Druckversion

Annuity (engl.) – Rente (de.)

 

Inhaltsverzeichnis

1. Definition

2. Historische Entwicklung

3. Soziale und wirtschaftliche Situation in Deutschland

4. Rente in der Mikroökonomie

 

1. Definition

Die Rente ist ein regelmäßiges Einkommen ohne erbrachte Arbeitsleistung, welches auf Vermögensbesitz, Versicherungs- oder Versorgungsansprüchen beruht. Das Wort Rente leitet sich aus dem Italienischen „rendita“ ab. Unterschieden wird u.a. zwischen Leibrente, Zeitrente und in der Wirtschaftstheorie Grundrente (aus kurzfristig fixierten Produktionsmitteln fließendes, die Kosten übersteigendes Einkommen).
Bis zum 1. Weltkrieg bestand die Rente aus Kapitalbesitz, wogegen heute die Renten überwiegend aus Versicherungs- und Versorgungsansprüchen (Rentenversicherung) bestehen. [1]   [2] 

 

2. Historische Entwicklung

Die gesetzliche Rentenversicherung gibt es nun schon seit mehr als 120 Jahren. Ihren Ursprung hat sie im Jahre 1889, indem sie zusammen mit anderen Sozialversicherungen von Reichskanzler Otto von Bismarck eingeführt wurde. Aufgrund des zunehmenden Einflusses der sozialdemokratischen Strömungen zu jener Zeit, wurde Bismarck der Forderungen des Volkes nach sozialen Sicherheitssystemen gerecht, indem er die Einführung der Sozialversicherungen veranlasste.

 

1889: Einführung der Sozialgesetze unter Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm I. Gemeinsam mit anderen Sozialversicherungen, wurde die Rentenversicherung verabschiedet. Diese wurde allerdings erst ab dem 70. Lebensjahr ausgezahlt. Dennoch ist man davon ausgegangen, dass der größte Teil des Lebensunterhaltes durch vorherrschende Ersparnisse aufgebracht wird.

1891: Zwei Jahre nach der Verabschiedung der Sozialgesetze wurde die Rentenversicherung endgültig eingeführt.

1911: Einführung der Hinterbliebenenrente.

1916: Beschluss über die Senkung des Renteneintrittsalters für alle Arbeitnehmer auf das 65.Lebensjahr. In Folge dessen verdoppelte sich schlagartig die Zahl der Rentenempfänger. Durch den 1. Weltkrieg verschärfte sich die finanzielle Lage zusätzlich, sodass es nach Ende des Krieges keinerlei gesetzliche Rentenversicherungen mehr zur verzeichnen gab.

Ab 1933: In der Zeit des Nationalsozialismus wurde als Erweiterung der Rentenversicherung das Lohnabzugsverfahren und die Krankenversicherung eingeführt.

1957: Durch eine richtungsweisende Rentenreform wurde in der Nachkriegszeit die Rente an die gegebene Lohnentwicklung angepasst, sodass die Höhe der Rente um durchschnittlich 2/3 stieg.

1968: Einführung des bis heute bestehenden Umlageverfahrens zur Finanzierung der Rentenzahlungen. Die eingezahlten Beiträge der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer werden unmittelbar an die Rentenbezieher ausgezahlt.

1972: Senkung des Renteneintrittsalters auf das 63.Lebensjahr. Die Möglichkeit der Zusatzversicherung für Selbständige und Hausfrauen wurde zudem geschaffen.

1992: Erneute Rentenreform um das allgemeine gesetzliche Rentensystem zu sichern. Das Renteneintrittsalter wurde wieder auf das 65. Lebensjahr erhöht. Zudem wurden die Renten auf die Nettolöhne erhoben und nicht mehr wie bisher auf das Bruttoeinkommen.

2001: Rentenreform zur Absenkung des Rentenniveaus (Maßgröße zur Bestimmung des Verhältnisses von der Standardrente eines Jahres zum Einkommen) [3] , aufgrund der kritischen Lage des Rentensystems. Gleichzeitig beschließt die Bundesregierung die private Vorsorge staatlich in Form der „Riester-Rente“ zu fördern.

2005: Beschluss zur Abschaffung der steuerfreien Altersvorsorge.

2006: Erneut wird das Renteneintrittsalter von dem 65.Lebensjahr auf 67.Jahr angehoben. [4] [5]

 

3. Soziale und wirtschaftliche Situation in Deutschland

Die Einführung des im Jahre 1968 beschlossenen Umlageverfahrens ist der Kern der heutigen Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Rentenversicherung. Nach dem Umlageverfahren wird das Geld, welches heute von den Arbeitnehmern in die „Rentenkasse“ einbezahlt wird, umgehend als Rente an die Rentenbezieher ausbezahlt.[6]  Dieses Verfahren birgt sehr viele Gefahren und Probleme, auf die ich hier näher eingehen möchte.
In Deutschland herrscht ein zunehmender demografischer Wandel (Veränderung der Altersstruktur in einer Gesellschaft). Ursächlich für den demographischen Wandel ist zum einen die sinkende Geburtenrate und zum anderen die steigende Lebenserwartung und dadurch bedingt das steigende Durchschnittsalter. Die Geburtenrate ist in den letzten 15 Jahren um 22% gesunken. Wohingegen das Durchschnittsalter von  X Jahren auf X Jahre gestiegen ist.

