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Bruttosozialprodukt

 1. Was ist das Bruttosozialprodukt

 2. Was ist die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

 3. Unterschied zwischen Bruttosozialprodukt und Bruttoinlandsprodukt

 4. Berechnung des Bruttosozialprodukts durch das Bruttoinlandsprodukt

 5. Ist das Bruttosozialprdukt ein Wohlstandindikator?


1. Was ist das Bruttosozialprodukt

Das Bruttosozialprodukt, abgekürzt BSP, wird heute Bruttonationaleinkommen (BNE) genannt.  Man benutzt auch den englischen Begriff Gross National Income (GNI). Das Bruttosozialprodukt ist ein Begriff aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR), [1] die später näher erläutert wird. Es ist die Gesamtsumme von allen Gütern und Dienstleistungen, die von den Inländern eines Landes, also einer Volkswirtschaft, erbracht worden sind. In welchem Zeitraum das Bruttosozialprodukt veröffentlicht wird, ist unterschiedlich. Es kann zum Beispiel je Quartal, alle sechs Monate oder auch nur einmal im Jahr erstellt werden. Die im Land erwirtschaftete Leistung, ist unabhängig vom Wohnsitz der Inländer. Mit Inländer sind alle Wirtschaftssubjekte gemeint, die in einem Land ihren Wohnsitz haben. Das Bruttosozialprodukt beachtet somit nicht die Einkommen, die ins Ausland geflossen sind, sondern bezieht die Einkommen, die im Inland empfangen worden sind. [2]

 

2. Was ist die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung?

Das Bruttosozialprodukt ist eine wichtige Kennzahl der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Durch die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) werden alle Einkommens- und Güterströme einer Volkswirtschaft in einer abgelaufenen Periode erfasst. Dem wirtschaftlichen Geschehen wird somit ein Überblick im Nachhinein verschafft (ex post). [3] Man kann die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung mit dem Rechnungswesen eines Unternehmens vergleichen.

Sie beschäftigt sich mit folgenden Aufgaben:

-   Durch die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung wird der Wohlstand gemessen

-   Sie unterstützt die Entwicklung von wirtschaftlichen Vorhersagen

-   Durch die Lieferung von Daten können theoretische Vermutungen überprüft
    werden

-   Sie hat die Aufgabe einen Rahmen für Handlungen und Entscheidungen in der
    Wirtschaftspolitik zu bieten

-   Unterstützung beim Verstehen von gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen

Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung wurde zunächst 1957-1960 in Deutschland entwickelt. Ab 1970 mussten die Daten aktualisiert werden und für die europäischen Gemeinschaften angepasst werden.  Das System wurde durch das Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung (ESVG 1995) ersetzt. Das bedeutet, dass für die Mitglieder der Europäischen Union seit 1999 Regeln für Methoden und Definitionen beschreibt. Das System wurde auf Basis des Systems of National Accounts (SNA1993) der vereinten Nationen erstellt und somit wird die deutsche volkswirtschaftliche Gesamtrechnung durch das europäische System ersetzt. [4]

Dadurch soll eine Vereinheitlichung der unterschiedlichen nationalen Konzepte entstehen, damit ein einfacher Vergleich zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten der  Europäischen Union stattfinden möglich ist. [5] Dadurch wird also erklärt, wieso der Begriff Bruttosozialprodukt durch das Wort Bruttonationaleinkommen ersetzt wurde. Der Begriff Bruttonationaleinkommen wird so ebenfalls in den europäischen Mitgliedsstaaten verwendet.

 

3. Unterschied zwischen Bruttosozialprodukt und Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttosozialprodukt wird oft mit dem Bruttoinlandsprodukt verwechselt. Die Definition hört sich sehr ähnlich an:

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der gesamte Wert von allen  Gütern und Dienstleistungen, die in einem Land in einem bestimmten Zeitraum, also entweder vierteljährlich, halbjährig oder jedes Jahr, erzeugt werden. [6]  Es ist somit ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft.

