zu Nettowertschöpfung:

Indirekte Steuern sind zum Beispiel die Umsatzsteuer, die Tabaksteuer und die Mineralölsteuer (WILDMANN 2007).

 

 

Literaturverzeichnis:

1) http://www.daswirtschaftslexikon.com/d/wertsch%C3%B6pfung/wertsch%C3%B6pfung.htm (2011). zugegriffen am 26.05.2011

2) http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/wertschoepfung.html (2011). zugegriffen am 26.05.2011

3) BLANCHARD, OLIVIER / ILLING, GERHARD (2009): Makroökonomie, 5. Aufl.,  Pearson Deutschland GmbH, München 

4) DORNBUSCH, RÜDIGER / FISCHER, STANLEY / STARTZ, RICHARD (2003): Makroökonomik. 9. Aufl., Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München

5) FAUSER, SIMON G. (2009): Flexibilität des Arbeitsmarktes in Baden-Württemberg - Eine ökonometrische Analyse. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Veroeffentl/Monatshefte/PDF/Beitrag09_10_06.pdf. zugegriffen am 27.05.2011

6) HARDES, HANS-DIETER / UHLY, ALEXANDRA (2007): Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 9. Aufl., Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München

7) STATISTISCHES BUNDESAMT (2011): Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen - Wichtige Zusammenhänge im Überblick. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Fachveroeffentlichungen/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen/Zusammenhaenge,property=file.pdf. zugegriffen am 26.05.2011  

8) THALHEIMER, FRANK (2005): Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung und andere gesamtwirtschaftliche Indikatoren - Betrachtungen zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in drei Folgen. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Veroeffentl/Monatshefte/PDF/Beitrag05_10_08.pdf. zugegriffen am 27.05.2011

9) WILDMANN, LOTHAR (2007): Makroökonomie, Geld und Währung - Module der Volkswirtschaftslehre Band 2. Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München