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Zahlungsbilanz (de.) – Balance of Payments (engl.)

 

Definition

Die Zahlungsbilanz ist eine systematische Darstellung aller ökonomischen Transaktionen zwischen Inländern und Ausländern in einer Periode nach dem Prinzip der doppelten Buchführung.

In der Zahlungsbilanz werden Transaktionen in einem bestimmten Zeitraum erfasst. Es geschieht keine zeitraumbezogene Erfassung von Beständen, nicht wie es in der Bilanz im Rechnungswesen üblich ist eine zeitpunktbezogene Erfassung.

Als Inländer wird bezeichnet, wer seinen Wohnort seit mindestens einem Jahr in Deutschland hat. Es gilt nicht die rechtlich-formale Staatsangehörigkeit.

Die Erfassung der Transaktion findet infolge der doppelten Buchführung zweiseitig simultan auf beiden Seiten der Zahlungsbilanz zu Marktpreisen (Transaktionswerten) statt. Ein ausgehender Wertstrom muss immer einem eingehenden Wertstrom entgegen stehen und wird durch Vorzeichen kenntlich gemacht.

 

Plusvorzeichen

Minusvorzeichen

Lieferungen inländischer Waren

Käufe ausländischer Waren

Dienstleistungen und Faktorleistungen
(Ausfuhr)

Dienstleistungen und Faktorleistungen
(Einfuhr)

inländischer Eigentums- und Schuldtitel
(Kapitalimport) an das Ausland

Erwerb von Eigentums- und Forderungs-
titeln gegen das Ausland (Kapitalexport)

Unentgeltliche Leistungen des Auslandes
an das Inland

Unentgeltliche Leistungen vom Inland
an das Ausland

 

Bei den unentgeltlich empfangenen oder abgegebenen Leistungen muss eine fiktive Gegenposition gebildet werden, so dass der Bilanzausgleich herbeigeführt werden kann. Sobald die Transaktion stattfindet, wird sie in der Zahlungsbilanz erfasst.

Die deutsche Zahlungsbilanz wird von der Deutschen Bundesbank  erstellt und folgt den gemeinsamen Empfehlungen von der UNO, IWF, Weltbank, OECD und der Kommission der Europäischen Gemeinschaften. Das Zahlenmaterial stammt überwiegend aus der Außenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes und der Statistik des Auslandszahlungsverkehrs der Deutschen Bundesbank. Die wichtigsten Rechtsgrundlagen zur Erstellung der Zahlungsbilanz sind das Gesetz über die Statistik des grenzüberschreitenden Warenverkehrs, das Außenwirtschaftsgesetz und die Außenwirtschaftsordnung, das Bundesbankgesetz sowie das Gesetz über die Statistik für Bundeszwecke.

 

Aufbau

Die Zahlungsbilanz ist in Teilbilanzen aufgegliedert und umfasst somit die Leistungsbilanz, die Vermögensübertragungen und die Kapitalbilanz. In der Leistungsbilanz werden die Gütertransaktionen gebucht und in der Kapitalbilanz die Finanztransaktionen. Die Gesamtsumme der Teilsalden der Zahlungsbilanz muss als Folge der doppelten Buchführung Null ergeben. Da nicht alle Transaktionen statistisch korrekt erfasst werden, dient die Restpostenbilanz in der Praxis dazu, diesen Ausgleich zu erreichen. Also gilt: 

 

Leistungsbilanz + Kapitalbilanz + Vermögensübertragungen + Restposten = 0

 

Zur Übersicht dient folgende tabellarische Kontendarstellung:

 

Leistungsbilanz

Die Leistungsbilanz stellt den Kernbereich der Zahlungsbilanzanalyse dar, da sie die Veränderung des Nettoauslandsvermögens eines Staates anzeigt. Die oft erwähnten Zahlungsbilanzüberschüsse bzw. –defizite beziehen sich meist nur auf die Leistungbilanz.