Der Unterschied zwischen Bruttosozialprodukt und Bruttoinlandsprodukt liegt jetzt darin, dass das Bruttoinlandsprodukt die Güter des Inlandes darstellt. Aus diesem Grund wird es auch Inlandskonzept genannt. Das Bruttosozialprodukt hingegen umfasst die Güter, die von Inländern erzeugt worden sind. Deswegen wird es Inländerkonzept genannt. [7]

Für ein besseres Verständnis folgen drei Beispiele:

1) Wenn ein Bäcker eine Bäckerei in Deutschland eröffnet, so zählt die Wertschöpfung der Bäckerei zum deutschen Bruttosozialprodukt und ebenfalls zum deutschen Bruttoinlandsprodukt.

2) Wenn der Bäcker jedoch eine Bäckereikette eröffnen möchte und eine Filiale in zum Beispiel in Frankreich hat, dann zählt die Wertschöpfung von dieser Filiale noch zum Bruttosozialprodukt, da das Einkommen nach Deutschland fließt und der Bäcker seinen Wohnsitzt in Deutschland hat. Jedoch wird das Einkommen nicht zum deutschen  Bruttoinlandsprodukt berechnet.

3) Wenn jedoch eine amerikanische Fastfoodkette eine Filiale in Deutschland eröffnet, so wird die Wertschöpfung von dieser Filiale nicht zum deutschen Bruttosozialprodukt berechnet, da die Einkommen ins Ausland fließen, jedoch zum deutschen Bruttoinlandsprodukt.

Ebenso gibt es Beispiele für Pendler:

1) Wenn ein deutscher Angestellter zum Beispiel in der Schweiz arbeitet, jedoch in Deutschland seinen Wohnsitz hat, zählt sein Einkommen zum deutschen Bruttosozialprodukt, da die Einnahmen ins Inland fließen. Jedoch  wird das Einkommen nicht zum Bruttoinlandsprodukt berechnet.

2) Wenn jedoch eine französische Angestellte, die Ihren Wohnsitz in Frankreich hat, in Deutschland arbeitet, wird ihr Einkommen nicht zum deutschen Bruttosozialprodukt berechnet, da die Einnahmen ins Ausland fließen. Jedoch trägt es zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei.[8]

 

4. Berechnung des Bruttosozialproduktes durch das Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttosozialprodukt wird mithilfe des Bruttoinlandproduktes berechnet. Um das  Bruttoinlandsprodukt zu erhalten, muss man zunächst vom Produktionswert zu den jeweiligen Herstellungspreisen   die Vorleistungen abziehen. Somit erhält man  die Summe der Bruttowertschöpfung der Wirtschaftsbereiche. Wenn man zu der Bruttowertschöpfung nun die Gütersteuern (z.B. Mehrwert-, Tabak- oder Versicherungssteuern) addiert und die Gütersubventionen subtrahiert erhält man letztendlich das Bruttoinlandsprodukt. Zum Bruttoinlandsprodukt muss man das Inlandseinkommen von Ausländern subtrahieren und das Auslandseinkommen von Inländern hinzu addieren.

1) Produktionswert
   – Vorleistungen
   = Bruttowertschöpfung

2) Bruttowertschöpfung
   + Gütersteuern
   – Gütersubventionen
   = Bruttoinlandsprodukt

3) Bruttoinlandsprodukt
   – Inlandseinkommen von Ausländern
   + Auslandseinkommen von Inländern
   = Bruttosozialprodukt

[9]

 

