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Geschichtlicher Hintergrund

Ein Geschäft bestand ursprünglich aus einem Tausch von Ware gegen Ware. Im Laufe der Zeit trat Gold als Zwischentauschmittel ein, sodass Ware gegen Gold gehandelt wurde. Später etablierten sich repräsentative Mittel wie Scheine und Münzen, die in Einheiten mit Gold auszutauschen waren um den Preis der Währung zu fixieren (Goldstandard). Die heutige Tendenz geht in Richtung des Buchgeldes, bei dem Geld ein z.B. auf Kontoauszügen festgehaltenes Zahlungsversprechen darstellt.

Durch den zunehmenden Welthandel und die zerrüttete Weltwirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg wurde ein Weltwährungsabkommen geschlossen. Die freie Austauschbarkeit der Währungen bei relativ festen Wechselkursen wurde auf Basis des US-$ eingeführt (das sogenannte Bretton Woods Abkommen). So gab Amerika  eine Goldeinlöse-Garantie, angelehnt an den Goldstandard. Somit waren alle Währungen untereinander festgelegt. Dieses System konnte jedoch aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung der Länder nach dem zweiten Weltkrieg und den hohen Bilanzunterschieden der USA und durch den Vietnamkrieg nicht aufrecht erhalten werden.

Der US $ wurde in den 70er Jahren als Basiswährung aufgehoben und die Industrieländer gingen zu den freien Wechselkursen über. Auf dieser Grundlage entwickelte sich der Internationale Währungsfond (IWF). Diese Sonderorganisation mit Sitz in den USA hat bis heute die Aufgabe, die internationale Zusammenarbeit zu Gunsten der Währungspolitik zu fördern, den Welthandel zu erleichtern und die Währungen zu stabilisieren. Als jüngste Beispiele sind Irland und Griechenland zu nennen, die Kredite aufgrund ihrer wirtschaftlichen Probleme bekommen haben.

 

Der Wechselkurs

Der Wechselkurs drückt das Wertverhältnis zwischen zwei Währungen aus. Der Kurs ist wichtig für den Welthandel, da er den In- und Export beeinflusst. Interessenten von Devisen nutzen die Fremdwährungen entweder um in die jeweilige Währung zu investieren oder um verschiedene Güter zu importieren. Des Weiteren bietet der Wechselkurs einen Orientierungswert für die Wirtschaftlichkeit eines Landes und es lassen sich viele ökonomische Zusammenhänge anhand dessen erklären.

„Unter den heutigen Bedingungen sind Spitzenmanager gezwungen, sich mehr mit dem Geld- und Devisenmarkt auseinanderzusetzen als mit dem langfristigen Gedeihen ihres Unternehmens.“ (Akio Morita, 1921-99, japanischer Unternehmer)

Das Zitat zeigt, wieviel Einfluss der Devisenmarkt und Wechselkurs auf die heutige Wirtschaft hat. Der Wechselkurs wird von vielen Einflussfaktoren bestimmt, zum Beispiel haben sich viele Aspekte der geschichtliche Entwicklungen durchgesetzt. Abgesehen von der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Handel auf dem freien Markt und die Theorie, hat vor allem die Politik großen Einfluss auf die Entwicklung der Wechselkurse. Die Mathematik kann somit die Wechselkurse nur bedingt beschreiben, bietet jedoch eine Grundlage zur Orientierung.

 

Zustandekommen des Wechselkurses auf dem Devisenmarkt

Der freie Wechselkurs basiert auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Ähnlich wie auf dem Gütermarkt werden Währungen auf dem Devisenmarkt gehandelt. Es kommt zum Tausch bzw. zum An- und Verkauf, wenn sich die Nachfrage (N1) und das Angebot (A1) treffen (S1). Dieses nennt man den Gleichgewichtskurs. Bei freien Wechselkursen pendelt sich der Gleichgewichtspreis (G1) theoretisch am gleichen Punkt ein, da der Markt Unter- oder Überbewertung der Währungen ausschließt. Dieses System wird auch Floating genannt.

Dem gegenüber steht der feste Wechselkurs. Hier besteht ein Abkommen zwischen zwei oder mehreren Wahrungsländern. Es wird eine Bandbreite vereinbart (z.B. 5% --> 2,5% über- und 2,5% unterhalb des festgelegten Austauschkurses wird akzeptiert), indem sich der Kurs bewegen darf. Wird dieser überschritten muss die jeweilige Landeszentralbank diese Über- oder Unterschreitung mit An- oder Verkäufen korrigieren. Dieses System wird heutzutage kaum noch angewendet. Entwicklungsländer oder wirtschaftlich schwächere Länder in Südamerika haben den festen Wechselkurs an den Dollar gekoppelt, um so die Inflation zu verringern. Allerdings ist auch die Landeszentralbank auf ihre Kapazitäten beschränkt, sodass dieses System nur begrenzt zu realisieren ist.