Die Leistungsbilanz ist in den Außenhandel (Handelsbilanz), die Dienstleistungsbilanz, die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen und die Bilanz der laufenden Übertragungen untergliedert. Der Saldo der Leistungsbilanz ergibt sich aus den Salden der einzelnen Unterbilanzen und berücksichtigt die Transfers, die Einfluss auf Verbrauch und Einkommen haben.

 

Handelsbilanz + Dienstleistungsbilanz + Erwerbs- und Vermögenseinkommen + Laufende Übertragungen = Leistungsbilanz

 

Die Gegenbuchungen der Leistungsbilanz erfolgen in der Kapitalbilanz.

Außenhandel (Handelsbilanz): Die Handelsbilanz umfasst alle Warenausfuhren und alle Wareneinfuhren. Die Warenausfuhren werden zu „free on board“-Preisen bewertet. „Free on board“ ist der Wert an der Zollgrenze des ausführenden Landes inklusive der bis dahin anfallenden Fracht- und Versicherungsleistungen. Wareneinfuhren werden mit „cost insurance freight“-Preisen bewertet. „Cost insurance freight“ ist der Wert an der Zollgrenze des importierenden Landes, so dass der Differenzwert der Transportleistungen in der Dienstleistungsbilanz gebucht werden muss.

Ist der Exportwert des Landes größer als der Importwert, handelt es sich um eine aktive Handelsbilanz. Wenn der Importwert des Landes größer ist als der Exportwert, handelt es sich um eine passive Handelsbilanz.

Dienstleistungsbilanz: Die Dienstleistungsbilanz hat eine stark wachsende Bedeutung und umfasst unsichtbare Aus- und Einfuhren von Finanzdienstleistungen, Transportdienstleistungen, Reiseverkehrsdienstleistungen, Lizenzen und Patente. Das traditionelle Defizit in der deutschen Dienstleistungsbilanz entsteht hauptsächlich durch den negativen Saldo im Reiseverkehr.

Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen: Das Erwerbs- und Vermögenseinkommen ist die wichtigste Komponente für Kapitalerträge und Einkommen aus nicht selbstständiger Arbeit.

Bilanz der laufende Übertragungen: Laufende Übertragungen sind Leistungen, die regelmäßig bzw. wiederkehrend erfolgen, z.B. private Übertragungen von Gastarbeitern an ihre Familie in ihren Heimatländern, denen aber keine unmittelbaren Gegenleistungen gegenüber steht.

Bilanz der Vermögensübertragungen: Ein Geldtransfer wird als Vermögensübertragung klassifiziert, wenn eine der beiden Seiten den Transfer als einmalig betrachtet, z.B. Erbschaften oder Schenkungen, und der Transaktion keine unmittelbare Gegenleistung gegenüber steht.

Die Leistungsbilanz zeigt den Außenbeitrag für die Volkswirtschaft. Häufig werden bei dieser Berechnung die unentgeltlichen Leistungen, laufende Übertragungen und Vermögensübertragungen nicht mit einbezogen.

 

Handelsbilanz + Dienstleistungsbilanz + Erwerbs- und Vermögenseinkommen = Außenbeitrag

 

 

Kapitalbilanz

Die Kapitalbilanz umfasst alle Finanztransaktionen mit dem Ausland, d.h. alle Kapitalexporte und –importe.

 

Plusvorzeichen

Minusvorzeichen

Kapitalimporte

Kapitalexporte

Forderungsabnahme

Forderungszunahme

Verbindlichkeitenzunahme

Verbindlichkeitenabnahme

 

Daraus folgt, dass Leistungen, die zu einem Zahlungseingang führen ein Plus erhalten, die daraus resultierende Forderung ein Minus und die Forderungsabnahme ein Plus. Der Kapitalverkehr in der Kapitalbilanz wird wie folgt untergliedert.

Direktinvestitionen: Transfers, in denen ein besonderes unternehmerisches Engagement zum Ausdruck kommt.