5. Ist das Bruttosozialprodukt ein Wohlstandsindikator?

Das Bruttosozialprodukt oder auch Bruttonationaleinkommen wird heute dazu genutzt, diverse Volkswirtschaften  im Bezug auf ihren Wohlstand miteinander  zu vergleichen. Das Bruttosozialprodukt wird also als Wohlstandindikator verwendet. Jedoch stellt sich die Frage, ob wirklich der Wohlstand einer Volkswirtschaft auf diese Weise gemessen werden kann.  Durch das Bruttosozialprodukt hat man weder die Möglichkeit, Aussagen über das verfügbare Vermögen der Bevölkerung zu treffen, noch Angaben über die Verteilung der Einkommen der Bevölkerung zu machen. [10]

Auch Robert F. Kennedy kritisierte das Bruttonationaleinkommen im Bezug auf den Wohlstand. In der University of Kansas nahm er am 18.03.1968 Stellung zum Thema „Gross National Product“.

Übersetzt sagt er:

„…Unser Bruttonationaleinkommen beträgt jetzt über 800 Milliarden Dollar pro Jahr, aber dieses Bruttonationaleinkommen – wenn wir die USA daran messen – rechnet Luftverschmutzung und Zigarettenwerbung ein, und Krankenwagen, die das Blutbad unserer Highways ausräumen. Es rechnet Spezialschlösser für unsere Türen ein und Gefängnisse für die Leute, die sie aufbrechen. Es rechnet die Zerstörung des Mammutbaums ein und den Verlust unserer Naturwunder durch chaotische Zersiedelung. Es rechnet Napalm und Atomsprengköpfe und Panzerwagen für die Polizei im Kampf gegen Aufstände in unseren Städten ein. [...] Und die Fernsehprogramme, die Gewalt verherrlichen, um Spielzeug an unsere Kinder zu verkaufen. Aber das Bruttonationaleinkommen hat keinen Platz für die Gesundheit unserer Kinder, die Qualität ihrer Erziehung oder ihre Freude beim Spiel. Es beinhaltet weder die Schönheit unserer Poesie noch die Stärke unserer Ehen, weder die Intelligenz unserer öffentlichen Debatte noch die Integrität unserer öffentlichen Amtsträger. Es misst weder unsere Schlagfertigkeit noch unseren Mut, weder unsere Weisheit noch unser Lernen, weder unser Mitgefühl noch unsere Hingebung an unser Land. Kurzum: Es misst alles, außer dem, was das Leben lebenswert macht...“ [11]

 

[1] Vgl. http://www.vimentis.ch/lexikon/411/Bruttonationaleinkommen.html

[2][8][10]Vgl. http://www.suite101.de/content/bruttonationaleinkommen-bne---berechnung-definition-und-kritik-a94585

[3] [5] Vgl. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Volkswirtschaftliche_Gesamtrechnung.htmlhbarkeit

[4] Vgl. http://www.makroo.de/Wirtschaftskreislauf/Volkswirtschaftliche%20Gesamtrechnung.htm

[6][9] Vgl. Siekerkötter, Fehn, 2008, S.276

[7] Vgl.http://ekerger.de/04%20wirtschaftslehre/04%20volkswirtschaftslehre/05%20bruttoinlandsprodukt.pdf

[11] Vgl. http://www.ecopolis.org/bob-kennedy-on-gdp/

 

 

 

6. Quellenverzeichnis

1)Siekerkötter, R., Fehn T.: Wirtschafts- und Sozialkunde, Immobilienkaufmann/Immobilienkauffrau, 7. Aufl., Rinteln, Merkur Verlag, 2008

2) http://www.vimentis.ch/lexikon/411/Bruttonationaleinkommen.html

3) http://www.suite101.de/content/bruttonationaleinkommen-bne---berechnung-definition-und-kritik-a94585

4) http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Volkswirtschaftliche_Gesamtrechnung.htmlhbarkeit

5) http://www.makroo.de/Wirtschaftskreislauf/Volkswirtschaftliche%20Gesamtrechnung.htm

6) http://ekerger.de/04%20wirtschaftslehre/04%20volkswirtschaftslehre/05%20bruttoinlandsprodukt.pdf

7) http://www.ecopolis.org/bob-kennedy-on-gdp/