Gibt es mehr Angebot als Nachfrage entsteht ein Angebotsüberhang. Dies bedeutet, dass die Anbieter, die ihre Devisen über dem Gleichgewichtskurs verkaufen wollen nicht zum Geschäft kommen. Die Nachfrager wiederrum, die bereit gewesen wären, mehr als den Gleichgewichtskurs für die Devisen zu bezahlen, sparen Geld (Nachfrage-Rendite). Im Umkehrschluss funktioniert das Prinzip bei dem Nachfrageüberhang: Die Anbieter bekommen mehr Geld als sie ursprünglich verlangt haben (Anbieter-Rendite) und einige Nachfrager werden kein Geschäft abschließen können, da sie nicht bereit sind den verlangten Preis zu bezahlen.

 Der Wechselkurs

Bild: Das Zustandekommen des Gleichgewichtspreises

Umso höher die Nachfrage nach den Devisen der Binnenwährung ist (N1-->N2) , desto höher ist der Preis der jeweiligen Devisen. Dies hat zur Folge, dass mehr Anbieter aufgrund des gestiegenen Preises bereit sind ihre Devisen zu verkaufen. Der Gleichgewichtskurs steigt (S1-->S2) und somit auch der Wechselkurs. Dieser Verlauf geschieht auch im Umkehrschluss: Nimmt die Nachfrage nach Binnenwährung ab (N1-->N0) und initiiert so ein abnehmendes Devisenangebot, so verschiebt sich der Gleichgewichtskurs hin zum Nullpunkt und der Wechselkurs sinkt (S1-->S4).

Das Prinzip lässt sich auf das Angebot von Devisen übertragen. Steigt das Angebot, verschiebt sich die Angebotskurve (A1-->A0) und der Gleichgewichtspreis sinkt (S1-->S3), da mehr Nachfrager zum Kauf bereit sind. Sinkt jedoch das Angebot (A1-->A2) steigt der Preis (S1-->S0) und weniger Nachfrager fragen nach der jeweiligen Währung.

 Der Wechselkurs - Gleichgewichtskurs

Bild: Das Zustandekommen des Wechselkurses auf dem Devisenmarkt mit Veränderung von Angebot und Nachfrage

Der sich hier bildende Kurs nennt sich no minal Kurs. Dem entgegen steht der Reale Wechselkurs. Er gibt einen Richtwert an, um Preise von Gütern im Inland und Ausland zu vergleichen. Angeleht an den realen Wechselkurs gibt es die Terms of Trade (de. Bedingungen des Handels). Er gibt Auskunft über das Austauschverhältnis von Expotren zu den Importen eines Währungsgebietes.

 

Gründe für Veränderung des Devisenangebotes

Es gibt verschiedene Gründe für die Veränderung von Devisenangebot und –nachfrage. Die naheliegenden Gründe beinhalten den allgemeinen Welthandel, das Interesse von Spekulanten und Investoren und die Veränderungen des Zinses weltweit.

Gründe für eine veränderte Nachfrage nach Binnenwährung:

steigende Devisennachfrage (->Aufwertung der Währung)

  • Zunehmende Importtätigkeit (Waren in Fremdwährungsgebieten werden verhältnismäßig günstig, Aufschwung im Binnenmarkt --> steigender Konsum)
  • Steigende Zinssätze in Fremdwährungsgebieten
  • Spekulationsgründe

sinkende Devisennachfrage (--> Abwertung der Währung)

  • Importe gehen zurück (Wechselkurs für die Fremdwährung steigt an, Binnenwirtschaft im Abschwung -> rückgängiger Konsum)
  • Spekulanten gehen von einem Risiko aus
  • Zinssätze steigen an

steigendes Devisenangebot (--> Abwertung der Währung)

  • Zunehmende Exporte (technischer Fortschritt, Fremdwährungsländer befinden sich im Aufschwung)
  • Zuschüsse der Fremdwährungsländer durch z.B. Devisenhilfen, Entwicklungshilfe

sinkendes Devisenangebot (--> Aufwertung der Währung)

  • Exporte gehen zurück (Binnenmarktpreise steigen, technischer Rückstand des Binnenlandes,...)
  • Spekulanten gehen von einem rückläufigen Kurs der Fremdwährung aus

(Hartmann 2009, S. 347ff.)

Abgesehen von den vorgenannten Gründen kann eine gesteigerte oder gesunkene Nachfrage nach Devisen auch psychologische Hintergründe haben. So wird oft auf Reden wirtschaftlich oder politisch einflussreicher Personen schnell auf dem Devisenmarkt reagiert. Auch Ereignisse können die Devisennachfrage stark beeinflussen. In 2003 ist zum Beispiel der Kurs für den US$ stark gestiegen, als Saddam Hussein gefangen genommen wurde. Viele Spekulanten oder Investoren gehen in solchen Situationen davon aus, dass sich die Gesamtwirtschaftslage verbessern wird oder sie investieren aufgrund dieser Begebenheiten vermehrt in die Unternehmen dieses Landes.