Am Altenquotienten, welcher das Verhältnis der Bevölkerung im Rentenalter zur Bevölkerungsgruppe im Erwerbstätigenalter ausdrückt, lässt sich die Prognose erkennen, dass sich in vierzig bis fünfzig Jahren 100 Menschen im Erwerbstätigenalter, 78 Personen im Rentenalter gegenüber stehen. Ebenso lässt sich durch Statistiken belegen, dass das Verhältnis von „Geburt“ zu „Sterbefall“, eins zu zwei beträgt.  Sprich, auf eine Geburt fallen zwei Sterbefälle. Dies hat zur Folge, dass in absehbarer Zeit zu wenig Erwerbstätige die Renten für zu viele Rentenbezieher und für eine zu lange Dauer pro Rentenbezug finanzieren müssen und somit die Finanzierung des kompletten Rentenversicherungssystems gefährdet ist und nicht mehr ohne Hilfe des Staates zu tragen wäre. Durch die gravierende Veränderung der Altersstruktur, ist demnach die Funktionsfähigkeit des sozialen Rentenumlagesystems nicht mehr gewährleistet. Das derzeitige Versorgungsniveau bezüglich der Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung von ca. 80% des letzten Nettogehaltes, in den kommenden Jahren und in der Zukunft beizubehalten, wird nicht mal annähernd im Bereich des Möglichen liegen.[7] Um diese Situation visuell darstellen zu können, folgt eine Grafik des Verbands Deutscher Rentenversicherungsträger, die die prekäre Lage verdeutlichen soll.

 Entwicklung des Rentenniveaus

 [8] 

 

Die Grafik zeigt die Maßgröße des Rentenniveaus, welche erforderlich ist um das Einkommen der Erwerbstätigen mit den Rentenbezügen zu vergleichen. Es wird also die Rente eines Arbeitnehmers, der 45 Jahre lang in die „Rentenkasse“ eingezahlt hat, mit dem Einkommen eines Durchschnittverdieners verglichen.

In der Grafik ist zu beachten, dass beim aufgezeigten Brutto-Rentenniveau keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge berücksichtigt werden, welche hingegen beim Netto-Rentenniveau mit einkalkuliert sind.

Jeder sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer muss sich zwangsläufig die Frage stellen, was er als Privatperson tun kann, um im Rentenalter finanzielle Sicherheit zu haben?

 

Insgesamt gibt es drei Möglichkeiten für die finanzielle Absicherung als Zusatz zur gesetzlichen Rente in Zukunft vorzusorgen. Die private,- die staatlich geförderte,- und die betriebliche Altersvorsorge .

 

Als Form der privaten Altersvorsorge gibt es fondsgebundene Altersrente in Form von kapitalbildenden Lebens,- oder Rentenversicherungen oder auch private Pflegerenten. Hierbei besteht die Möglichkeit der Kapitalaufstockung, um im Alter seinen Lebensstandard halten zu können.

 

Bei der staatlich geförderten Altersvorsorge gibt es zwei bekannte Vorsorgemöglichkeiten.
Zum einen die staatlich geförderte „Riester-Rente“ und zum anderen die im Jahr 2005 eingeführte Basisrente
(Rürup Rente).

Unter der betrieblichen Altersvorsorge, versteht man alle Leistungen, die der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer in Form von Zusatzaltersversicherungen, Hinterbliebenenversorgung und Invaliditätsversorgung zusagt.[9]

 

4. Rente in der Mikroökonomie

Der Begriff der Rente wird in der Volkswirtschaftslehre in vielen Gebieten verwendet. In der Mikroökonomie, speziell in der mikroökonomischen Analyse unterscheidet man in der sogenannten Rententheorie zwischen der Konsumentenrente und der Produzentenrente.

 

Konsumentenrente (engl.: consumer surplus):

Die Konsumentenrente ist die Differenz aus dem Preis, den die Konsumenten bereit sind im äußersten Falle für ein Gut zu zahlen (maximale Zahlungsbereitschaft), auch Reservationspreis genannt und dem aufgrund der Marktverhältnisse herrschenden tatsächlichen Marktpreis.

Das folgende Schaubild soll die Konsumentenrente verdeutlichen:

Konsumentenrente

[10] 

Das schraffierte Dreieck zeigt die Konsumentenrente, welches durch die Marktpreisgerade, die Nachfragekurve und die Ordinate (y-Achse) gebildet wird.

Wenn auf allen Märkten vollkommene Konkurrenz gegeben ist und die Preise gleich der Grenzkosten der Produzenten sind, so ist volkswirtschaftlich gesehen die Konsumentenrente am größten. [11]

 

Produzentenrente (engl.: producer surplus):

Die Produzentenrente ist das genaue Gegenteil zur Konsumentenrente. Sie beschreibt die Differenz zwischen dem Preis, zu dem ein Produzent aufgrund seiner Kostensituation gerade noch bereit wäre ein Gut zu produzieren (Reservationspreis des Produzenten) und dem Marktpreis. Im Folgenden möchte ich die Produzentenrente an Hand eines weiteren Schaubildes darstellen:

 Produzentenrente

[12]

Gekennzeichnet wird die Produzentenrente durch das grau markierte Dreieck, welches gebildet wird durch die Marktpreisgerade, die Ordinate (y-Achse) und die Angebotskurve.

Gemeinsam sind dies die wichtigsten Elemente zur Bestimmung der ökonomischen Wohlfahrt.
Die ökonomische Wohlfahrt ist ein Konstrukt zur Messung des sozialen und wirtschaftlichen Wohlstands der Bevölkerung. Dabei geht es generell um den Nutzen einzelner Individuen. Zwei Individuen erhöhen ihren Nutzen, indem sie mit gegeben Präferenzen freiwillig ihre wohlgemerkt verschiedenen Güter tauschen. Demnach haben beide nach diesem Tausch einen Mehrwert an Nutzen, steigern somit die ökonomische Wohlfahrt und darüber hinaus auch den ökonomischen Wohlstand der Volkswirtschaft. Die Summe aus Konsumentenrente und Produzentenrente spiegelt also die ökonomische Wohlfahrt wieder.