Wertpapiere: Dividendenwerte, festverzinsliche Wertpapiere, Genussscheine, Investmentzertifikate, Geldmarktpapiere

Finanzderivate: verbriefte und nicht verbriefte Optionen, Finanztermingeschäfte

Kredite: lang- und kurzfristige Kredite von Kreditinstituten, Unternehmen und Privatpersonen, dem Staat und der Deutschen Bundesbank

Sonstige Kapitalanlagen: insbesondere Beteiligungen des Bundes an internationalen Organisationen

Die Nettoverschuldung der Volkswirtschaft hat sich demnach erhöht bzw. das Auslandsvermögen hat transaktionsbedingt abgenommen, wenn der Saldo der Kapitalbilanz positiv ist

 

Formaler und inhaltlicher Zahlungsbilanzausgleich

Der Saldo der Leistungsbilanz und der Vermögensübertragungen entspricht der Kapitalbilanz. Aufgrund der Regeln der doppelten Buchführung ist die Zahlungsbilanz stets ausgeglichen, wenn analytisch bedeutsame Salden innerhalb der Teilbilanzen mit dem Ziel des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts vereinbar sind.

 

Störungen des Zahlungsbilanzgleichgewichts

Das Zahlungsbilanzgleichgewicht wird durch Strukturdifferenzen zwischen den Handelspartnern in Bezug auf die Ausstattung mit Ressourcen und die Ausstattung mit den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital gestört.

Außerdem zählen zu den Störfaktoren:

-       Internationales Technologiegefälle

-       einseitig verteilte wirtschaftliche Macht

-       Internationales Preisniveaugefälle

-       Internationales Zinsniveaugefälle

-       Politische Entwicklungen

-       Wechselkurse

    

Magisches Viereck

Als magisches Viereck werden die vier im Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft genannten gesamtwirtschaftlichen Ziele bezeichnet.

-       Vollbeschäftigung

-       stabiles Preisniveau

-       angemessenes Wirtschaftwachstum

-       das außenwirtschaftliche Gleichgewicht (ausgeglichene Zahlungsbilanz)

 

Die ausgeglichene Zahlungsbilanz (außenwirtschaftliches Gleichgewicht) ist ein Ziel des magischen Vierecks, weil:

-        zu hohe Exportüberschüsse die inländische Beschäftigung zu einer starken Abhängigkeit vom Ausland führen

-       es zu außenpolitischem Druck  kommt, wenn eigene Exporte beim Handelspartner konjunkturell unerwünscht sind

-       Exportüberschüsse den Protektionismus fördern können

-       Importüberschüsse zu Devisenknappheit führen

-       Importüberschüsse  zu einer Verschuldung gegenüber dem Ausland bis hin zum Verlust der internationalen Kreditwürdigkeit führen können

-       die Gefahr importierter Inflation bei zu hohen Exporten eintritt

 

 

Quellen

Allgemeine Wirtschaftslehre für den Bankkaufmann/die Bankkauffrau von Gregor Wurm, Heinz Möhlmeier, Friedmund Skorzenski, Günter Wierichs, 6. Auflage, Bildungsverlag EINS Stam, Troisdorf 2005

Eine Einführung in die Grundlagen der Zahlungsbilanzsystematik, Matthias Göcke, Institut für industriewirtschaftliche Forschung, Universität Münster

Theorie der Außenwirtschaft von Dr. Klaus Rose und Dr. Karlhans Sauernheimer, 14. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München

Internationales Management von Prof. Dr. Michael Kutschker und Prof. Dr. Stefan Schmid, 7. Auflage, Oldenbourg Verlag, München

Internationale Wirtschaft von paul R. Krugmann und Maurice Obstfeld, 8. Auflage, Pearson Verlag

Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft von Ulrich Baßener, Jürgen Heinrich und Burkhard Utecht, 17. Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2002

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