Steigt der Wechselkurs, so geht man von einer guten Wirtschaftlichkeit eines Landes aus. Es kommt zu vermehrten Importen, da diese durch den starken Kurs günstiger sind. Im Gegenzug gehen die Exporte in der Regel zurück, da der Preis für die Fremdwährungsländer verhältnismäßig hoch ist.

Allgemein lässt sich sagen, dass die Zahlungsbilanz auf lange Sicht eine gute Orientierung für den Wechselkurs bietet. Die Seiten der Zahlungsbilanz eines Landes sollten ausgeglichen sein, zumindest langfristig gesehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Wechselkurs. Ist die Zahlungsbilanz sehr unausgeglichen (zu viele Ausgaben), so schlägt sich dies in der Regel schnell durch eine Abwertung auf den Wechselkurs nieder. Die Schulden werden durch die Abwertung automatisch geringer und der Export wird wieder gesteigert.

 

Der Verbraucher

Für den privaten Verbraucher müssen verschiedene Kurse berücksichtigt werden. Man unterscheidet zunächst zwischen dem Devisenkurs und dem Sortenkurs . Des Weiteren wird zwischen dem Ankaufkurs (Geldkurs) und dem Verkaufskurs (Briefkurs) unterschieden. Möchte ein Verbraucher in Deutschland bei der Bank sein Geld tauschen, so bekommt er für einen Euro nach dem Geldkurs z.B. 1,39 US $ überwiesen (Devisenkurs) oder 1,38 US $ ausgezahlt (Sortenkurs). Entscheidet sich der Verbraucher jedoch, seine US $ wieder in Euro umzutauschen, so zahlt er für jeden Euro nach dem Briefkurs 1,41 US $ überwiesen (Devisenkurs) oder 1,40 US $ ausgezahlt (Sortenkurs). Dieser Kursunterschied ist dadurch bedingt, dass die Bank Profit erwirtschaften möchte.

 

Veränderung durch die Einführung des Euro

Die Europäische Währungseinheit (eng. European Currency Unit) hat die Fixierung der europäischen Währungen übernommen. Die Währung war eine künstliche, bis dann 1999 der Euro in Form von Buchgeld eingeführt wurde. Im Januar 2002 löste dann in einem zweiten Schritt der Euro als Bargeld die nationalen Währungen ab.

Die Europäische Währungsunion vereinfacht den Handel innerhalb und außerhalb Europas, spart Transaktionskosten und gibt Europa als solches eine stärkere Position im Vergleich zu der Welt. Durch den Wechsel veränderte sich auch die Auszeichnung des nominalen Wechselkurses von der Preisnotierung zur Mengennotierung. Die Währung wird nun nicht mehr in einer Auslandswährung entspricht x Mark ausgedrückt, sondern ein Euro ist x Auslandswährung.

Nach einem anfänglichen Abfall des Euro z.B. auf Grund von anfangs mangelndem Vertrauen der Spekulanten, hat sich der Euro weitestgehend stabilisiert, vor allem auf Grund der verhältnismäßigen Schwäche anderer Staaten. Die aktuellen Kursschwankungen sind mit der Weltwirtschaftskrise zu erklären. Deren Nachwirkungen verringern die Wirtschaftlichkeit von Griechenland, Spanien und weiteren Mitgliedsstaaten, die ohne den Euro längst eine starke Abwertung verspürt hätten. Durch die Europäische Währungsunion schlagen sich diese Probleme in einer Abwertung des Euros als Ganzes nieder. Deutschland als Exportland profitiert von dieser Entwicklung, da durch eine Fixierung der Wechselkurse innerhalb der Währungsunion die D-Mark nicht mehr gegenüber den anderen Währungen aufgewertet werden kann. Dies führte zu einer gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den europäischen Wettbewerbern und zu einer Erhöhung der deutschen Exporte. Jedoch ist die sogenannte Eurokrise eine finanzielle Belastung für alle Mitgliedsstaaten, da durch Hilfezahlungen versucht wird die Wirtschaft und somit den Wechselkurs stabil zu halten. Hier sind die Folgen für ein wirtschaftlich vergleichsweise starkes Mitgliedsland wie Deutschland kaum absehbar, vor allem wenn nichts für die Prävention weiterer Finanzmarktzusammenbrüche unternommen wird.

Ob und für wen der Euro nun Gewinn oder Verlust erbracht hat ist schwer zu definieren. Es muss jedoch immer im Hintergrund behalten werden, dass der Euro als Währungsunion nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Entscheidung für Europa war.

 

Quellen

BLATTNER, PETER (1997): Internationale Finanzierung, 2. Auflage, Oldenbourg Verlag

HARTMANN, GERNOT (2009): Volks- und Weltwirtschaft, Merkur Verlag Rinteln

www.wikipedia.de

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/wechselkurs.html

http://www.uibk.ac.at/iwb/down/MF-s05-5.pdf

http://www.uni-duesseldorf.de/wiwi/vwlsm/Dokumente/Devisenmarkt.pdf

http://www.zitate.de/kategorie/Wechselkurs/