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Kompendium Lohn

 

Generelles zur Lohnbildung


Das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, ohne staatlich festgelegte Mindestlöhne, sprich das Prinzip des „Laissez-Faire“, nennt man Lohnbildung. Ein Gleichgewicht des Arbeitsmarkts tritt dann ein, wenn bei fixem Lohnniveau die Nachrage nach Arbeit identisch ist mit dem Angebot an Arbeit. Einflussgrößen wie Reglementierungen des Marktes ( Arbeit- und Gütermarkt), Bildung, die Entwicklung der Volkswirtschaft sowohl als auch die räumliche und berufliche Mobilität der Arbeitskräfte, haben große Effekte auf die Lohnhöhe.

 

Lohn der umgangssprachlich auch als Entgelt bezeichnet wird, wird im Volksmund so definiert:

 

Das Arbeitsentgelt ist die Leistung, in der Regel ein Geldbetrag, die ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer aufgrund eines zwischen den beiden geschlossenen Arbeitsvertrages schuldet. Entgelt ist eine nominalisierte Form von „entgelten“, was so viel heißt wie „vergüten“. Innerhalb der Schweiz, ansonsten selten, wird der Begriff Salär für eine geldwerte Entlohnung verwendet. Historisch und umgangssprachlich werden zwei Formen des Entgelts unterschieden:

 

 

 

Freie Lohnbildung  in der neoklassischen Theorie

 

Eine der wichtigsten Charakteristika der neoklassischen Theorie ist der vollkommene Markt, auf dem der Preismechanismus den Ausgleich von Angebot und Nachfrage und somit die Markträumung gewährleistet.

Wenn der Preismechanismus die Markträumung auf dem Gütermarkt und der Lohnmechanismus die Markträumung auf dem Arbeitsmarkt bewirken, ist Vollbeschäftigung realisiert.

 

In diesem Zustand gilt:

 

·       Jeder Arbeitnehmer findet unter Akzeptanz des am Markt herrschenden Lohnssatzes, eine Beschäftigung

·       Alle Unternehmungen setzen die geplanten Produktionsmengen ab und erreichen die favorisierte Ausland der Sachkapazitäten

 

Weiter geht man in dem neoklassischen Ansatz der Lohnbildung davon aus, dass das Angebot an Arbeit ein Resultat aus freiem Willen der Beschäftigten und diese auf einer individuellen Nutzenmaximierung basiert. Unter Abwägung des Nutzens, legen alle Parteien der Wirtschaft das bestmögliche Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Freizeit fest.

Der Nutzen der Arbeitszeit entspricht dem Einkommen.

 Ferner wird davon ausgegangen, dass alle Subjekte nach dem real erzielbaren Lohnsatz streben und somit ökonomisch und rational ihr Arbeitsangebot verwalten.

Somit gilt: Alle Subjekte sind „frei von Geldillusionen“.

Deshalb gilt weiter: das dass gesamtwirtschaftliche Arbeitsangebot bei zunehmenden Reallohnsatz steigt.

 

Allerdings stellt der vollkommene Markt eher ein idealtypisches Modell dar, da es diesen Zustand in der Realität eher eine Ausnahmesituation darstellt. Aber es dient dennoch als Referenzmodell für Modelle mit unvollkommenen Märkten um zu untersuchen welche Effekte in einem idealtypischen Modell zu erwarten wären.

 

 

Reallohn- und Nominallohnsatz

 

Wie schon vorher deklariert, basiert die Bereitschaft der Haushalte oder Beschäftigten auf dem Zweck der Einkommenserzielung, um so das Leben zu finanzieren.

Daraus lässt sich nun ableiten: die Höhe des Lohnsatzes determiniert den Umfang des Arbeitsangebots.

 

Dabei gilt es in zwei Teilbereiche zu spezifizieren.

In Geld- oder Nominallohn und den Reallohn. Der Nominallohn verkörpert hier den Geldbetrag, den der Beschäftigte für eine geleistete Stunde erhält dagegen der Reallohn das Verhältnis zwischen Geldlohnsatz und Preisniveau.

Um dies ein wenig plausibler zu gestalten füge ich ein Beispiel ein. Angenommen der Geldlohnsatz beträgt 20 Euro pro geleistete Stunde und der Preis eine spezifischen Gutes bei  5 Euro pro Stück, so ergibt sich das, der Arbeitsleistende von einer Stunde Arbeit 4 Stückeinheiten des Gutes erwerben kann. Somit beträgt der Reallohnsatz 4.

Kostest dagegen ein spezifisches Gut 20 Euro, ergibt sich ein Reallohnsatz von 1.

Somit gilt: der Reallohnsatz drückt die Kaufkraft aus.

Der Nominallohn ist der tatsächlich ausbezahlte Lohn in Geldsumme, beispielsweise ein Lohn von 1000 Euro. So ist man gleich bei den wirtschaftlichen Gesetzen gelandet, hierbei sind die Inflationsrate, die Konjunktur und die damit verbundenen Lebenshaltungskosten gemeint.

Bei einer etwaigen Erhöhung der Inflation, erhöhen sich die Preise jedes einzelnen Gutes, bis aus Ausnahmen wie feste Güter. Angenommen die Preise von Energie, Rohstoffen, Rohöl und Lebensmittel, sprich Lebensnotwendige Güter steigen inflationär an, so bedeutet dies einen Sinkflug des  Reallohns, wenn der Nominallohn ( ausgezahlter Betrag in Euro) sich nicht dem inflationären Kurs anpasst. Wenn zudem der Reallohnsatz können die Beschäftigten weniger Güter pro geleistete Stunde Arbeit leisten, beginnen zu sparen und eine konjunkturelle Stagnation bzw.

Reduktion durch Senkung des Konsums wäre die Folge.

 

Generell ergibt sich dadurch eine starke Kopplung des Reallohn- und des Nominallohnsatzes.

Dabei fungiert der Reallohn als Instrument für Argumentationen in tariflichen Verhandlungen um den Nominallohn. Der Nominallohnsatz hat dabei eine gesamtwirtschaftliche Bedeutung inne.

Die Funktion für den Nominallohn lautet:

formel 1

W = aggregierter Nominallohn

Pe = erwartetes Preisniveau

u = Arbeitslosenquote

z = Sammelvariable

 

Der Reallohn wird im Verhältnis Lohnsatz W zu Preisniveau P wiedergegeben:

Formel

 

 

Zum Reallohn wäre hinzuzufügen, das dieser in starker Abhängigkeit zum Preisniveau steht.  Der Nominallohn spielt in der Realität nur eine Randbedingung und es im analytischen Teil ein wichtiges Instrument. Aber an sich besteht das Interesse der Arbeitnehmer  darin, welche Gütermenge und Dienstleistungen kann er sich für sein Einkommen leisten und wie viel kann er zusätzlich sparen.

Entscheidend ist demnach welchen Nominallohn die Unternehmen im Verhältnis zum Preis des produzierten Endprodukts zahlen.


 

 

 

 

....

Abbildung 1: Entwicklung der Reallöhne in Deutschland seit 1991 bis 2006

 

 

 

 

In vielen Ländern Europas und der Welt werden nominelle Lohnsätze zwischen Arbeitnehmervertretungen, Gewerkschaften und den Arbeitsgeber direkt (oder Verbänden) verhandelt und tariflich festgesetzt. Dieser sogenannte Tarifvertrag kann eine Laufzeit von einem Jahr besitzen kann aber auch über mehrere Jahre hinweg Gültigkeit besitzen.

 Daraus ergibt sich eine zeitlich begrenzte Nominallohnfixierung.

 

Dagegen liegt eine Reallohnfixierung dann vor, wenn in Tarifverträgen der nominelle Lohnsatz kurzfristig der Preisentwicklung angepasst wird. Unter dieser Annahme bleibt ein gewisser Betrag des reellen Lohnsatzes übrig. Diese Maßnahme wird von den meisten Ländern nicht angewandt da sie die Gefahr einer Inflation birgt.

 

Folgende Effekte würde man bei einer Reallohnfixierung erwarten:

 

 

        Arbeitsmarkt: Die kürzere Marktseite (hier: A-Nachfrage) setzt sich durch!
 
·       Beschäftigung sinkt, damit auch Yreal
 
·       Kaufkraft der Arbeitnehmer (A*w/p) kann sinken, steigen oder gleichbleiben je nach Elastizität der Arbeitsnachfrage (> < =1)
 
·       Kaufkraft der Gesamtwirtschaft = Realeinkommen sinkt auf jeden Fall (s.o.)
 
·       Preisniveau steigt bei unveränderter Geldmenge (wegen p = M * v/Yreal)
 
·       Reallohnfixierung impliziert Durchsetzung entsprechender Nachschlagsforderungen bei den Löhnen
 
·  minallohnfixierung macht steigendes Preisniveau Reallohnerhöhung teilweise zunichte

 

Effekte

Abbildung 2: Zu erwartende Effekte bei einer Reallohnfixierung

 

 

In Bezug auf den Mindestlohn

 

Dagegen werden Lohn oder Löhne in der Makroökonomie wesentlicher spezifizierter betrachtet und in den Gesamtkontext der VWL  gesetzt. Dabei unterscheidet man zwischen der traditionellen neoklassischen Lohntheorie und dem Monopsonmodell.

 

Die traditionelle neoklassische Lohntheorie, unter Annahme eines vollkommenen Marktes, ist generell genommen auf einen Aufsatz von Stigler begründet. „ The economics of minimum wage legislation“ aus dem Jahre 1964, der besagt, dass sich auf einem Arbeitsmarkt aufgrund von Angebot und Nachfrage des Faktors Arbeit ein Gleichgewichtslohn entwickle, der sich als Schnittpunkt der beiden (Angebots- und Nachfragekurven) Kurven definiert werden kann. Die zu beschäftigende Person wird dabei gemessen an der produktiven Leistung für das Unternehmen entlohnt.

Ein Mangel oder Überschuss von Arbeitskräften ist somit nur von kurzer Dauer, da ein sofort ein Mechanismus greift der das Gleichgewicht wieder herstellt. Diesen Mechanismus nennt man Anpassungsmechanismus.

Eine Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, über dem Niveau des Gleichgewichtslohnsatzes, hätte in der neoklassischen Lohntheorie sogar den Effekt, dass die Nachfrage nach Arbeit sinkt und somit die Arbeitslosigkeit steigt.  Daraus lässt sich ableiten: Je höher der Mindestlohn, je elastischer die Arbeitsnachfrage und je unelastischer das Arbeitsangebot, desto größer ist die Arbeitslosigkeit.

 

 Durch diese Theorie lässt sich nun auf negative Beschäftigungswirkungen bei Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns schließen. Da die Theorie  aus einem vollkommenen Markt abgeleitet wird,  den es in der Realität nicht gibt, ist diese mit einem großen Makel behaftet.

 

 

Ein Monopson bezeichnet ein Unternehmen, dass auf dem Arbeitsmarkt als alleiniger Nachfrager einem Arbeitsangebot gegenübersteht, das sich unter den Annahmen vollkommener Konkurrenz ergibt.  In der Neoklassik war der Effekt von Mindestlöhnen eine Steigerung der Arbeitslosigkeit, dagegen basiert das Monopsonmodell auf der Erkenntnis einer positiven Auswirkung von gesetzlichen Mindestlöhnen auf den Beschäftigungsgrad.

Dabei spielen die Unternehmen eine besondere Rolle.

Sie sind in diesem Modell nicht Preisnehmer, sondern haben die Möglichkeit aufgrund ihrer

Marktmacht Löhne auch unterhalb des Gleichgewichtslohns zu etablieren.

Eine Beeinflussung des Lohnniveaus ist somit gegeben, da bei steigender Nachfrage nach Arbeit der Lohn steigt und umgekehrt bei Freisetzungen von Beschäftigten das Lohnniveau sinkt.

Um den Gewinn zu maximieren stellt der Monopsonist solange Beschäftigte ein, bis die Grenzkosten den Grenzerlös des Faktors  Arbeit nicht überschreitet.

Unter Berücksichtigung der Annahme, dass ein Unternehmen allen Beschäftigten den höheren Lohn zahlen muss, liegen die Grenzkosten über dem produktiven Beitrag des zuletzt eingestellten Beschäftigten und somit die gezahlten Löhne unter dem Gleichgewichtslohn. Wichtig ist zudem, generell ist das Beschäftigungsniveau deutlich geringer als im vollkommenen Markt in der neoklassischen Lohntheorie.

 

Merke: Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns führt in diesem Modell zu einer höheren Beschäftigung, die ihr Maximum in dem Lohnniveau erreicht, das in der Neoklassik dem Gleichgewichtslohn in einem vollkommenen Marktes entspricht. Liegt der Mindestlohn nun über dem Gleichgewichtslohn, so steigt die Arbeitslosigkeit über das Ausgangsniveau und ein erwarteter Zuwachs an Beschäftigten erfüllt sich nicht. Streng genommen kann es sogar zu einer negativen Spiralwirkung des Beschäftigungsgrades kommen.

Zudem gilt: Je elastischer das Arbeitsangebot und je unelastischer die Arbeitsnachfrage, desto größer ist die Spanne, in der Mindestlöhne festgelegt werden können, ohne dass es dabei zu einem Beschäftigungsverlust kommt.

 

Aber auch hier ist einer der großen Kritikpunkte der Theorie, das diese Art von Marktmacht relativ unwahrscheinlich. Darüber hinaus  gibt es aber Martkkonstellationen, die eine monopsoistische Ähnlichkeit besitzen.  Gruppen von Arbeitskräften mit geringer Mobilität und geringer Markttransparenz sind hier zu nennen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist zudem, die Inhomogenität von Beschäftigten und deren entsprechenden Qualifikationen, die hier von Unternehmen nur Mangelhaft wahrgenommen werden.

 

 

 

 

 

 

Quellen:

 

1.Gerhard Mussel- Einführung in die Makroökonomik  S. 140 ff.

 

2.Dornbusch/ Fischer- Makroökonomik 3. Auflage  Internationale Standardlehrbücher der Wirtschafts-Lohnerhöhung

   und Sozialwissenschaften S. 398 ff.

 

3.Baßeler/ Heinrich/ Utecht- Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft  17. Auflage Schäffer/    

   Poeschel S. 735 ff.

 

4.Dieckheuer- Makroökonomik, Theorie und Politik, 5. Auflage, Springer  S.170 ff.

 

 

5. http://de.wikipedia.org/wiki/Nominallohn 

 

6. http://de.wikipedia.org/wiki/Reallohn 

 

7. http://de.wikipedia.org/wiki/Entgelt 

 

 

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